Weil am Rhein

Brandanschlag auf Friedlinger Ditib-Moschee

Ulrich Senf

Von Ulrich Senf

Fr, 28. April 2017 um 12:46 Uhr

Weil am Rhein

Unbekannte haben am frühen Freitagmorgen Molotow-Cocktails an die Fassade der Moschee in der Tullastraße geworfen. Der Anschlag, der nur Sachschaden verursachte, wurde beim Morgengebet entdeckt.

"Wir sind bestürzt", erklärt Necati Coskun, der Vorsitzende des türkisch islamischen Vereins Ditib. "Wir sind ein offenes Haus. Jeder, der etwas von uns will, kann zu uns hereinkommen, den ganzen Tag von morgens um 5.30 Uhr, wenn das Morgengebet beginnt, bis nach 22 Uhr. Und jetzt so etwas."

Noch kein Verdacht

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Karlsruhe, die als Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft "Staatsschutz" für den gesamten badischen Landesteil zuständig ist und die Leitung des Verfahrens übernommen hat, und des Polizeipräsidiums Freiburg warfen die bislang unbekannte Täter mehrere Brandsätze gegen das Gebäude des Türkisch Islamischen Kulturvereins. Dadurch wurden Fensterscheiben zwar beschädigt, die Brandsätze gelangten jedoch nicht ins Innere des Gebäudes. " Der Sachschaden ist nach bisherigen Feststellungen als eher gering anzusehen" , so die Polizei.

Die offizielle türkische Nachrichtenagentur Anadolu Ajans spricht von fünf Brandsätzen, die um 1.45 Uhr geworfen wurden.

Allein der Umstand, dass die Staatsanwaltschaft Karlsruhe, die als Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft "Staatsschutz" für den gesamten badischen Landesteil zuständig ist, die Leitung des Verfahrens übernommen hat, zeigt, welche Bedeutung dem Vorgang vor dem angespannten deutsch-türkischen Verhältnis beigemessen wird. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei zu den verwendeten Brandsätzen, den näheren Tatumständen und den Hintergründen der Tat sind im Gange. Einen konkreten Tatverdacht gebe es bislang aber nicht.

Einen Verdacht, wer die Tat begangen haben könnte, hat man auch in der Gemeinde nicht. Vorwarnungen oder Drohungen gab es im Vorfeld nicht. "Das kann politisch motiviert sein, das können Jugendliche gewesen sein, die ausgerastet sind", so Coskun, der vor allem glücklich ist, dass das Feuer nicht auf das Gebäude übergriff und bei dem Anschlag niemand verletzt wurde. Der Imam der Gemeinde, der über der Moschee wohnt, ist derzeit in Urlaub.

Der Anschlag war zunächst unbemerkt geblieben, so Necati Coskun. Auch Nachbarn des Gebäudes, das am Rande des Friedlinger Sportplatzes etwas abseits steht, sei in der Nacht nichts aufgefallen, erklärt der Vorsitzende. Bemerkt worden war der Anschlag erst am Morgen von den ersten Besuchern des Morgengebets, das um 5.30 Uhr beginnt. Sie hatte sofort Necati Coskun informiert und auch die Polizei alarmiert.

Um die Mittagszeit waren Helfer damit beschäftigt, die Spuren, die der Brandsatz an der Wand hinterlassen hatte, mit Hochdruckreiniger und Bürsten zu beseitigen. "Wir wollen so schnell wie möglich zur Normalität zurückkehren", so Coskun, der der Polizei ein großes Kompliment für ihre Arbeit macht. "Wir sind froh, hier in so einem sicheren Land zu leben. Wir fühlen uns nicht bedroht", gibt er die Stimmung aus der Gemeinde wieder. Enttäuscht ist Coskun allerdings, dass sich seit dem Morgen kein Verantwortlicher der Stadt Weil am Rhein mit der Gemeinde in Verbindung gesetzt hat.

"Islamfeindliche Angriffe werden nach wie vor als Bagatelle gesehen. Eine ernsthafte Bekämpfung dieser besonderen Form von menschenverachtendem Rassismus ist politisch nicht in Sicht", kommentierte unter anderem Mustafa Yeneroglu, Abgeordneter der AKP in der Türkei und Vorsitzender der Menschenrechtskommission des Parlaments den Weiler Anschlag bei Twitter. Yeneroglu spricht vom zwölften bekannten Angriff auf muslimische Gebetshäuser seit Beginn des Jahres in Deutschland.

Der türkisch islamischen Verein in Weil am Rhein zählt etwa 300 Mitglieder und verfügt über ein sehr lebendiges Gemeindeleben. Daneben gibt es in der Stadt aber auch eine große Gruppe von Aleviten, die sich in einer eigenen Gemeinde organisiert haben.
Hinweise über verdächtige Beobachtungen nimmt das Kriminalkommissariat Lörrach unter Tel. 07621 / 176-0 entgegen.

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