"Eine negative Entwicklung waren die vielen Spielhallen"

Regine Ounas-Kräusel

Von Regine Ounas-Kräusel

Fr, 05. Mai 2017

Weil am Rhein

FRIEDLINGER LEBEN:Norbert Adam hat elf Jahre in Friedlingen gelebt und verbindet mit dieser Zeit noch immer lebhafte Erinnerungen.

WEIL AM RHEIN (ouk). "Friedlingen – früher und heute" heißt die Ausstellung, die der Stadtteilverein derzeit vorbereitet. Der Aufruf zur Mitarbeit stieß auf große Resonanz. Vor allem viele Friedlinger fühlten sich angesprochen und helfen mit, ihren Stadtteil mit faszinierenden Erinnerungsstücken in Szene zu setzen.

Norbert Adam wirkt zwar nicht aktiv an der Ausstellung mit, aber er erwartet sie mit großem Interesse. Er hat elf Jahre lang in Friedlingen gelebt, ist bis heute der katholischen Pfarrei im Stadtteil verbunden und hat bis 2014 als Gemeinderat die Zukunft Friedlingens mitgestaltet.

"Ich kam durch Zufall nach Friedlingen. Aber ich habe dort gut gewohnt", erzählt Norbert Adam. Im Jahr 2000 zog er mit seiner Frau ins frühere Schwesternhaus neben der Kirche Guter Hirte, weil sie aus ihrer vorherigen Wohnung ausziehen mussten. Die beiden Töchter waren damals schon aus dem Haus. Sie hätten dicht an der Hauptstraße, aber recht ruhig gewohnt. Außerdem habe man in Friedlingen alles einkaufen können, beschreibt Adam die Lebensqualität. Er erzählt vom einzigen Musikgeschäft in ganz Weil und von einem kleinen Supermarkt, in dem man Lebensmittel bekam. Ins Rheincenter seien vor allem Schweizer und französische Kunden gegangen, aber kaum ein Friedlinger, erinnert er sich. Auch im türkischen Supermarkt habe man nur ausnahmsweise eingekauft, zum Beispiel Obst. "Eine negative Entwicklung waren die vielen Spielhallen", greift Norbert Adam ein Thema auf, mit dem er sich als Gemeinderat intensiv beschäftigt hat. Wenn in Friedlingen ein Geschäft aufgeben musste, seien oft Spielhallen in die Räume eingezogen, berichtet er. So zum Beispiel, als das "Rheincafé" an der Hauptstraße – eine Friedlinger Institution – nach dem Tod seiner Besitzerin schloss. Norbert Adam berichtet von Randale und Polizeieinsätzen und ist froh, dass die Städte Weil und Lörrach inzwischen Richtlinien beschlossen haben, um die Dichte der Spielhallen zu begrenzen.

Gleich nach seinem Einzug begann Norbert Adam, sich in der Pfarrei Guter Hirte als Lektor und als Kommunionhelfer zu engagieren. Bis heute hilft er bei Bedarf aus. Außerdem sang er im Kirchenchor. Als Stütze der Gemeinde erlebte er die polnischen Mitglieder aus Oberschlesien mit ihrem tiefen Glauben. Die Familien hätten Feste organisiert und im Pfarrgemeinderat gesessen, ihre Kinder seien Ministranten gewesen, erzählt er. Auch die Arbeit des Stadtteilvereins und die Idee der Ausstellung findet er gut: "Es braucht solche Institutionen, wo die Menschen ins Gespräch kommen." Als wichtige Zentren in Friedlingen betrachtet Norbert Adam außerdem die Rheinschule und die Kindergärten, auch weil sie zur Integration der vielen Kinder aus Migrantenfamilien beitragen.

Ausstellung "Friedlingen - früher und heute", Samstag, 6. Mai, 14 bis 19 Uhr in der Rheinschule, im Textilmuseum, im VHS-Raum 4 und im Kulturcafé auf dem Kesselhausareal. 14 Uhr Eröffnung Rheinschule. Ab 15 Uhr Filmprogramm VHS-Raum, 16 Uhr Stadtführung, Start Rheinschule. Kulturcafé und einzelne Ateliers haben geöffnet. Friedlinger stehen Rede und Antwort. Anschließend Ateliernacht im Kesselhaus.