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12. Mai 2009

Eine Schneise der Verwüstung

Auf einem Korridor von knapp 150 Metern Breite hat der Hagel vom Freitag große Teile der Rebtriebe am Tüllinger abgeschlagen.

  1. Zerfetzte Blätter, abgeknickte Triebe: So sehen am Schlipf nach dem Unwetter vom Freitag viele Rebstöcke aus. Foto: Frey

WEIL AM RHEIN. "Knapp die Hälfte aller Triebe sind abgeschlagen", so die ernüchterde Bestandsaufnahme von Winzer Matthias Dirrigl. Allem voran in Altweil hat das Unwetter vom Freitag eine Spur der Verwüstung hinterlassen – wobei die Winzer noch mit einem blauen Auge davongekommen sind, wie auch Claus Schneider vom Weingut Schneider erklärt: Die Hagelschneise ist recht schmal, und vor allem bleibe die Hoffnung, dass die Reben sich noch einmal erholen.

Um zu erkennen, was der Hagel angerichtet hat, braucht es kaum das geschulte Auge des Rebbauern. Die abgeknickten Triebe und vor allem das völlig zerfetzte, in manchen Bereiche fast vollständig abgeschlagene Laub, ist auch für den Laien unschwer auszumachen. Und selbst das, was noch an grünen Trieben aus dem Rebholz treibt, weist viele braue Punkte auf: Verletzungen, die nun wiederum Angriffspunkte für Pilze und andere Schädlinge werden könnten.

Allem voran im östlichen Teil des Weiler Rebbergs, in Richtung Riehen, schlug der Hagel massiv zu. Hier sind auf einem 150 Meter breiten Streifen die größten Ausfälle zu beobachten. Von 30 bis 40 Prozent spricht Claus Schneider. Vornehmlich die Burgundersorten, die dort trefflich gedeihen, sind davon betroffen, während die Reben weiter westlich, in Richtung Haltingen, wo vor allem die Weißweinsorten stehen, weniger betroffen sind. Dort seien kaum 10 Prozent der Reben vom Hagel in Mitleidenschaft gezogen worden.

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Gerd Martini, Geschäftsführer der Winzergenossenschaft Haltingen, kann sich denn auch darüber freuen, dass die von seinen Winzern bewirtschafteten Flächen bei dem Unwetter fast unbeschadet davon gekommen seien – wobei das Frühjahr noch nicht vorbei ist und die Winzer immer weitere Unwetter fürchten. Auch wenn der Hagelschauer am Freitag mit Abstand am stärksten wütete, handelte es sich dabei doch bereits um das dritte Unwetter dieser Art in den vergangenen Tage und Wochen, das die Weiler Rebberge heimsuchte.

Trotz der Schäden ist Dirrigl zuversichtlich, dass sich die Reben noch erholen. Da es noch relativ früh im Jahr ist, könnten sich viele so genannte "schlafende Augen" zu neuen Trieben entwickeln. Gut zwei bis drei Wochen werde es brauchen, bis die Reben wieder ins Gleichgewicht kommen und weiter wachsen.

Viel Handarbeit und vor allem Erfahrung, so Claus Schneider, sei nun gefordert, um trotz der widrigen Umstände einen guten Wein zu erhalten. Höchstwahrscheinlich müsste man im Spätjahr die Trauben in zwei Tranchen herbsten. Zuerst jene, die das Unwetter überstanden haben, und zwei bis drei Wochen später dann die, die nun – hoffentlich – nachwachsen.

In einem Punkt hat sich schon gezeigt, wie gut Verlass auf die Erfahrung der Altweiler Rebbauern ist. Bei den Neuanlagen, wo der Boden noch offen ist, habe man nämlich vorausschauend mit Gräben und Banketten erfolgreich dafür gesorgt, dass der Regen nicht allzu viel Boden abschwemmen könne. In Haltingen waren solche Vorsichtsmaßnahmen offensichtlich unterblieben. Dort wurden erhebliche Schlammmengen den Ötlinger Weg hinunter bis in den Ort gespült. Noch gestern klebte der Schlamm an einigen Stellen zentimeterdick auf den Straßen. Ortsvorsteher Gleßner will nun den Ursachen nachgehen und prüfen lassen, in wie weit die Verursacher für die ganz erheblichen Putzaktionen zur Rechenschaft gezogen werden können.

Autor: Ulrich Senf