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06. Dezember 2008
"Endlich ein Platz auf der Wein-Landkarte"
BZ-INTERVIEW: Susanne und Claus Schneider haben vom Gault-Millau die dritte Traube zugesprochen bekommen / Nicht irgendwelchen Moden hinterherlaufen.
WEIL AM RHEIN. Bei Gault-Millau dreht sich nicht alles ums Essen. Doch zu einem guten Menü gehört auch ein guter Tropfen, und daher haben die Tester seit vielen Jahren auch auf die Weingüter ein besonderes Auge. Der Gault Millau Weinguide gilt als Branchenführer, und seinen Testern ist der Betrieb von Susanne und Claus Schneider in Altweil schon länger aufgefallen. Dieses Jahr gab’s nun sogar die dritte Traube, und die macht die Schneiders richtig stolz, wie sie Hannes Lauber verrieten.
BZ: Drei Trauben von Gault-Millau, das ist etwas Besonderes und erregt Aufmerksamkeit. Melden sich schon neue Kunden am Telefon?Susanne Schneider: Ja sicher, und einer war sogar ganz schnell, weil er wohl Wind von unserer Auszeichnung bekommen hatte. Er hat schon am Tag vor der Veröffentlichung des neuen Führers gleich ein paar Flaschen von unseren hoch bewerteten Rotweinen bestellt. Und von ihm hab’ ich dann auch erfahren, dass wir sogar die dritte Traube haben.
BZ: Die neue Bewertung von Gault-Millau ist ja in der Tat beachtlich. Erst vor zwei Jahren haben sie die zweite Traube bekommen, und jetzt geht es schon wieder eine Stufe nach oben.
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Claus Schneider: Stimmt, wir freuen uns sehr. Aber natürlich ist die Anerkennung auch Verpflichtung.
BZ: War es zu erwarten, dass so schnell eine höhere Bewertung ansteht?
Claus Schneider: Nicht unbedingt, aber es freut uns um so mehr, weil wir nicht irgendwelchen Moden hinterher laufen. Wir lassen uns nicht beirren, wir wissen, wo unsere Wurzeln sind. Bei diesem einzigartigen Terroir und Kleinklima des Weiler Schlipf werden wir unserem Stil treu bleiben.
BZ: Andernorts galten die trockenen Weine aus dem Markgräflerland häufig als sauer.
Susanne Schneider: Aber die Zeiten sind nun wirklich vorbei. Wir haben trockene Weine aus Überzeugung, ein Drittel unseres Sortiments sind Gutedel, und trotzdem erreichen wir regelmäßig gute Bewertungen. Durch niedrige Erträge erreichen wir Weine mit viel Schmelz im Abgang und feinen Aromen.
BZ: Aber die Gutedel kommen bei Gault-Millau nach wie vor nicht so gut weg. Das heißt, sie müssen für eine gute Gesamtbewertung anderswo umso mehr punkten, also etwa bei den Roten.
Susanne Schneider: Das stimmt. Wir haben zwei Rote, einen Spätburgunder und einen Pinot noir in der Wertung, die es bei Gault-Millau auf 92 Punkte gebracht haben. Das ist eine exzellente Bewertung, die man sonst nur bei Vier- oder Fünf-Trauben-Betrieben antrifft. Und übrigens: Auch unsere im Holzfass gereifte Weinhefe hat es unter die Top Ten der Weinbrände geschafft.
BZ: Der Gault-Millau schreibt, dass Claus Schneider ein bescheidener Mensch sei, der Lob fast schon als unangenehm empfinde. Statt sich selbst, rühme er den Kalksteinboden am Schlipf. Aber der macht’s doch nicht alleine aus, oder?
Claus Schneider: Aber den größten Teil. Wir haben mit 7,8 einen sehr hohen pH-Wert, was es sonst fast nirgends gibt, und eine Bodenbeschaffenheit mit viel Kalk wie im Burgund. Mit unserer ausgeklügelten Bewirtschaftung erreichen wir, dass die Reben in die Tiefe wurzeln und so die Mineralien des Untergrunds aufnehmen. Der Boden macht also den Wein einmalig und nicht kopierbar.
BZ: Aber im Keller holen Sie doch erst raus, was in diesen Trauben steckt.
Claus Schneider: Nein, so darf man das nicht sehen. Im Keller mache ich relativ wenig, da geht es nur darum, zu erhalten, was ohnehin schon im Wein steckt. Wenn er nachträglich aufgebessert wird, dann sind das oberflächliche Akzente, die rasch wieder verfliegen. Was aus dem Boden kommt, entwickelt sich dagegen mit dem Wein mit und macht ihn immer besser.
BZ: Sie wollen also sagen, wenn die Weintrauben gelesen werden, ist das meiste schon getan?
Claus Schneider: Ja, auf jeden Fall. Wir investieren sehr viel Arbeit in die Bodenbearbeitung und die Pflege der Reben, weil das, was den Wein am Ende ausmacht, zu 80 bis 85 Prozent im Weinberg entsteht.
BZ: Und weil der Boden hier so ähnlich ist wie im Burgund, setzen Sie bei den Weinen vor allem auf die Burgunder-Familie?
Susanne Schneider: Weil am Rhein ist seit jeher ein guter Standort für den Burgunder, das sieht man auch am Stadtwappen, das eine Burgunder-Traube zeigt. Und deshalb gehören für uns natürlich auch Weiß- und Grauburgunder und der Chardonnay dazu.
BZ: Anders als bei den Gastro-Tests werden die Winzer nicht anonym besucht, sondern zur Einsendung von Proben aufgefordert. Bekommt man die Tester denn überhaupt mal zu Gesicht?
Claus Schneider: Bisher nie, aber dieses Frühjahr ist zum ersten Mal jemand bei uns angereist und hat sich den ganzen Betrieb zeigen lassen. Das hat mich außerordentlich gefreut, weil es zeigt, dass man unsere Arbeit schätzt. Früher hörte das Markgräflerland für die Tester doch schon bei Istein auf. Jetzt gehört endlich auch Weil am Rhein zur Wein-Landkarte.
Autor: nn
