Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

13. Mai 2017

Frohe Sangestour im Geiste Hebels

Die Herbstzeitlosen feiern den 257. Geburtstag des Heimatdichters in Ötlingen / Hanspeter Vollmer als geschichtskundiger Führer.

  1. Auf der Aussichtsterrasse hinter der Galluskirche versammelte sich die frohe Runde. Foto: Sedlak

  2. Das Kogerhaus Foto: Norbert Sedlak

WEIL AM RHEIN-ÖTLINGEN (nos). Anlässlich des 257. Geburtstages des Heimatdichters Johann Peter Hebel luden die Herbstzeitlosen zu einem heiteren, informativen Spaziergang durch Ötlingen ein. Gesang, Kultur und Kunst standen dabei im Mittelpunkt der Veranstaltung, die von Hanspeter Vollmer glänzend arrangiert wurde.

Die Vorsitzende Caro Lefferts freute sich, bei der dritten Gesangsveranstaltung mehr als 50 Teilnehmer, darunter auch Ötlingens Ortsvorsteherin Helene Brombacher sowie Paula Röttele in Markgräfler Tracht, mit einem Gläschen Gutedel bei strahlendem Sonnenschein begrüßen zu können. Treffpunkt der frohen Sangestour war der geschichtsträchtige Kirchplatz mit der womöglich schönsten Terrasse des Markgräflerlandes und mit traumhaftem Blick über das Dreiländereck. Markgraf Ludwig Wilhelm – genannt der "Türkenlouis" – leitete von dort oben teilweise die Schlacht bei Friedlingen im Spanischen Erbfolgekrieg im Jahr 1702, erklärte Hanspeter Vollmer.

Und am Denkmal des Ötlinger Malers Hermann Daur rechts neben der "Haltinger- oder Friedlinger Tür" der Gallus Kirche ist zu lesen: "Hebel besang das Land zwischen Wiese, Blauen und Rhein. Du offenbartest uns die Heimat in strahlendem Schein. Beide greift ihr zwei innig verwandte Seelen machtvoll beglückend uns Alemannen ans Herz."

Werbung


Das Dorf Ötlingen wurde 1064 erstmalig als Ottlinchoven erwähnt. Der Name und früheste archäologische Funde würden aber belegen, dass die Geschichte des Dorfes bis ins 7. Jahrhundert zurückgehe, informierte Vollmer.

Nach so viel geballtem Wissen war Entspannung mit fröhlichem Singen angesagt. "Die Gedanken sind frei", "Der Mai ist gekommen", "Z´ Mülle an de Post" oder "Z’Basel an mim Rhy" wurden intoniert. Letzteres ist auch die Hymne des FC Basel, es sei gewaltig, wenn 30 000 bis 40 000 Zuschauer diese singen würden, schwärmte Vollmer.

Weiter erzählte der ehemalige Rektor der Binzener Schule die Geschichte der Gallus-Kirche: Die erste Kirche sei um das Jahr 800 errichtet worden, urkundlich wurde die alemannische Saalkirche erstmals 1275 als Galluskirche erwähnt, um diese Zeit wurde auch der 22 Meter hohe Turm gebaut. Nach dem großen Erdbeben 1356 erhielt die Kirche bis 1420 ihre heutige Gestalt, 1489 kam das Schmuckstück hinzu – ein gotisches Tabernakel zur Aufnahme der Monstranz mit der Hostie, das so genannte Heilige Grab. Die Freskenbilder wurden leider übertüncht und durch die Emporenbalken schwer beschädigt, seit der Restaurierung 1983 sind sie wieder teilweise sichtbar.

Beim anschließenden Spaziergang berichtete Vollmer viel Wissenswertes über den Dorfkern mit dem ältesten Haus im Ort, dem berühmten Kogerhaus, das 1571 erbaut wurde sowie dem schmucken Gerwighaus und den beiden "Ottmarsheimer Höfen" mit der rund 300 Jahre alten Trotte.

Zwischen den Ausführungen wurde immer wieder gesungen. Von der fröhlichen Atmosphäre angetan, luden Hildegard und Werner Ruser die Herbstzeitlosen ganz spontan zu einem kleinen Umtrunk ein. Einen kurzen Halt gab es beim weit über die Grenzen Ötlingens hinaus bekannten Café Inka mit seiner kunstvollen Panoramatapete aus dem Jahr 1819, die in einer Pariser Manufaktur gefertigt wurde. Weiter ging es unter dem Atelier von Hermann Daur hindurch und vorbei an einem herrlichen Bauerngarten. "Hier war ich noch nie", gestanden einige Besucher beim Anblick der Idylle.

Gerhard Hanemann, der Initiator und Ideengeber des Art Dorfes, erzählte über die Entstehung der Freilichtgalerie und ihre zehnjährige Geschichte. Ein Besuch der Galerie Hanemann mit interessanten Werken von Insa Hoffmann und Gerhard Hanemann war obligatorisch.

Der Herbstzeitlosenfrühjahrschor dankte für die Ausführungen mit einem kleinen Ständchen.

Viel zu schnell verging der informative und kurzweilige Nachmittag mit seinen heiteren Stunden. Beim gemütlichen Vesper im Gasthaus Ochsen klang die Hebel-Geburtstagsfeier aus.

Die Vorsitzende des Herbstzeitlosenteams Caro Lefferts dankte allen Teilnehmern und wies auf die nächste Veranstaltung "Hilfe für rumänisches Kinderheim" im Alten Rathauskeller am Mittwoch, 17. Mai, um 15 Uhr hin.

Autor: nos