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05. September 2017

Fünf Jubelgemeinden an einem Tag

Stadtführerin Monika Merstetter lud am Sonntag zur Mammuttour durch Haltingen, Binzen, Wollbach, Rümmingen und Eimeldingen.

  1. Monika Merstetter (links) mit Binzens Bürgermeisterstellvertreter Walter Huber und dem uralten Steinbeil Foto: Sedlak

WEIL AM RHEIN/KANDERTAL/EIMELDINGEN. Herrlicher Sonnenschein begleitete die Teilnehmer der VHS-Bustour zu den Jubiläumsgemeinden Haltingen, Binzen, Rümmingen, Wollbach und Eimeldingen, die alle dieses Jahr ihr 1250-jähriges Bestehen feiern. Knapp 40 interessierte Bürgerinnen und Bürger nahmen an der von Stadtführerin Monika Merstetter geführten fünfstündigen, aber sehr kurzweiligen Tour am Sonntag teil.

Bereits auf der Fahrt nach Haltingen wusste Monika Merstetter viel über die Geschichte von Haltingen zu erzählen. Haholtinga wurde erstmals im Jahre 767 urkundlich erwähnt. Heute ist es mit rund 7500 Einwohnern der größte Stadtteil von Weil am Rhein. Die Reben waren viele Jahrhunderte lang Haltingens Haupterwerb, 1936 wurde die Winzergenossenschaft im Gasthaus Hirschen gegründet. Weiter berichtete Merstetter über die Zerstörung des Rebbergs im Krieg und die Wiederbepflanzung. Mit dem Bau der Eisenbahn teilte sich Haltingen in das Ober- und das Unterdorf mit Kolonie und Gartenstadt. Jährlich gibt es sogar ein Fußballspiel, bei dem Oberdorf und Unterdorf gegeneinander antreten, wobei dem Unterdorf 1991 mit 14:0 Toren der höchste Sieg gelang. Gemeinderat und Festausschussmitglied Gustav Walliser begrüßte an der alten Trotte, die 1798 gebaut wurde, die Gäste und beköstigte sie mit Jubiläumswein, für den sich die Ortschaftsräte mächtig ins Zeug gelegt hatten.

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Weiter führte die Tour nach Binzen, wo Bürgermeisterstellvertreter Walter Huber aus der Geschichte des Dorfes erzählte, das schon lange vor der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 767 besiedelt war, was der Fund eines uralten Steinbeils beim Bau der Schule in den 60er Jahren beweist. Es soll 4500 bis 8000 Jahre alt sein. Aus "binußhaime” ist heute eine moderne Gemeinde mit etwa 3000 Einwohnern geworden, die ein intaktes Vereinsleben hat und zusammen mit Weil am Rhein ein interkommunales Gewerbegebiet betreibt, das rund 1700 Menschen Arbeit bietet.

Größtes Vorhaben ist derzeit die Verlegung des Sportplatzes für rund sieben Millionen Euro. Die Damenmannschaft des TuS Binzen spielte früher sogar einmal in der Damen-Fußballbundesliga. Die Gastronomie wurde in Binzen schon immer großgeschrieben. Ein früherer Pfarrer soll mal gesagt haben, die Leute seien liederlich, statt zu arbeiten, säßen sie lieber in den Wirtschaften, erzählte Monika Merstetter. Der Musikverein Binzen umrahmte den Anlass musikalisch mit dem Badnerlied, bei dem kräftig mitgesungen wurde.

Auch Wollbach sei viel älter, bereits in der Jungsteinzeit, etwa 2400 vor Christus sei es besiedelt gewesen, erzählte Ortsvorsteher Max Sütterlin. Der Ort mit den schönen Seitentälern ist landwirtschaftlich geprägt und wurde 1974 zur Stadt Kandern eingemeindet. Mit einer Gemarkungsfläche von 1860 Hektar ist er der größte Stadtteil und zählt aktuell 1350 Einwohner. Die elf Gasthäuser würden gerne besucht, auch Fußballtrainer Ottmar Hitzfeld sei ein regelmäßiger Gast. Zu Wollbach gehören die Ortsteile Egerten, Egisholz, Hammerstein und Nebenau. Eine berühmte Persönlichkeit war Arzt und Vegetarier Friedrich Adolf Ritter, der auf die Galapagosinseln auswanderte. Einen Besuch wert sei das alte Forsthaus, das Manfred Wampfler einmal im Jahr für die Bevölkerung öffnet.

In Rümmingen wurde die Gruppe schon von Bürgermeister-Stellvertreter Uli Gempp und Altbürgermeister Heinrich Benner erwartet. Gempp informierte über die dynamische Entwicklung von "Romaninchova" mit heute rund 1770 Einwohnern. Der neu geschaffene Dorfplatz wurde rechtzeitig zum Jubiläum fertiggestellt und befindet sich unterhalb der kleinen Jakobuskirche, die von den Rümmingern finanziert im Jahr 1505 gebaut wurde. Beachtlich sei auch, dass die Gemeindehalle, die vor kurzem renoviert wurde, von den Einwohnern selbst in 17 000 ehrenamtlichen Arbeitsstunden errichtet wurde. Jürgen Goos und Andreas Hügin von der Theatergruppe erinnerten an die großen Söhne des Ortes, den Revolutionär Friedrich Neff und den Maler und Bildhauer Hermann Scherer.

Zum krönenden Abschluss der Jubiläumstour ging es nach Eimeldingen. Bürgermeister Oliver Friebolin begrüßte im Bus die Teilnehmer und gab einen kurzen Überblick über die festlichen Aktivitäten und lud zu einem gemütlichen Umtrunk mit dem obligatorischen Jubiläumswein mitten auf dem Dorffest ein. Die sehenswerte Ausstellung im Rathaus über die Geschichte der Gemeinde sowie zahlreiche Bilder von der Jubiläumsveranstaltung ergänzten die Ausführungen der Stadtführerin über "Agimotingas", wie Eimeldingen im Jahr 767 genannt wurde. In der Gemeinde leben etwa 2500 Einwohner. Die berühmtesten Eimeldinger sind wohl Gustave Fecht, die Freundin des Heimatdichters Johann Peter Hebel, Conrad Biermann, ein deutsch dänischer Politiker, der in Dänemark zum Minister ernannt wurde, sowie Christian Streich, der Trainer des SC Freiburg. Lange Jahre war der Bierkeller, in dem heute ein Weinlager ist, Treffpunkt der Jugend. 19 Vereine sorgen dafür, dass Eimeldingen sportlich und kulturell sehr lebendig ist. Dank attraktiver ÖPNV-Anbindung ist der Quadratmeterpreis für Bauland auf 250 Euro gestiegen. Die Schallschutzmauer mitten im Dorf dient als Beispiel, wie es in Haltingen und Weil am Rhein rund um die Bahngleise einmal aussehen wird.

Für die einmalige Jubiläumstour, die Stadtführerin Monika Merstetter mit einer Fülle an Informationen und Einblicken in die Dorfchroniken bereicherte, erhielt sie viel anerkennenden Applaus.

18 Monate geplant

Stadtführerin Monika Merstetter hatte bereits vor 18 Monaten die Idee, alle Jubiläumsorte zu besuchen. Bei der Gestaltung des VHS-Programms war nur Haltingen mit dem 1250-jährigen Jubiläum angedacht. Merstetter als gebürtige Kandernerin regte dann an, die anderen Dörfer miteinzubeziehen. Im April 2016 schrieb sie die Festkomitees der Orte an und die waren, wie sie sagte, gleich Feuer und Flamme: "Wir machen mit", war der einstimmige Tenor. Anfang 2017 wurden dann Nägel mit Köpfen gemacht und das bunte Programm zusammengestellt. Minutiös plante Merstetter die Tour. Zusammen mit ihrem Mann Dieter fuhr sie die Strecke ab. Auch die Informationen für die Busfahrt zwischen den einzelnen Stationen passte sie dem Zeitrahmen an.

Das Ergebnis konnte sich mehr als sehen lassen – pünktlich wurden die Treffpunkte angefahren, die Teilnehmer waren sehr zufrieden. Keinem war die Tour zu lang – im Gegenteil, von Station zu Station steigerte sich die Stimmung und die Gäste wollten überall noch länger bleiben – aber Monika Merstetter war pünktlicher als die Eisenbahn – fünf Minuten vor der Abfahrt erinnerte sie an die bevorstehende Weiterfahrt. Den Teilnehmern hat die Veranstaltung sehr viel Spaß gemacht, selbst Busfahrer Raimondo war begeistert: "So etwas hab ich noch nicht erlebt."  

Autor: sed

Autor: Norbert Sedlak