Hier haben Vorurteile keinen Platz

Regine Ounas-Kräusel

Von Regine Ounas-Kräusel

Fr, 09. März 2018

Weil am Rhein

Im Quartierstreff "WIKI – Wir Kinder" wird seit fünf Jahren die Nachbarschaft über alle kulturellen Grenzen hinweg gepflegt.

WEIL AM RHEIN. Der Quartierstreff "WIKI – Wir Kinder" feierte am Donnerstag in seinen Räumen in Friedlingen seinen fünften Geburtstag und gleichzeitig den Internationalen Frauentag. Unter dem Dach des Stadtteilvereins Friedlingen bietet "Wiki" an drei Nachmittagen einen gemütlichen Treffpunkt für Kinder und Eltern, aber auch alle anderen Anwohner aus der Nachbarschaft. Den Geburtstag feierte man mit einem Essen und einem bunten Nachmittag.

Lebhaft ging es am Donnerstagnachmittag in den Räumen des WIKI im Wohnhaus Hardtstraße 30 zu. Auf dem Herd dampfte Gemüsesuppe, Frauen reichten kurdische Teigtaschen herum, es wurde geredet, gelacht und Kinder wuselten durch den Raum. "WIKI ist zum etablierten Treff geworden", freute sich die Vorsitzende des Stadtteilvereins Gabriele Moll. Auf Initiative von Volker Hentschel, der damals noch Sozialarbeiter bei der Wohnbau Weil war, eröffnete das Familienzentrum "Wunderfitz" den Quartierstreff vor gut fünf Jahren. Ziel war, dass Nachbarn sich kennen lernen und eine Anlaufstelle haben. Heute arbeitet der Quartierstreff unter dem Dach des Stadtteilvereins. Die Wohnbau stellt den Raum, hilft bei der Finanzierung und beim Konzept. Die Honorarkräfte Valentina Pineker und Yüksel Zerey und Ehrenamtliche betreuten den Treff mit viel Herzblut. Sie basteln mit Kindern und Eltern, organisieren Ausflüge etwa in den Zoo und Seniorennachmittage, im Sommer gibt es ein Ferienprogramm. Valentina Pineker spreche immer wieder Nachbarn auf der Straße an und lade sie ein, erzählte Gabriele Moll. Inzwischen komme ein fester Stamm an Besuchern, aber immer wieder auch ein neues Gesicht. Doch auch Ideen und Initiative der Besucher sind gefragt: "Mal spielen wir zusammen oder jeder bringt etwas zu essen mit", erzählte eine Frau. "Ich habe hier viele Leute kennen gelernt", sagte Medboua, eine junge Algerierin, die mit ihren beiden kleinen Kindern da war. "Es ist gut, dass es hier so multikulturell ist", meinte Lidia Ibel. "Manche Leute im Viertel haben Vorurteile und machen einen Bogen um einen – das ist jetzt besser geworden." Sogar ihr zwölfjähriger Sohn nehme noch gerne am Ferienprogramm teil, obwohl er sich für die Nachmittage im WIKI schon zu alt fühle, erzählte Lidia Ibel. Die beiden Frauen sind Freundinnen geworden.

Auch das Geburtstagsfest bereicherten die Betreuerinnen und Besucher mit ihren Ideen. Yüksel Zerey lud zu einem Spiel ein, bei dem es nur in Gemeinschaft gelang, acht bunte Bälle mit einem Netz ins Ziel zu bringen. Eine Frau stimmte zur Laute Volkslieder an.

Gabriele Moll erinnerte daran, wie aktuell der Kampf für Frauenrechte noch immer ist. Bis vor 40 Jahren – bis 1977 – hätten Frauen auch in Deutschland nur mit Erlaubnis ihres Ehemannes einen Beruf ausüben dürfen. Frauen litten bis heute unter sexuellen Übergriffen und würden schlechter bezahlt als Männer.