Überwachungsvideo im Netz

Ulrich Senf

Von Ulrich Senf

Mi, 03. Mai 2017

Weil am Rhein

Vier jugendlich anmutende Männer werfen Molotowcocktails auf die Moschee und rennen davon.

WEIL AM RHEIN. Nach wie vor ist unklar, wer am frühen Freitagmorgen den Brandanschlag auf die Friedlinger Ditib-Moschee verübt hat. Während sich die Polizei und die Staatsanwaltschaft bedeckt halten und auf die laufenden Ermittlungen verweisen, ist im Internet ein Video aufgetaucht, das aus der Überwachungskamera stammt, die an der Moschee angebracht ist. Dabei handelt es sich um dasselbe Video, das auch der Polizei vorliegt und an dessen Auswertung gearbeitet wird.

Gesendet hat das Video der türkische Nachrichtensender 24-TV bereits am Samstag. Wie der Sender in den Besitz des Films kam, lässt sich auch für die Polizei und die Staatsanwaltschaft nicht nachvollziehen, die die Veröffentlichung des Beweismittels sehr kritisch sehen. Necati Coskun, der Vorsitzende des Weiler deutsch-türkischen Ditib-Vereins, vermutet, dass ein Vereinsmitglied unbemerkt das Überwachungsvideo mit seinem Handy abgefilmt hat. "Als wir uns das angesehen haben, waren mehrere Leute dabei", erklärt er die Panne.

Der Nachrichtensprecher, der das Video auf Türkisch kommentiert, schildert zunächst ganz sachlich die Vorgänge. Zuletzt äußert er dann die Vermutung, dass der Anschlag auf das Konto von PKK-Mitgliedern gehen könnte. Ähnliche Vermutung werden auch in sozialen Netzwerken in der Türkei geäußert. Die Staatsanwaltschaft will das nicht kommentieren. Als eher untypisch für Anschläge der rechten oder auch der extremen linken Szene kann gewertet werden, dass sich bisher niemand zu dem Anschlag bekannt hat.

Deutlich zu erkennen ist auf dem Video, wie vier Personen aus östlicher Richtung der Tullastraße entlang spazieren und in den Hof vor der Moschee einbiegen. Eine fünfte Person habe im Hintergrund gestanden und ihre Kollegen abgesichert, erklärt der Nachrichtensprecher. Dann zündet der erste von ihnen seinen Molotowcocktail an und wirft ihn gegen die Fassade. Zwei weitere Personen tun es ihm unmittelbar danach gleich. Die grellen Flammen, die beim Zerplatzen der Flasche und Durchzünden der Flüssigkeit an der Moschee entstehen, sorgen dafür, dass die Kamera einige Augenblicke völlig überbelichtet ist. Kaum dass sich die Kamera wieder fokussiert hat, ist zu erkennen, wie eine weitere Person ihren Brandsatz zündet und ebenfalls an die Wand wirft. Als die ersten Personen schon in Richtung Osten wegrennen, wird ein fünfter Brandsatz gezündet und geworfen. Dann flüchten alle Personen.

Im Ditib-Verein sei man weitgehend zur Normalität zurückgekehrt, allerdings versuche man auch nachts mehr Präsenz zu zeigen, so Coskun.