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28. September 2012

Weiler Diva erregt weltweit Aufsehen

Siegfried und Irmgard Hartmeyer sind maßgeblich am Forschungsprojekt der Uni Freiburg über fleischfressende Pflanzen beteiligt.

  1. Irmgard und Siegfried Hartmeyer haben einige ihrer Forschungsobjekte wie etwa Proboscidea (im Volksmund Teufelskralle genannt) in ihren Garten gepflanzt. Foto: Frey

WEIL AM RHEIN. Am Mittwoch um elf Uhr ist auf der Internetplattform der Public Library of Science (Plos One) eine Dokumentation freigeschaltet worden, die innerhalb von Minuten ein weltweites Echo fand. Auch bei Irmgard und Siegfried Hartmeyer aus Weil am Rhein, die maßgeblich an dem Forschungsprojekt beteiligt waren, gingen unzählige Anfragen ein. Damit ist klar, was im Zentrum dieser Aufsehen erregenden Publikation steht: fleischfressende Pflanzen. Auf diesem Gebiet gelten die Hartmeyers nämlich seit Jahrzehnten als international anerkannte Experten.

Schon in den siebziger Jahren, schildert Hartmeyer die weit zurückreichende Vorgeschichte, habe ein Junge in Australien beobachtet, dass eine bestimmte Sonnentauart, nämlich Drosera glanduligera, ihre Beute mit katapultartigen Tentakeln so explosionsartig in die Verdauungsmulde schleudert, dass der Vorgang mit bloßem Auge kaum zu erkennen ist. "Nur geglaubt hat ihm niemand", so Hartmeyer. Jahre später konsultierte der Australier dann Siegfried und Irmgard Hartmeyer. Er schickte ihnen Samen der Pflanze, aus denen die Weiler Experten mit Mühe Pflanzen kultivieren konnten. "Und wir blieben an dem Thema dran", verdeutlicht Hartmeyer. Erste Forschungen zu Tentakelbewegungen, die die Beobachtungen des Australiers zu bestätigen schienen, machten sie publik.

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Hier kommt nun der Botanische Garten der Uni Freiburg, genauer: die Plant Biomechanics Group unter der Leitung von Professor Thomas Speck, ins Spiel, die diesen in der Natur einzigartigen Beutefangmechanismus näher untersuchen wollte und sich mit den Hartmeyers in Verbindung setzte. Ein Glücksfall für beide Seiten: Denn ohne die Züchter aus Weil hätte die Uni Exemplare dieser seltenen, nur ein halbes Jahr lebenden Pflanze, die wegen ihrer schwierigen Kultivierung auch "Diva" genannt wird, nicht in ausreichender Zahl zur Verfügung gehabt. "Und wir hatten nicht die technischen Möglichkeiten, um die Forschungen noch weiter zu treiben", ergänzt Hartmeyer. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist eine eindrucksvolle Dokumentation, die inzwischen, wie 70 weitere Filme der Hartmeyers, auf You Tube zu sehen ist.

"So etwas hatten selbst die

Experten noch nie gesehen"

Siegfried Hartmeyer
Der Film mache deutlich, so Hartmeyer, wie erstaunt selbst die Fachleute über das gewesen seien, was sie unter dem Elektronenmikroskop entdeckten.

In nur 75 Millisekunden schleudert die Pflanze ihre Beute fast direkt in den Verdauungstrakt. Damit gehöre dieser Fangmechanismus "mit Sicherheit zu den spektakulärsten Bewegungen im Pflanzenreich", heißt es in einer Pressemitteilung der Uni Freiburg.

Die Hartmeyers verbanden 1990 ihre beiden großen Leidenschaften: Das Filmen und die Faszination für fleischfressende Pflanzen. Die Ergebnisse, die daraus erwuchsen, brachten ihnen Einladungen zu Kongressen in aller Welt ebenso ein wie einen Auftritt bei Stefan Raab. 1995 entdeckten sie in Australien eine neue Sonnentauart, die im Jahr 2000 offiziell den wissenschaftlichen Namen "Drosera Hartmeyerorum" erhielt.

Eine Fülle von Material findet sich im Internet unter http://www.hartmeyer.de Der Film auf You Tube findet sich unter http://mehr.bz/diva

DROSERA GLANDULIGERA

Die in Australien beheimatete Sonnentauart besitzt neben Leimtentakeln auch einzigartige Katapulttentakel, die die Beute in die Verdauungsmulde schleudern. Derzeit wird erforscht, wie sie ohne organische Muskeln die jetzt beobachteten enormen Schleudergeschwindigkeiten erzeugen kann.  

Autor: bz

Autor: Herbert Frey