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07. Oktober 2017

Wenn Vauban Gärtner gewesen wäre

BRIEF AUS DER PARTNERSTADT: Grünplaner Patrick Pouchelet hat einen Rundgang durch die Geschichte Hüningens angelegt.

  1. An 17 Stationen ruft Grünplaner Patrick Pouchelet (links) mit den Mitteln des Gärtners historische Ereignisse in Erinnerung und erlaubt einen Blick in die Zukunft von Hüningen. Foto: KAUFMANN

WEIL AM RHEIN-HÜNINGEN. In Hüningen wurde ein Rundgang um die ehemalige Festung eingeweiht. 17 Etappen illustrieren die Geschichte, Umwelt und Zukunft von Weils Partnerstadt, wie Magdalena Kaufmann-Spachtholz in ihrem Brief berichtet.

Liebe Weiler,
Sebastian Le Prestre de Vauban – kurz Vauban genannt – war der bekannte Baumeister und Architekt, der 1679 von Ludwig XIV beauftragt wurde, die französische Grenze vor Basel mit einer Festung zu sichern. Innerhalb von vier Jahren baute Vauban eine fünfeckige Festung mit Bastionen und einem Brückenkopf über den Rhein, die sich heute im Bereich der Schusterinsel in Friedlingen befinden würde. Damals sagte Vauban: "Die Festung Hüningen ist wahrscheinlich eine der vollkommensten im Königreich." Seiner Meinung nach würde die Festung eher der Ermüdung nach einer langwierigen Belagerung als seiner Eroberung weichen. Und das war dann auch der Fall.

Trotz drei Belagerungen 1796, 1814 und 1815 wurde die Festung nie eingenommen. Nach der Niederlage der napoleonischen Truppen bei Waterloo und der Kapitulation von General Barbanègre wurde im Pariser Vertrag 1815 auf Drängen der Basler beschlossen, die Festung Hüningen zu schleifen. Viel ist deshalb nicht mehr von der einst prächtigen Garnisonsstadt erhalten.

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Um die letzten doch noch vorhandenen Spuren aufzuwerten und nachzuverfolgen hat sich die Verwaltung auf eine besondere Qualität der Stadt Hüningen besonnen: die Begrünung, welche Hüningen schon die höchste Auszeichnung im nationalen Blumenschmuckwettbewerb (vier Fleurs) eingebracht hat. Und so wurde am letzten Samstag ein historisch-neuzeitlicher Rundgang durch Hüningen eingeweiht, der unter dem Motto steht: "Wenn Vauban Gärtner gewesen wäre".

Start ist am Abbatucci-Platz, dem ehemaligen Paradeplatz der Garnison. Dort trafen sich am Samstagmorgen Mitglieder des Gemeinderats und einige interessierte Hüninger. Vauban war eigentlich gar kein Gärtner und als Großmeister der Festungsbauten ist von einem seiner Glanzwerke auch nur wenig übrig geblieben. Viel ist deshalb der Fantasie der Historie überlassen, und aus der hat Patrick Pouchelet, Grünplaner und Leiter der städtischen Gartenanlagen, mit viel Herzblut und Engagement geschöpft. Mit dem Kommunikationsteam der Stadt Hüningen hat er einen Rundgang um die ehemalige Festung Hüningen in 17 Etappen konzipiert, der die Geschichte und Umwelt illustriert und einen Blick in die Zukunft der Stadt erlaubt.

Dauerhaft markiert mit im Boden eingelassenen Messingnägeln, kann der Rundgang am Platz beginnen. Die deutsch- und englischsprachigen Erklärungen sollen künftig über Handy und QR-Code an den Infotafeln angezeigt werden. Bei der Einweihung wurden die Besucher, darunter auch der Weiler Oberbürgermeister Dietz, im neuangelegten Barockgarten des Museums von Marquis de Vauban und seiner Frau, dargestellt von Schauspielern der Theatertruppe "Les trétaux de Vauban" und dem Ensemble Baroque begrüßt und in die Geschichte eingeführt. Dieses Vergnügen wird Ihnen wohl nicht mehr zuteilwerden, aber Sie können sich auf der Webseite der Stadt Hüningen den Plan beschaffen und einfach den Messingnägeln folgen.

Etappe 1 beginnt am Abbatucci-Platz mit dem Plan der ehemaligen Festung, der vom Katasterplan aus dem 20. Jahrhundert überlagert wird. Etappe 2: Der Abbatucci-Platz im Rückblick und heute. Etappe 3: Ein Husar in Hüningen im Jahr 1815. Etappe 4: Die ehemalige Schiffsbrücke, das Schiffsunglück im Jahr 1904 und die ehemalige Fähre. Etappe 5: Basel und die ehemalige Festung. Etappe 6: Der Hüninger Kanal und der Rhein. Etappe 7: Modell der Bastion und des Kavaliers. Etappe 8: Hüningen und der Rhein. Etappe 9: Der ehemalige Hafen von Hüningen. Etappe 10: Die kaiserliche Fischzucht von Hüningen. Etappe 11: Alte Gemüsesorten in Partnerschaft mit dem Verein Hüninger Schrebergärten. Etappe 12: Kapitulation und Übergabe der Festung durch General Barbanègre im Jahr 1815. Etappe 13: Die Tram in Hüningen.

Noch nicht abgeschlossen sind die Etappen 14, 15 und 16. Denn dort, wo zurzeit in der Nähe des ehemaligen Bahnhofs ein neues Stadtviertel entsteht, wurden die Reste der halbmondförmigen Vorfestung (Demi-lune) der Festungsmauer gefunden, die restauriert und mit einer Art Schaf- und Ziegenweide zum Hirtengarten umgewandelt werden sollen. Der Hospitalgarten wird nach der vollständigen Restaurierung des Pulvermagazins, einem anderen Rest der Festung, angelegt.

Es lohnt sich wirklich, bei schönem Wetter den etwa zwei- bis dreistündigen Rundgang durch die Gartenanlagen Hüningens zu machen, empfiehlt Ihre

Autor: Magdalena Kaufmann-Spachtholz