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07. Januar 2016 19:42 Uhr

Weil am Rhein – Friedlingen

Vierergruppe vergewaltigt zwei Mädchen in der Silvesternacht

Drei Jugendliche und ein Mann sollen in der Silvesternacht in einer Wohnung in Weil am Rhein zwei junge Mädchen, 14 und 15 Jahre alt, vergewaltigt haben. Inzwischen sind alle Beschuldigten in U-Haft.

  1. Die Polizei ermittelt im Fall einer mehrfachen Vergewaltigung in Weil-Friedlingen. Foto: dpa

Die Polizei bestätigte am Donnerstagmorgen gegenüber der Badischen Zeitung, dass es im Weiler Stadtteil Friedlingen zu einem schweren Sexualdelikt gekommen ist. Die Tat spielte sich in der Silvesternacht ab. Viele Details sind noch nicht bekannt – auch nicht, warum der Vorfall erst jetzt publik wird. Eine Pressemitteilung veröffentlichte die Polizei erst am späten Donnerstagvormittag, nachdem Medien wie die Badische Zeitung von Bürgern auf den Fall aufmerksam gemacht wurden.

Nach Angaben des Sprechers standen unter anderem Belange des Jugendschutzes einer Veröffentlichung direkt nach der Tat entgegen. Weitere Details zu dem Fall wollten Polizei und Staatsanwaltschaft aus ermittlungstaktischen Gründen nicht nennen.

Zwei der Beschuldigten sind Flüchtlinge

Tatverdächtig sind laut Polizei vier syrische Staatsangehörige im Alter zwischen 14 und 21 Jahren. Die Opfer und einer der Beschuldigten kannten sich den Angaben zufolge weitläufig und trafen sich in den Abendstunden im Stadtteil Friedlingen. Anschließend begab sich die Gruppe gemeinsam in die Wohnung des 21-jährigen Beschuldigten, eines anerkannten Flüchtlings, und seines 15-jährigen Bruders, der den Status eines Asylbewerbers hat. Die beiden 14-Jährigen wohnen in den Niederlanden und der Schweiz und waren offenbar in Weil am Rhein zu Gast.

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In der Wohnung kam es in der Folge zu den Vergewaltigungen. Nachdem die Opfer die Wohnung verlassen hatten, schalteten sie umgehend die Polizei ein. Diese nahm sofort die Ermittlungen auf. Die Tatverdächtigen wurden festgenommen.

15-Jähriger in Lörrach festgenommen

Die Staatsanwaltschaft Lörrach beantragte Haftbefehle gegen den 21-Jährigen und die beiden 14-Jährigen. Gegen den 15-Jährigen lag nach Einschätzung der Ermittler kein Haftgrund – als Haftgründe gelten unter anderem Flucht- und Verdunklungsgefahr – vor. Daher wurde er nicht in ein Gefängnis gebracht, sondern – wie es im Behördendeutsch heißt – in staatliche Obhut gegeben. Damit dürfte eine Jugendeinrichtung gemeint sein. Allerdings blieb er dort nicht; der Junge haute ab. Dies gab Anlass, so die Polizei, auch gegen ihn Haftbefehl zu erwirken. Am Donnerstagabend, also rund eine Woche nach der Tat, wurde er schließlich in Lörrach festgenommen.

Weitere Angaben zu dem Vorfall und den näheren Umständen wollte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Karin Sattler-Bartusch, am Donnerstag aus ermittlungstaktischen Gründen und aus Rücksicht auf die minderjährigen Mädchen nicht machen. Selbst die Information der Badischen Zeitung, dass es sich bei den beiden Mädchen um Deutsche handle, ließ sie unkommentiert.

Ein Zusammenhang mit den Vorfällen in Köln und anderen deutschen Städten sei nicht erkennbar, betont die Polizei. Auch handele es sich nicht um eine Straftat, die im Umfeld eines Asylbewerberheimes begangen wurde.

Lange Haftstrafen drohen

Die Hauptamtsleiterin der Stadt Weil am Rhein, Annette Huber, sagte, man sei schockiert über die Tat. Sie hoffe nun auf eine zügige und vollständige Aufklärung und Ahndung.

Erst im Dezember waren in einem Prozess um eine Gruppenvergewaltigung in Tübingen lange Haftstrafen verhängt worden. Die zur Tatzeit 19 bis 23 Jahre alten Männer hatten eine junge Frau im März 2015 von einer Party auf einen dunklen Schulhof gelockt und gemeinsam vergewaltigt. Die Täter müssen jeweils für rund sieben Jahre ins Gefängnis. Die Höchststrafe für Vergewaltigung liegt im Jugendstrafrecht bei zehn Jahren Haft.

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Autor: Hannes Lauber, Karl Heidegger, BZ, dpa – aktualisiert am Freitag um 9.45 Uhr