Wie Freunde aufgenommen

Barbara Ruda

Von Barbara Ruda

Fr, 27. Juli 2018

Lörrach

Schülerinnen vom Hebel-Gymnasium besuchten die Partnerschule in Kenia.

LÖRRACH. Wie offen, liebevoll und ehrlich die Menschen in Kenia miteinander umgehen, ist den vier Schülerinnen vom Hebel-Gymnasium von ihrem Besuch der Partnerschule St. Andrews Tarabete Secondary School in Naivasha am eindrücklichsten in Erinnerung. Ihnen ist dort klar geworden, was ihre Arbeit zum Beispiel zur Akquise von Spendengeldern für die Mitschüler auf dem anderen Kontinent bewirkt. Deshalb soll das unbedingt fortgeführt werden.

So voller Eindrücke sind die Hebelianerinnen von ihrer Reise zurückgekommen, dass die erst mal verarbeitet werden wollen. Am Montag und Dienstag begannen Lola Kita, Carla Saltenberger, Lisa Christiansen und Franziska Messerer mit Lehrerin Maria Kannen-Schmidt am Hebel-Gymnasium direkt damit, als sie klassenweise von ihren Erlebnissen in Kenia erzählten. Schon die abendliche Ankunft an der Partnerschule hat sich in ihr Gedächtnis eingebrannt. Eigentlich, so war es vorgesehen, sollte die Delegation aus Deutschland sich leise ins gerade fertig gewordene Gästehaus der Schule einquartieren, bevor man am nächsten Morgen auf die Schüler treffen würde. Doch es war die Zeit, in der diese noch fleißig lernten. So standen alle aufgeregt an den Fenstern und winkten herunter zu den Ankömmlingen, riefen ihnen Begrüßungen zu.

Wie gut man dann in Kontakt zueinander kam und wie "super" die Lörracher aufgenommen wurden – darin sieht Maria Kannen-Schmidt einen großen Unterschied zur Reise von Lehrkräften des Hebel-Gymnasiums von vor vier Jahren, an der sie auch teilnahm. Zu sehen, was die Gleichaltrigen in Kenia beschäftigt, war für die Gäste interessant. Das Problem in Kenia sei, dass junge Frauen von älteren Männern angesprochen werden, die ihnen Geld, neue Klamotten oder Möbel für die arme Familie versprechen. Ernst meinen die es mit ihnen nicht. Und weil nicht verhütet wird und das Land generell sehr christlich ist, kommt es oft zu Schwangerschaften. Schwangere Mädchen können aber nicht in der Schule bleiben. Da setzt der Schulleiter klare Grenzen. Aus dem eben genannten Grund hat die Schule auch das Boarding Haus gebaut und eingerichtet, in dem Mädchen wohnen können.

Die jungen Frauen und Männer, das haben die Lörracher hautnah erfahren, sind sehr dankbar, dass sie zur Schule gehen dürfen. Der Schulleiter setzt sich mit Herz und Seele dafür ein, dass kein Schüler aus Mangel an Geld seine Schule verlassen muss. Im Ort Kasarani haben die Mzungus (so nennen die Afrikaner Weiße) zwei Familien in ihren Wellblechhütten besucht und gesehen, wie das Leben der armen Bevölkerung aussieht, die sich keinen Schulbesuch leisten kann. "Ein kleiner Raum für eine Singlemutter mit fünf Kindern, eine Regentonne und ein Gasherd", fassen die Hebelianerinnen die Wohnsituation zusammen. "Und ein tieftrauriges Gesicht."

Die Jugendlichen an der Schule erlebten sie dagegen als aufgeweckt und glücklich. Die Geschenke aus Lörrach – Schulmaterialien und von der Sparkasse gespendete Beutel mit batteriebetriebenen Retrolampen am langen Band – seien sehr gut angekommen. Carla Saltenberger zeigt sich begeistert, wie offen die Menschen waren: "Sie haben uns als Freundinnen aufgenommen."