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03. September 2009 20:00 Uhr

Wahlkampf

Wie war’s bei...Angela Merkel in Freiburg?

Bundeskanzlerin Angela Merkel war auf dem Freiburger Rathausplatz, um für die CDU Wahlkampf zu machen – und 3500 Menschen kamen, um ihr zuzuhören. Wie hat sich die Kanzlerin präsentiert? Hier unsere Kurzkritik.

  1. Angela Merkel auf Wahlkampftour in Freiburg. Foto: dpa

Location: Eigentlich war der Rathausplatz schon vor der Kundgebung voll: mit einer riesigen Bühne samt Nebenzelt und einer Absperrung für geladene Gäste, die rund zwei Drittel des Platzes einnahm. Der Rest des Publikums – also die meisten – musste bis nach hinten in die Rathausgasse ausweichen. Wenigstens Mitarbeiter des Rathauses und der umliegenden Geschäfte hatten Logenplätze – am Fenstersims.

Publikum: CDU-Granden aus der Region neben protestierenden Milchbauern, die Puppen mit Sepplhut schwenkten; nichts ahnende Touristen neben Atomkraft-Gegnern; Mittagspausenbummler neben Merkel-Fans.

Vorprogramm: Für Stimmung sorgte erstmal das wechselhafte Wetter: In einer spontanen Massenchoreographie klappten die Wartenden zeitgleich ihre Regenschirme auf und zu. Auf und zu. Auf und zu. Währenddessen wurden auf der Bühne CDU-Kreisvorsitzender Klaus Schüle und Bundestagskandidat Daniel Sander interviewt. Der setzt auf seine Außenseiterchance im "sicherlich schönsten Wahlkreis der Bundesrepublik". Danach: Saxophonmusik – und Warten auf Merkel, die wie der Moderator sie ankündigen wird, "mächtigste Frau der Welt".

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Bühnengebaren: Ein vielfach erprobtes und immer wieder großes Entrée: "Start me up" rocken die Rolling Stones überlaut, und Angela Merkel wird von ihren Leibwächtern durch die wartende Menge geleitet. Großer Jubel. Ihr rotes Jackett signalisiert: Schaut auf mich. Ihr Auftritt: selbstbewusst und gelassen. Hier und da ein Anflug von Dialekt, ab und zu ein kleiner Witz. Zu den protestierenden Milchbauern sagt sie: "Wenn’s hilft, bin ich auch gern schuld." Und erstmal entschuldigt sie sich höflich, weil sie wegen Turbulenzen in der Luft erst mit 40 Minuten Verspätung landen konnte.

Ihre Botschaft: "Wer mich will, muss CDU wählen" – diesen Pflock rammt sie gleich zu Anfang ein. Dann Bankenschelte: Erst seien "gierige Banker" Risiken eingegangen und hätten dann den Staat um Hilfe gebeten: "Wir mussten helfen, sonst wäre die Wirtschaft zusammengebrochen und die Spareinlagen wären weg gewesen. Aber wir müssen verhindern, dass sich das wiederholt." Wirtschaftspolitik: "Wohlstand funktioniert über Beschäftigung, Beschäftigung funktioniert über Wachstum." Sozialpolitik: "Wir müssen Familie und Beruf besser zusammenbringen." Einwanderungspolitik: "Wir müssen um jeden Menschen kämpfen, der seine Zukunft in diesem Land sieht. Und da schließe ich ausdrücklich die Migrantinnen und Migranten ein." Und natürlich die Wahl: "Geschichte wird von jedem Einzelnen geschrieben an jedem einzelnen Ort – und nicht nur von der Politik. Deshalb bitte ich Sie: Gehen Sie wählen." Auf der Bühne klatscht auch Ministerpräsident Günther Oettinger.

VIDEO: MERKELS REDE IN FREIBURG


Fanartikel: Devotionalien der eher spaßigen Art am Parteistand: Aufkleber mit dem Schriftzug "Chefin" und Seifenblasendöschen mit CDU-Smiley.

Zuhörer-Schnellkritik: Katharina Alf (wird in drei Tagen 18) aus Freiburg, meint: "Angela Merkel ist cool, aber bei der falschen Partei." Helmtraud Heinzer-Krischel, 54, aus Freiburg: "Routinierte Wahlkampfrede. Nächstes Mal sollte sie mit dem Zug kommen, vor allem, wenn danach über Umweltschutz geredet wird."

Autor: Simone Lutz