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09. September 2009 20:26 Uhr
Wahlkampf 2009
Wie war’s bei...Guido Westerwelle in Freiburg
Beherrscht Guido Westerwelle, Chef der FDP, nicht nur große Sprüche sondern auch die Kunst der Diplomatie? Bei seinem Wahlkampfauftritt im Freiburger Konzerthaus vor rund 1000 Menschen gab er sich sozial und manchmal richtig witzig. Hier unsere Kurzkritik.
Location: Um den Hochzeitspaaren auf dem Rathausplatz auszuweichen (9.9.09), hatte sich die Bundes-FDP fürs Foyer des Konzerthauses entschieden. Hier herrscht eher gediegene Theater-Atmosphäre als raue Wahlkampfstimmung. Die Hälfte des Publikums sitzt auf Stühlen, die andere lauscht von Treppen und Galerien herab.
Publikum: Das Foyer ist mehr als voll. Rund 1000 Menschen wollen den 47-jährigen FDP-Vorsitzenden live sehen, in den ersten Reihen sitzen die örtlichen FDP-Funktionäre und -Stadträte. Freundlich begrüßt von Westerwelle werden die vier Greenpeace-Aktivisten, die während seiner Rede ein Transparent gegen Atomkraft und Gentechnik entrollen (zur Fotogalerie).
Westerwelles Rede im Video
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Vorprogramm: Mit 80er-Jahre Rockmusik von Europe (The Final Countdown) ziehen die Redner ein. Begrüßen darf der Freiburger FDP-Bundestagskandidat und Neu-Stadtrat Sascha Fiek, der hervorhebt, dass die Liberalen in Freiburg schwer im Kommen seien. Bei der Kommunalwahl habe man die Dominanz von Grün-Schwarz im Gemeinderat gebrochen. Die Rolle der Einheizerin übernimmt Landesvorsitzende Birgit Homburger, die resolut und routiniert für mehr Freiheit in Deutschland wirbt.
Bühnengebaren: Statt ein Bad in der Menge zu nehmen schüttelt Westerwelle den Herrschaften in den vorderen Reihen gut gelaunt die Hände. Bevor er auf die Bühne tritt, werden die Mikrofonständer abgeräumt. Mit Funkmikro am Revers spricht der FDP-Chef frei und geschliffen, nicht ohne Ironie ("Nichts Menschliches ist mir fremd, ich bin Rheinländer", so sein Kommentar zur großen Nachfrage bei der Abwrackprämie). Ja, es gibt immer wieder etwas zu lachen: "Sie kennen natürlich niemanden, der schwarz arbeitet." Ernst wird er, als es zum Ende hin um Abrüstung und Afghanistan (Außenpolitik!) geht: "Wir haben hier eine gewisse Verantwortung." Zum Schluss winkt er staatsmännisch in die Menge.
Seine Botschaft: In seiner einstündigen Rede fegt Westerwelle quer durch den politischen Gemüsegarten. "Gehen Sie zur Wahl", heißt es anfangs, "wählen Sie die FDP", am Ende. Von wegen Partei der Besserverdienenden: Westerwelle beschwört die Mitte, von der aus Deutschland regiert werden müsse und warnt vor dem Sozialismus. Der Mittelstand müsse im Mittelpunkt der Wirtschaftspolitik stehen. Ein faires Steuersystem müsse her, "Leistung muss sich lohnen". Bildung müsse in der Vorschule mit dem Erlernen der deutschen Sprache beginnen. Das Zeitalter der regenerativen Energien sei anzustreben, bis dahin müssten mit Kohlekraftwerken Brücken gebaut werden (von Atomkraft ist nicht die Rede).
Fanartikel: Das Angebot ist eher spärlich und herkömmlich. An den Ständen liegen blau-gelbe Kugelschreiber, Einkaufswagenchips, Traubenzucker und Aufkleber aus.
Zuhörer-Schnellkritik: "Seine charmante, witzige Art hat mich überrascht. Er hat genau die Themen angesprochen, die mich beschäftigen", sagt Dagmar Kasper aus Freiburg. Begeistert ist auch Volker Künzle, der 50 Kilometer aus dem Kinzigtal angereist ist: "Sehr gut, ich werde ihn wählen."
- Fotostrecke: FDP-Chef Westerwelle in Freiburg
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Autor: Heike Spannagel


