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16. Oktober 2012 07:35 Uhr

Billiger Produktion

EBM-Papst verlagert Lüfterproduktion von Herbolzheim nach Ungarn

Nach Iveco in Weisweil trifft es erneut die Metaller in der Region: Das EBM-Papst-Werk in Herbolzheim verliert 115 Arbeitsplätze. Das Unternehmen verlagert die Lüfterproduktion nach Vecsés in Ungarn.

  1. Unter Preisdruck: die Produktion von Ventilatoren für Lüfter Foto: EBM-PAPST

Derzeit verhandelt die Geschäftsleitung mit dem Betriebsrat und der IG Metall wegen eines Sozialplans. Dieser soll in der kommenden Woche stehen, wie Personalchef Wolfgang Beyer der Badischen Zeitung mitteilte. 115 der 600 Arbeitsplätze fallen weg.

Beyer begründet den Stellenabbau mit dem weltweit starken Wettbewerbsdruck. EBM-Papst müsse sich als letzter Kompaktlüfterhersteller in der westlichen Welt der asiatischen Konkurrenz stellen. Dort seien die Wettbewerber bereits dabei, Teile der Produktion aus dem nicht mehr ganz so billigen China in günstigere südostasiatische Länder wie Vietnam und Kambodscha zu verlagern. Die EBM-Papst-Lüfter werden unter anderem in der Informationstechnik, der Nachrichtenübermittlung und in der Photovoltaik eingesetzt.

Job-Angebote in St. Georgen

In diesem Herbst habe man mit der Verlagerung in das kostengünstigere ungarische Werk begonnen. Bis zum Ende des ersten Quartals 2013 soll sie abgeschlossen sein, sagte Beyer. Den betroffenen Mitarbeitern im Werk Herbolzheim biete EBM-Papst im Werk St. Georgen bis zu 70 adäquate Arbeitsplätze an. Für eine Übergangszeit wolle das Unternehmen die Kosten für die Fahrt übernehmen und man denke über Vier-Tages-Schichten nach, um den Pendlern entgegenzukommen, teilt Beyer mit. Jenen 45 Mitarbeitern, für die es keinen Job in St. Georgen gebe, würden Teilzeitverträge für eine Übergangsfrist angeboten. Beyer weist zudem darauf hin, dass rund die Hälfte der Mitarbeiter in Herbolzheim über 50 ist. Damit seien Altersteilzeitangebote attraktiv, so Beyer.

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Die Entwicklung hatte sich abgezeichnet, als die Geschäftsführung von EBM-Papst im Juni die Bilanz für 2011 vorstellte. Zwar war im Sommer von einem leichten Umsatzplus und stabiler Beschäftigungslage des Unternehmens die Rede. Gleichzeitig wurde aber auf den nötigen Strukturwandel für das Werk in Herbolzheim hingewiesen.

Herbolzheim soll mehr für die Autoindustrie produzieren

Mit dem Wandel am Lüfter-Markt hat Herbolzheim seit Anfang des Jahrtausends zu kämpfen. Damals mussten von knapp 1000 Stellen rund 350 abgebaut werden. 2010 versteigerte die Bundesrepublik die UMTS-Lizenzen für den Mobilfunk. Viele potenzielle Kunden, die von EBM-Papst die Lüfter für ihre Basisstationen und den Aufbau der Infrastruktur benötigt hätten, steigerten mit. Bei EBM-Papst hatte man sich viel davon versprochen. "Die Telekommunikationsblase ist aber dann geplatzt", erinnerte sich der Herbolzheimer Werksleiter Henning Stemler im Juni in der BZ.

Nun wollen sich die Herbolzheimer verstärkt im Automobilbereich engagieren. "Wir bauen einen Sauberraum für künftige Automobilprojekte. Es sollen Motoren für Lenkungen und Ölpumpen gefertigt werden, Kunden sind die großen Hersteller wie Daimler oder Audi", waren Stemlers Worte im Juni.

Laut Beyer konnten in diesem Hightech-Bereich auch zusätzliche Umsätze erzielt werden. Investitionen im zweistelligen Millionenbereich flössen in den Standort Herbolzheim. So sei der Sauberraum für eine Million Euro bereits gebaut. Die Großserienfertigung sei jedoch stark automatisiert, was weniger Arbeitsplätze in Herbolzheim bedeute, erklärt der Personalchef.

Keine Stellungnahme des Betriebsrats

Ahmet Karademir, Geschäftsführer der IG Metall in Offenburg, sagt, sein Hauptziel sei, den Verlust von Arbeitsplätzen in Herbolzheim so niedrig wie möglich zu halten. Nach der anstehenden Schließung von Iveco in Weisweil sei dies der zweite Schlag, den die Metaller in der Region hinnehmen müssten. Diese sei ohnehin mit industriellen Arbeitsplätzen nicht üppig ausgestattet.

Nach Aussage von Karademir sind die von Personalchef Beyer angekündigten Angebote für den Wechsel nach St. Georgen bereits das Ergebnis langer Verhandlungen zwischen Geschäftsleitung, Betriebsrat und IG Metall. Der Betriebsratsvorsitzende Ralf Obergföll möchte vorerst keine Stellung zu den Verhandlungen nehmen. Derzeit werde eine Presseerklärung des Betriebsrates verfasst, hieß es.

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Autor: Michael Haberer