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08. Januar 2012 19:41 Uhr
Goldgräberstimmung
Nach einem Zufallsfund wird am Oberrhein Erdöl gefördert
Seitdem die Preise von Erdöl und Erdgas auf einem konstant hohen Niveau sind, lohnt sich der Abbau der Rohstoffe zusehends auch in Deutschland. Am Oberrhein herrscht inzwischen sogar eine Art Goldgräberstimmung – ausgelöst durch einen spektakulären Fund in Speyer.
Erdöl und Erdgas aus Deutschland ist bislang eine Seltenheit. Weniger als drei Prozent des hierzulande verbrauchten Erdöls stammen von hier, beim Erdgas sind es elf Prozent – Tendenz fallend. Denn der Verbrauch steigt und gleichzeitig versiegen die hiesigen Quellen. Gefördert wird hauptsächlich in Schleswig-Holstein und in Niedersachsen. Dort liegen die größten Lagerstätten von heimischem Erdöl und Erdgas. Auf Platz drei folgt inzwischen der Oberrheingraben. Rund um Offenburg, zwischen Karlsruhe und Mannheim und vor allem in Speyer werden mehrere Öl- und Gasfelder erschlossen.
Hintergrund für den Boom ist ein spektakulärer Zufallsfund in Speyer im Jahr 2003. Gesucht hatten die Geologen Möglichkeiten, um Wärme aus der Tiefe für die Geothermie zu nutzen. Gefunden haben sie Öl. Weitere Bohrungen bestätigten den ersten Verdacht. 2010 wurde in Speyer erstmalig das ganze Jahr über Erdöl gefördert. Die Konzessionsrechte an der Lagerstätte hat die Firma GDF Suez E + P Deutschland GmbH aus Lingen im Emsland erworben.
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Wie viel schwarzes Gold sich unter Speyer im Erdboden verbergen könnte, darüber möchte sich das Unternehmen nicht äußern. Experten gehen von 9,4 Millionen Tonnen im Oberrheingraben aus. Das sind gut ein Viertel der bundesweiten Erdölreserven. Wie viele Rohstoffe tatsächlich aus dem Boden geholt werden, hänge vor allem davon ab, "wie viel die Verbraucher bereit sind, dafür zu bezahlen", sagt Hans-Michael Trautnitz von GDF Suez, der das Projekt kürzlich bei einer Veranstaltungsreihe des Regierungspräsidiums in Freiburg vorstellte. Denn bei hohen Preisen rentierten sich auch Lagerstätten, deren Erschließung früher undenkbar gewesen sei. So ist es auch in Speyer. Die Lagerstätte hätte noch vor gut zehn Jahren kaum angezapft werden können.
Das Öl liegt direkt unter der historischen 50.000-Einwohner-Stadt in 2300 Metern Tiefe. Durch eine neue Bohrtechnik ist es nun möglich, die Lagerstätte von außerhalb des Stadtgebiets zu erschließen. Dazu rammen Maschinen den Bohrkopf 700 Meter vertikal in den Boden. Erst dann wird er schief gestellt, die Bohrung verläuft danach so lange auf einer schrägen Strecke, bis sie die Lagerstätte erreicht. "Die Technik ist so exakt, dass man in mehreren Tausend Metern Tiefe eine Terrassentür treffen würde", erklärt Trautnitz. Wie viel eine solche Bohrung kostet? Auch darüber schweigt er.
GDF Suez sucht derzeit am Oberrhein an weiteren Standorten nach Öl. Auch drei andere Firmen sind aktiv. Nicht nur die Bohrtechnik hat sich verbessert, auch die Untersuchungsmethoden werden immer exakter. Mit Hilfe von dreidimensionalen Modellen lässt sich inzwischen deutlich besser als früher voraussagen, wie der Untergrund aufgebaut ist und wo sich Öl und Gas befinden könnten. Die Untersuchungen konzentrieren sich vor allem auf den Nordteil des Oberrheingrabens, die südlichste Bohrung liegt nahe Offenburg. Außerdem gibt es Erkundungen im Elsass. Rund um Freiburg existieren indes keine Konzessionen, die letzten sind Ende der 1980er Jahre ausgelaufen. Auch beim damaligen Ölpreishoch hatten sich Firmen Hoffnung auf das große Geld gemacht.
Ganz aus dem Blickfeld der Unternehmen ist der südliche Oberrhein aber nicht gerückt. Allerdings ist im Raum Freiburg die Wahrscheinlichkeit deutlich geringer, im Untergrund auf Erdöl oder Erdgas zu stoßen. Dies liege an den geologischen Gegebenheiten, erklärt Wolfgang Werner vom Geologischen Landesamt in Freiburg, das zum Regierungspräsidium gehört. Denn der Südteil des Oberrheingrabens sei durch Bewegungen der Erdkruste deutlich zerstückelter als der Norden. Dadurch hätten sich Erdöl und Erdgas nicht in größeren Lagerstätten ansammeln können.
Autor: Jelka Louisa Beule
