Feiern und Kontakte knüpfen

Louis Groß

Von Louis Groß

Mi, 01. August 2018

Wittnau

Wittnauer Helferkreis veranstaltet Sommerfest mit Geflüchteten und Einheimischen.

WITTNAU. Ein Sommerfest mit Grillen, Spielen und Musik veranstaltete der Arbeitskreis Flüchtlinge bei den Wohncontainern am Sportgelände in Wittnau. Eingeladen waren auch die Wittnauer Bevölkerung und Gäste aus dem Hexental. Ziel war es, eine Möglichkeit der Begegnung zu schaffen und Kontakte zu knüpfen.

Der typische Grillgeruch liegt in der Luft. Auf einer Wiese spielen Kinder Fußball und aus Lautsprechern tönt orientalische Musik. Geflüchtete, der Helferkreis und Teile der Wittnauer Bevölkerung feiern bei den Wohncontainern am Sportplatz ein gemütliches Fest in familiärer Atmosphäre. "Die Idee des Fests war, dass Einheimische und Flüchtlinge die Chance bekommen, zusammenzusitzen", erklärt Jürgen Lieser, der im Helferkreis aktiv ist. Es sei ein bisschen schade, dass das Angebot von vielen Bürgern im Dorf nicht so sehr wahrgenommen werde, dies sei jedoch kein Grund dafür, sich die Stimmung verderben zu lassen.

Die Situation der aktuell 30 Flüchtlinge im Ort schätzt Lieser unterschiedlich ein. Die Flüchtlinge seien dezentral untergebracht und gut integriert, allerdings seien die Wohncontainer eine nicht zufriedenstellende Lösung. Den Menschen fehle ein Internetanschluss. "Auch einen Backofen gibt es bisher nicht", bemängelt Lieser. Vor allem in der Zusammenarbeit mit der Gemeinde sei noch Luft nach oben. Vieles sei jedoch vom Helferkreis aufgefangen worden. In monatlichem Rhythmus seien Treffen mit Vertretern der Gemeinde zum gegenseitigen Austausch anberaumt.

"Was nach wie vor schwierig ist, ist eine langfristige Perspektive", sagt Lieser. Viele Flüchtlinge seien geduldet, ihr Aufenthalt befristet. Die beste Möglichkeit, eine langfristige Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen, sei es, Arbeit zu finden. Der Helferkreis versuche Kontakte zu knüpfen, viel werde privat vermittelt, durch das Jobcenter sei es schwer, sagt Lieser. "Einige schaffen jetzt den Sprung in die Ausbildung."

Mittlerweile brutzelt das Fleisch auf dem Grill. Ein Großteil der Speisen ist halal, also für Muslime erlaubt. Schweinefleisch gehört nicht dazu. Für diejenigen Gäste, die nicht auf Schwein verzichten wollen, steht ein zweiter Grill bereit.

"Die Mehrzahl der Menschen macht große Fortschritte beim Sprechen. Wir stehen auch im Austausch mit den Lehrern und Erziehern vom Kindergarten, das funktioniert wirklich gut", sagt Barbara Schneider, die sich ebenfalls im Helferkreis engagiert. Wichtig sei, den Menschen Zeit zu geben. "Alles ist neu, die ganze Kultur ist etwas anderes als in Syrien", sagt Motasem Alhallak. Er steht am Grill, kocht für die Gäste. Da gibt es Fleischspieße und Biryani, ein herzhaftes Reisgericht mit Rosinen und Nüssen. Die traditionellen Gerichte hat Alhallak von seiner Mutter gelernt – per Video-Chat, als er bereits, in Folge des Krieges, nach Jordanien geflohen war.

Dyndar geht in die achte Klasse und ist auch auf dem Fest. Vor drei Jahren floh er mit seiner Mutter und seinen Geschwistern aus dem Irak. "Es macht Spaß, Leute kennenzulernen. Deutsch zu sprechen ist schwer. Hierher zu kommen und mit Leuten zu reden, hilft mir viel, ich werde jeden Tag besser", sagt er. Auch Mohammed Jabor ist zu Gast. Er lebt schon viele Jahre in Deutschland, kam aus Palästina hierher. Der 60-Jährige hat schon viele Versuche gemacht, die Integration voranzutreiben. In verschiedenen Gemeinden veranstaltete er Gesprächskreise: "So etwas wie ein Stammtisch, nur ohne Alkohol", erklärt er. Damit habe er schon tolle Erfolge gehabt, leider habe es nicht überall geklappt. Nach einer Weiterbildung beim Caritasverband ist er nun pädagogischer Mittler und unterstützt Sozialarbeiter, zum Beispiel beim Übersetzen. "Wir brauchen einander", sagt er.