Hörgenuss hoch drei

Anne Freyer

Von Anne Freyer

Do, 03. Mai 2018

Wittnau

Konzert der Musikvereine Wittnau, Sölden und Horben.

WITTNAU. Zur Reihe der spektakulären Veranstaltungen, mit denen der Musikverein Wittnau in diesem Jahr seinen 175. Geburtstag feiert, gehörte das jüngst im Forum Merzhausen aufgeführte Jubiläumskonzert. Vorsitzender Manfred Steinke zeigte sich dankbar für die Gastfreundschaft der benachbarten Hexentalgemeinde, wäre es doch im heimatlichen Gallushaus etwas eng geworden für das Konzert mit gleich zwei befreundeten Gastvereinen, dem MV 1900 Sölden und dem MV Harmonie Horben.

In seiner Begrüßung der zahlreichen Gäste aus allen drei Orten erinnerte Manfred Steinke an die Geburtsstunde des MV Wittnau im Jahr 1843, gegründet von Lehrer, Küster, Organist und Ratsschreiber Franz Klingler. Aus der Dorfkapelle entwickelte sich im Lauf der Geschichte und infolge der politisch bedingten Veränderungen zunächst eine Militärkapelle, später eine Sanitätskapelle, bis sie sich nach dem Zweiten Weltkrieg wieder Blaskapelle nannte. Viele Höhen und Tiefen habe man erlebt, so Steinke. Heute sei man dankbar für die Möglichkeiten, die das moderne Repertoire bereithalte.

Was darunter zu verstehen ist, machten Dirigent Wilhelm Schmid und der MV Wittnau denn auch gleich mit dem Stück "A Sign for Freedom (Ein Zeichen für die Freiheit)" von Thomas Asanger deutlich, das sich auf die Hilfsbereitschaft für die Flüchtlingsströme aus den verschiedensten Krisengebieten bezieht. Weit im Süden, nämlich in der Antarktis, ist hingegen die Komposition "Antarctica" des zeitgenössischen Komponisten Carl Wittrocks angesiedelt.

Als Moderatoren, die den Beitrag des MV Wittnau durch sein Programm begleiteten, stimmten Dominik Schuldis und Adrian Böhm das Publikum auf eine Landschaft ein, die trotz Eis und Kälte Lebensraum vieler Tiere ist und auch den Menschen immer wieder fasziniert. Von dieser unwirtlichen Gegend war die "Bohemian Rhapsody", frei nach Freddy Mercury, weit entfernt – und noch weiter das Stück "Cataluna", mit dem der Komponist Llano an den Freiheitskampf in seiner Heimat Katalonien erinnert. Mit dem Konzertmarsch "Allgäu Land" als Zugabe beendete der Jubiläumsverein seinen Auftritt.

Wie herzlich er mit dem Nachbarn Sölden verbunden ist, zeigte sich einmal mehr im Jubiläumskonzert. Nach Jan van der Roosts immer wieder gern gehörtem Konzertmarsch "Arsenal" stand der "Karneval von Venedig" (Jean-Baptiste Arban) auf dem Programm, der sich als der im Deutschen beliebte Gassenhauer "Mein Hut, der hat drei Ecken" herausstellte. Den Solopart, ursprünglich für Trompete geschrieben, übernahm Klemens Karle mit seiner Tuba, der er unglaubliche Töne und schnelle Tonfolgen entlockte. Daran hatte auch Dirigent Sebastian Kroll sichtlich seine Freude, der mit dem Ensemble fein dosierte Unterstützung leistete.

Mit der Hommage an den "König der Filmmusik", Ennio Morricone, riefen die Söldener Erinnerungen an unsterbliche Filme wach, bevor sie mit "Musik ist Trumpf" als Zugabe den wohlverdienten Applaus entgegennahmen.

Der Dritte im Bunde, der MV Harmonie Horben, dirigiert von Hubert Amann, entführte mit "Vienna Festival Music" zunächst nach Wien. Aber auch die Erinnerung an "Kyrill, den Jahrhundertsturm" des Jahres 2007 des Komponisten Otto M. Schwarz konnten sich ebenso hören lassen wie das "Solo Bossa" betitelte Werk, in dem sich groovige Akzente mit träumerischen Elementen abwechseln und das ein Flügelhornsolo enthält.

Für das Medley aus der berühmten "Blues Brothers Revue" hatten einige Mitglieder der großen Kapelle Hüte und Sonnenbrillen mitgebracht – zur Erheiterung des Publikums. An den holländischen Seemann Abel Tasman erinnerte der gleichnamige Konzertmarsch, mit dem sich die Horbener verabschiedeten.