Lieblingsstücke eines Orchesters

Hans Jürgen Kugler

Von Hans Jürgen Kugler

Di, 12. April 2016

Wittnau

Der Musikverein Wittnau bringt unter dem Titel "Music" eine Auswahl aus seinen Konzerten der vergangenen 20 Jahre zu Gehör.

WITTNAU. Unter dem bündigen Titel "Music" lud der Musikverein Wittnau zu seinem Frühjahrskonzert ein. Dirigent Wilhelm Schmid und seine Musiker präsentierten in der Gallushalle ein "Best of" mit den Lieblingsstücken des Orchesters aus den vergangenen zwei Jahrzehnten, wie die beiden Moderatoren, Adrian Böhm und Dominik Schuldis, die Programmauswahl vorstellten.

Gleich in die Vollen ging der Musikverein mit der kraftvoll-pathetischen Eröffnungsfanfare aus der Tondichtung "Also sprach Zarathustra" von Richard Strauss. Seit Stanley Kubricks maßstabsetzenden Science-Fiction-Film "2001 – Odyssee im Weltraum" steht das Anfangsmotiv der Tondichtung stellvertretend für die "Faszination Sterne und Weltraum" schlechthin. Absolut folgerichtig also, dass die Musiker mit dem nächsten Stück die Zuschauer in eine weit, weit entfernte Galaxie am Rand des Universums entführten – ein Medley mit den Märschen aus der berühmten Star-Wars-Saga (John Williams) in einem erfrischend plastischen Arrangement für Blasorchester von Jerry Brubaker. Effektvolle Klangfarben von Anfang an – strahlendes Blech gegen bedrohlich fahle Klarinetten gesetzt (die dunkle Seite der Macht). Dann unverkennbar das machtvolle Thema des imperialen Sternzerstörers im Tutti. Und zum Schluss mit viel karibischem Flair der fröhlich-exotische Parademarsch aus Episode 1.

Ebenso klangfarben- wie abwechslungsreich geriet dem Orchester die Rock-Pop-Balladenoper "Bohemian Rhapsody" von Freddy Mercury/Queen (Arrangement Norbert Studnitzky). Nach dem balladenhaften Einstieg (Saxofon/Flöte, Klarinetten) übernahmen Hörner und Trompeten die virtuosen Gesangslinien. Die Melodiefetzen der Opernparodie verteilten sich auf sämtliche Register, was ein eindrucksvoll deutliches Klangbild ergab.

Ein anschauliches Bild vom Leben der Dakota-Indianer vermittelte "Dakota" des niederländischen Blasmusikkomponisten Jakob de Haan. Erhabene Klänge im Intro, die entfernt an Rhythmen und Harmonien einschlägiger Filme erinnerten, dann ein gekonnt in Musik gesetzter wilder Ritt durch die Prärie, abschließend ein religiöser Geistertanz, der an das Massaker von Wounded Knee erinnerte.

Die Titelmusik zu dem Film "Children of Sanchez" führt mit treibenden Rhythmen mitten hinein in die Elendsviertel Mexiko Citys, wo der verwitwete Arbeiter Jesus Sanchez mit vielen Kindern und mehreren Frauen mit harter Hand versucht, die Familie zusammenzuhalten. Die feurigen südamerikanischen Rhythmen eröffneten den Musikern reichlich Entfaltungsspielraum für geschmeidig-schöne Soli, so am Flügelhorn (Mattias Batt) und Saxophon (Renate Bräu).

"Music was my first love. And it’ll be my last” – auf diese kurze Formel brachte der englische Musiker John Miles das Gefühl einer ganzen Generation von Musikern. "Solche Liebesbeziehungen sind nie frei von Turbulenzen und diversen Tempowechseln" – mit diesen Worten brachte Dominik Schuldis den John-Miles-Titel "Music" auf den Punkt: gefühlvoll und dramatisch, rhythmisch mitreißend und ein reiches dynamisches Spektrum, das Ganze von einem gut eingespielten Orchester überzeugend aufgeführt.

Der Dixie-Klassiker "Just a Closer Walk with Thee" begann mit einer warmen, gefühlvollen Einleitung, die ganz allmählich in tanzbare Formen mündet. Der Zug nahm Fahrt auf, schöne Soli der Trompeten und Klarinetten, schließlich überbordende Fröhlichkeit – das traditionelle Stück für Marching Bands wird in Amerika meist zu Beerdigungen gespielt und soll den Verstorbenen fröhlich auf den Weg in ein neues Leben begleiten.

Mit einem Medley erinnerten die Musiker an den unvergessenen Bandleader Glenn Miller, der mit knackigen Bläsersätzen, schwungvoller Performance und zuweilen explosiven Einwürfen den unverwechselbaren Big-Band-Sound der 30er- und 40er-Jahre prägte. Mehr an der Gegenwart orientiert war das Stück "Choral and Rock-out" von Ted Huggins – trotz seines stilistischen Rückgriffs auf barocke Choralmelodien und fugierten Passagen. Ein rasantes Schlagzeugsolo (Michael Ruf) führte dann zu einem energiegeladenen rhythmischen Schluss.

Als Kontrastprogramm zu der bis dahin eher modernen konzertanten Blasmusik gaben die Wittnauer Musiker für die Freunde der traditionellen Blasmusik noch die Polka "Von Freund zu Freund" von Martin Scharnagel und verabschiedeten sich mit dem Konzertmarsch "Abel Tasman" (Alexander Pfluger), der das Leben des holländischen Seefahrers Abel Tasman in schillernden Bildern zum Thema hat.

Entgegen aller Absprachen gab der – zugereiste – Moderator Adrian Böhm noch das Badnerlied als Einlage – auf einer winzigen Spieluhr. "Selber schuld, wenn ihr mir ein Mikrofon in die Hand gebt", merkte der Spieluhrsolist augenzwinkernd an. Der Einsatz hat sich gelohnt, Dirigent Wilhelm Schmid und seine Musiker ließen sich breitschlagen, als zweite Zugabe den unverzichtbaren "Rausschmeißer" zu geben – dazu benötigten sie noch nicht einmal ein Notenblatt.

Ehrung: Mit dem Jungmusikerleistungsabzeichen in Bronze wurde Jakob Engelmann (Saxofon) vom Vorsitzenden Manfred Steinke ausgezeichnet.