Musikklassiker der Filmgeschichte

Hans Jürgen Kugler

Von Hans Jürgen Kugler

Di, 12. Mai 2015

Wittnau

"Wir sind Hollywood": Unter diesem Titel stand ein Konzert von Jugendkapelle und Musikkapelle in der Wittnauer Gallushalle.

WITTNAU. Kinoplakate berühmter historischer Filme wie "Die Fahrten des Odysseus" mit Kirk Douglas bis zur aktuellen Verfilmung von "Romeo und Julia" (Leonardo DiCaprio und Claire Danes) stimmten im Foyer der Wittnauer Gallushalle auf die große Filmmusik-Nacht "Wir sind Hollywood" ein.

Die gemeinsame Jugendkapelle von Sölden und Wittnau unter der Leitung von Christoph Hannig-Schweigart eröffnete das Programm mit dem leichtgängigen und harmonischen Militärmarsch "The Golden Vanity" des unter anderem für seine Filmmusiken ("Scotts letzte Fahrt") bekannt gewordenen englischen Komponisten Ralph Vaughan Williams.

Auf große Fahrt, diesmal in die Karibik, begaben sich die jungen Musiker mit einer kurzen Zusammenstellung des Soundtracks zu "Pirates of the Caribbean" – unverkennbar der mitreißende Marsch, mit dem die Black Pearl unter dem Kommando von Captain Jack Sparrow die karibischen Gewässer unsicher machte. Trotz des komplexen Arrangements von Michael Brown zeigten die jungen Musiker ein jederzeit homogenes und transparentes Klangbild.

Mit "Klezmania", einem Arrangement des bekannten Blasmusikkomponisten Jakob de Haan, versetzte die Jugendkapelle die Zuhörer in eines der vielen jüdisch geprägten Stadtviertel aus dem 18. Jahrhundert. Bekannte Melodien wie die des hebräischen Volksliedes "Hava Nagila – Lasst uns glücklich sein" spiegeln die überschäumende Lebensfreude und zarte Melancholie in den Hochzeitstänzen der Juden.

"Sechs Zentiliter Gin, ein Zentiliter trockener Wermut, Eiswürfel und eine Olive. Und das Ganze dann – ganz wichtig - bitte geschüttelt servieren, nicht gerührt." Mit diesem Cocktail-Rezept stimmte nach dem Auftritt der Jugendkapelle die Musikkapelle Wittnau auf den berühmtesten Geheimagenten ihrer Majestät ein – Bond. James Bond. Das von Johan de Meij arrangierte Medley über bekannte James-Bond-Themen interpretierten die Musiker unter der Leitung ihres Dirigenten Wilhelm Schmid ausdrucksvoll, mitreißend, einfach kriminell gut.

Revolverhelden vor dem geistigen Auge

Mindestens ebenso bekannt wie die Themen zu "Goldfinger" oder "Thunderball" sind die Filmmusiken von Ennio Morricone. In "Moment for Morricone" entführten die Musiker in die Zeit des Wilden Westens. Koyotengeheul (Hauptthema aus "Zwei glorreiche Halunken") und Zitate aus "Spiel mir das Lied vom Tod” ließen vor dem geistigen Auge die Bilder weiter Wüstenlandschaft, wüster Gesellen und wortkarger Revolverhelden entstehen. Das ausdrucksvoll dargebotene Medley überraschte durch zeitweise geradezu lyrische Momente, auch wenn im Hintergrund immer wieder die Totenglocken läuteten.

Aus dem Wilden Westen ging es mit "Children of Sanchez" mitten hinein in die Elendsviertel Mexiko Citys. Der treibende südamerikanische Rhythmus ließ den Musikern noch genügend Entfaltungsspielraum für schöne Soli, so am Flügelhorn (Mattias Batt) und Saxophon (Renate Bräu).

Es war die Schwiegermutter des Produzenten, die letztendlich darüber entschied, dass die erfolgreichste amerikanische Krimiserie auf Hawaii spielen sollte. Aus dem einfachen und nachvollziehbaren Grund, dass sie ihre Tochter in der Nähe haben wollte. Selbst für den Titel zeichnete die durchsetzungsstarke Dame verantwortlich: Hawaii Five-0. "Schließlich sind wir der 50. Staat der USA", soll sie gesagt haben. So kam es denn auch, und zwölf Jahre lang erklang jede Woche die berühmte Titelmelodie über die Fernsehgeräte der Welt, die der Musikverein druckvoll und mit Schmiss erneut zum Leben erweckte.

Mit "Eine Brise Leichtigkeit und Beschwingtheit" charakterisierte Moderator Dominik Schuldis treffend die Musik zur Filmbiografie des Sängers Bobby Darin "Beyond the Sea", die mit dem Swing der 40er Jahre unweigerlich die Finger zum Schnipsen bringt. Ein weiterer unvergessener Evergreen stammte aus "Frühstück bei Tiffany", bei dem das leicht und luftig arrangierte Titelthema ("Moon river") der unvergessenen Audrey Hepburn geradezu auf den zierlichen Leib geschneidert zu sein scheint. Am Saxophon: Renate Bräu.

Nach der stimmungsvollen Ballade "How Deep Is Your Love" der Bee Gees aus "Saturday Night Fever" erinnerten die Musiker viel zu früh daran, wie schnell die Zeit doch vergeht. Mit "As Time goes by" (Saxophon Stefanie Schuldis) beschlossen die Musiker mit zeitlosen Themen aus einem der größten Klassiker der Filmgeschichte das Programm, aber nicht ihren Auftritt. Denn mit einem ausgedehnten Medley (Arrangement Kurt Gäble) gedachten die Kapelle dem 2014 im Alter von 80 Jahren verstorbenen Udo Jürgens.