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15. Juli 2008

"Nicht wegschauen, wenn Hilfe benötigt wird"

Neuntklässler der Hexentalschule Merzhausen verabschiedet.

WITTNAU (kun). Es sollte ein ruhmreiches Finale werden. Eine Entschädigung für das langweilige und enttäuschende Endspiel der Fußball-Europameisterschaft vor zwei Wochen. Doch auch die Hauptschulabsolventen der Hexentalschule wurden von anfänglichen Hindernissen bei ihrer Abschiedsfeier gebremst. Die Mannschaft aus zwölf Jungs und drei Mädchen wurde von Verletzungssorgen geplagt: So musste der Programmpunkt des "wahren Breakdance-Europameisters" Philippe Wohleb abgesagt werden.

Von den technischen Pannen und langen Wartezeiten ließen sich die Schülerinnen und Schüler jedoch nicht beeindrucken. Maryann und Tizian eröffneten das Programm mit einem Steilpass: Klassenlehrer Holger Koschmieder auf der Suche nach seinen Herzblättern. Anhand von typischen Zitaten oder kreativ gereimten Beschreibungen musste Koschmieder seine Schüler wiedererkennen. Dass Koschmieder eine Rarität unter den Lehrern ist und eine besondere Beziehung zu seinen Schüler pflegte, bestätigte Rektorin Brigitte Preugschat in ihrer Entlassungsrede. Er brachte seinen Schülern bei "für etwas geradezustehen, was man verbockt hat, nicht wegzuschauen, wo Hilfe benötigt wird" und bei Unrecht nicht tatenlos zu sein. Preugschat legte den Absolventen ans Herz, diese Werte auf dem Weg in die Selbstständigkeit zu achten. "Es wird immer mehr von euch erwartet, dass ihr selbst verantwortet, was ihr tut", so die Rektorin.

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Die Entscheidungen über ihren weiteren Bildungsweg haben die Schüler schon selbstständig getroffen. Maximilian, Giovanni und Tim haben sich wie die meisten für eine weiterführende Schule entschieden – je nach Interesse mit kaufmännischem oder technischen Schwerpunkt. Einige Absolventen beginnen eine Ausbildung oder gehen ins Berufsvorbereitungsjahr. Den weitesten Weg legt wohl Jonas Rottmüller zurück: Er beginnt eine dreijährige Ausbildung als Goldschmied in Pforzheim. Auf die außergewöhnliche Berufsidee ist Jonas beim Ferienprogramm gestoßen, als er eine Woche in den Beruf des Goldschmieds reinschnuppern durfte. "Beim Eignungstest für die Schule musste ich ein ansehnliches Flugobjekt aus Zeitungen und Draht bauen", erzählt der 16-Jährige. Sein Werk war rund, hatte sechs leicht gedrehte Flügel, flog wie eine Frisbee und überzeugte die Ausbilder.

Überzeugend war auch die Leistung der Jahrgangsbesten Philipp Lange und Philipp Skutlartz mit der Note 1,6. Sie bekamen von der Schulleitung eine Urkunde und einen Gutschein überreicht. Eine schriftliche Belobigung erhielten Tim Buttenmüller, Maximilian Hug, Tobias Kienzler und Kay Zimmermann.

Dass noch mehr als Wissen in ihnen steckt, stellten die Schüler in der "zweiten Halbzeit" unter Beweis. Bei der Theateraufführung "Wer ist hier verrückt?" wurden ungeahnte schauspielerische Fähigkeiten offenbar. Die Schüler aus den Klassen sieben bis neun überzeugten in den kuriosesten Rollen. Ob Maximilian Hug als Kellner Adalbert mit seiner kecken Lache; Herr Professor Bammberger (Tizian Stanciu), der seinen Namen nur mit hektischem Kopfschütteln aussprechen konnte oder die aufgetakelte Hotelbesitzerin Knickebein (Laura Sailer), die krampfhaft versuchte, ihre Tochter unter die Haube zu bringen – alle waren wie für ihre Rolle geschaffen, spielten mit Witz, selbstbewusst und ohne Scheu, als hätten sie nie etwas anderes gemacht. So wurde der Abend doch noch zum ruhmreichen Finale, das den Absolventen noch lange positiv in Erinnerung bleibt.

Die Absolventen der Hexentalschule: Daniel, Beuchling, Tim Buttenmüller, Marryann Susy Cappone, Maximilian Hug, Tobias Kienzler, Philipp Lange, Jana Leukel, Jonas Rottmüller, Manuel Schmidt, Caroline Schubert, Philipp Skutlartz, Tizian Stanciu, Giovanni Vintrici, Philippe Wohleb, Kay Zimmermann.

Autor: kun