Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

26. April 2014

Stromhandel als Sündenfall

Das Erneuerbare Energie-Gesetz und die Energiewende waren Thema bei der Wyhler SPD.

  1. Ernst Ulrich von Weizsäcker bei der SPD in Wyhl. Foto: Haberer

WYHL. Die Orts-SPD von Wyhl hat zu einem Gespräch über die Energiewende in das alte Rathaus eingeladen. Zahlreiche Interessierte sind gekommen, auch weil Ernst Ulrich von Weizsäcker mitredete. Dabei war ein großes Thema hausgemacht: die Novellierung des Erneuerbaren Energien Gesetzes (EEG) durch den sozialdemokratischen Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel.

Gabriel habe keinen leichten Job, meinte Weizsäcker, früher selbst mal für die SPD im Bundestag. Durch Entscheidungen der vergangenen Jahre, mit denen man auch die Sicherheit für Investoren in grüne Energie gewährleisten werden sollte, habe man den Effekt, dass der Strom an der Börse billiger, aber für die privaten Abnehmer immer teurer werde. So sei die Mehrheit der Bevölkerung dafür, die Vergütungen über das EEG zu kappen, erläuterte Weizsäcker.

Was Gabriel nun vorgelegt hat, wurde von Erhard Schulz, Vorstandsmitglied des Windverbandes und Sozialdemokrat, heftig kritisiert. Die Windindustrie im Südwesten ist besonders betroffen, weil insbesondere hier beim Neubau von Windkraftanlagen der Rotstift angesetzt werden soll. Für Schulz ist der Entwurf Gabriels ein Einknicken vor der Kohle-Lobby und den Stromkonzernen, die für teures Geld ihre Windparks in die Nordsee stellen, wofür aufwändige Stromtrassen in den Süden gebaut werden müssen.

Werbung


Weizsäcker versicherte, dass noch genug Windkraft an Land vorgesehen ist und dass Gabriels kommendes Gesetz nicht der Tod der erneuerbaren Energien oder das Ende deren Ausbaus sein werde. Die Novellierung werde bei der Form der ersten Präsentation nicht bleiben, versicherte die SPD-Landtagsabgeordnete Sabine Wölfle. Sie zeigte sich zuversichtlich, das künftig auch im Südwesten noch Windräder entstehen können, also rentabel sind. Weizsäcker und Schulz waren sich einig, dass der Handel des grünen Stroms an der Strombörse ein Sündenfall sei und der Billigstrom für die energieintensive Industrie jeglichen Anreiz nimmt, auf Effizienz zu setzen. Einig waren sich alle Beteiligten, dass man auf dezentrale Energie und auf Engagement an der Basis bauen müsse.

Bernd Nössler von den Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen sieht die Kommunalpolitik gefordert. In den Neubaugebieten habe man die Steuerungsmöglichkeit, dass nicht jeder seine eigene Heizung installiert. Aus der Runde wurde auf das Herbolzheimer Baugebiet Herrengüter hingewiesen, wo die Häuser an eine Nahwärmeversorgung angeschlossen werden. Dagegen zeigten sich die Vertreter der Energiegenossenschaft Endingen frustriert, wie wenig in ihrer Stadt geht. Wölfle meinte, für solche Projekte seien Bürgermeister und Gemeinderat gefordert. Sie sah die Endinger Energieaktivisten ziemlich alleine gelassen.

Der Energieberater Michael Weber aus Emmendingen sieht die Solarbranche ziemlich am Boden. Schulz dagegen macht hier große Chancen bei den Haus-Solaranlagen, der Versorgung mit dem eigenen Solarstrom aus. Allerdings wurde aus dem Saal dagegen gehalten, dass alleine der Stromspeicher dafür noch unbezahlbar sei. Schulz kündigte Weisweiler Energiegespräch an, bei denen die Chancen der Eigenversorgung und ihre Finanzierung vorgestellt werden.

Ein Tenor war auch, dass bei Biogas mit zweierlei Maß gemessen werden solle. Jene, die nur Energieträger wie Mais für Gas oder Strom verheizen, gebühre das Etikett "Bio" nicht, meinte Weber. Weizsäcker wies auf die "Vermaisung" der Fläche hin, die nicht im Sinne von Landwirtschaft und Naturschutz sein könne. Förderungswürdig seien jene Anlagen, die Gülle oder tierische Abfälle "vergasen" und gleichzeitig über die Versorgung mit Nahwärme auch diese Energie nutzten, meinte Weber. Schulz nannte dazu die Bauernfamilie Reinbold, die nun auch das Kurhaus in Freiamt mit Wärme versorgt.

Autor: Michael Haberer