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28. Mai 2011
BI wendet sich an Petitionsausschuss
Bürgerinitiative will Funkmast auf dem Zeller Blauen doch noch verhindern / Stadt soll noch keinen Wald für Straßenbau abholzen.
ZELL (BZ). Mit einer Petition an den neu gewählten Petitionsausschuss des Landes Baden-Württemberg will die Bürgerinitiative "Kein TETRA-Sender auf dem Zeller Blauen" doch noch den Bau des Senders für den Behördenfunk auf dem Gipfel des Zeller Blauen verhindern. Als Grund für die Petition werden zum einen "ganze neue Recherchen" genannt, "die ergeben haben, dass der durch das Regierungspräsidium Freiburg ausgewählte Sendemast-Standort mitten in einem Gebiet von historischen Schanzenanlagen liegt".
Darauf hatte bereits Schanzen-Experte Werner Störk hingewiesen. Die Schanzen wurden ab 1692 unter dem Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden, dem bekannten "Türkenlouis", als Verteidigungswall gegen feindliche Einmärsche Frankreichs errichtet.Die Verteidigungsanlagen oberhalb von Zell erstrecken sich vom Gipfel des Zellers Blauens über das Gewann "Wüstmatt" mit seiner viereckigen Schanze direkt bis zur nächsten Schanze auf dem "Hirschbühl". Während andere Schanzenanlagen im Südschwarzwald schon gut erforscht sind, sind die Anlagen rund um den Zeller Blauen bisher kaum untersucht worden. Insbesondere der weitere Verlauf der "Vorderen Linie" vom Gewann "Wüstmatt" über den Zeller Blauen bis nach Bürchau ist noch weitgehend unerforscht. Der Bau des Sendemastes auf diesem Berg und vor allem der Bau der 12 m breiten Straßentrasse zum Senderstandort könnten "geschützte Bodendenkmäler für immer zerstören und der Erforschung durch die Nachwelt unwiderruflich entziehen", heißt es. Offensichtlich habe auch das Regierungspräsidium diese historischen Denkmäler durch eigene Recherchen erkannt und fürchte um den ausgewählten Standort. Die Untersuchungen sollen deshalb vorerst unter Verschluss gehalten werden und sind der Öffentlichkeit erst ab Herbst zugänglich, so die Bürgerinitiative. Zum anderen erfordere der Bau der Sendeanlage auf dem 1067 Meter hohen Zeller Blauen und insbesondere der Bau einer 1,2 Kilometer langen und 12 Meter breiten Straßentrasse mitten durch den steilen Bergwald "unverhältnismäßig hohe finanzielle Mittel" in Höhe von etwa 600 000 bis 1 Million Euro.
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Verhandlungen mit den Betreibern bereits bestehender Mobilfunk-Sendeanlagen zur gemeinsamen, kostengünstigen Nutzung seien zu keiner Zeit geführt worden. Das sei "schlichtweg eine grobe Fahrlässigkeit", argumentiert die BI gegenüber dem Petitionsausschuss.
"Äußerst bedenklich" erscheinen der BI auch die Pläne der Stadtverwaltung, "ohne Baugenehmigung mit der Abholzung von 500 Festmeter Wald und dem Bau der Straße zu beginnen". Sollte die Petition erfolgreich sein, müsste die Stadt wohl die teure Waldstraße aus der eigenen Kasse zahlen, und dafür liege der Verwaltung bisher keine Ermächtigung des Stadtrates vor.
Auch verweist die BI auf noch fehlende Ergebnisse von Untersuchungen des Landesdenkmalamtes, die vom Petitionsausschuss noch einzuholen seien. Die BI appelliert an Bürgermeister und Stadträte, die "Gesetzmäßigkeiten" des Petitionsverfahrens zu respektieren und bis zum Entscheid des Petitionsausschusses mit der Abholzung und dem Bau der Waldstraße zum Gipfel des Zeller Blauen zuzuwarten.
Autor: bz
