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06. Januar 2012 19:52 Uhr

Zell feierte den 250. Geburtstag von Constanze Mozart

Constanzes feierliche Rückkehr nach Zell

Mit einer eindrucksvollen Inszenierung wurde in Zell der 250. Geburtstag von Constanze Mozart gefeiert. Auf ihren Namen wird im Juli eine Rose getauft

  1. Edith Ganter als Constanze Mozart Foto: Hermann Jacob

  2. Irmgard Wellmann (2. von links), Nachfahrin von Constanzes Mutter, und Gerhard Pregger aus der Familie von Constanzes Urgroßvater (r.) Foto: Hermann Jacob

ZELL. Von der Bühne blickte die "Gnädigste" in einem überdimensionalen Porträt auf die Festgesellschaft herab. Und es hätte ihr wohl gefallen, wie die Zeller mit Punsch, Torte, Schauspiel-Szenen und Mozart-Klängen ihren 250. Geburtstag groß feierten! Sogar Hofrat Günther Bauer aus Salzburg war angereist, um eine Festrede auf Constanze Mozart, die berühmte Tochter Zells, zu halten und das Leben dieser "unglaublich tüchtigen Frau" zu würdigen.

Die Hommage zu Ehren der in Zell geborenen Gattin des Genies Mozart war, wie es Bauer treffend nannte, "eine schöne, bürgernahe Feier". Just an ihrem Jubeltag kehrte Madame Mozart in ihre Geburtsstadt Zell zurück – in einer wunderbar theatralischen, ebenso unterhaltsamen, humorvollen wie berührenden Inszenierung von Heidi Knoblich im überfüllten Pfarrsaal St. Fridolin. Constanze, eindringlich und überzeugend gespielt von Edith Ganter im eleganten Reifrock mit weißer Perücke, wird begleitet von Mozarts Kammerdiener Joseph, genannt Beppi, der energisch mit dem Zeremonienstab klopft: "Madame Mozart! Habe die Ehre!" Autorin und Regisseurin Heidi Knoblich führt die "Weberischen" in einem fiktiven Treffen zusammen. Auf dem Laufsteg quer durch den Saal spielten die Grazien in herrlichen Rokoko-Kostümen sehr temperamentvoll und entzückend. Die Szenen und Dialoge erzählten viel über Constanze, ihr Leben an der Seite Mozarts, über Affären, Skandale, und die Rivalitäten und Eifersüchteleien mit ihrer Schwester, der Primadonna Aloysia, die Mozarts erste Wahl war, ihm aber einen Korb gegeben hat.

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Edith Ganters Constanze bewahrt Würde und Haltung, wenn sie ihre Liebe zu Mozart bekräftigt: "Ich trage Mozarts Namen, ich habe seine Musik als Erste gesehen, ich, Constanze, war ihm eine gute Frau, ich hab ihm Coffé gekocht, wenn er die Nächte durchkomponierte, ich hab ihm Punsch gemacht". Die Opern- und Operettensängerin Michaela Egloff im prächtigen Rokokokostüm mit turmhoher Perücke spielt affektiert, schnippisch und eitel die Diva Aloysia und brilliert in den Arien mit strahlender Stimme. Da bricht der schwesterliche Zickenstreit aus, wenn Aloysia sich in Divenpose wirft und aufgeregt mit dem Fächer wedelt: "Ich war seine große Liebe vom ersten Augenblick, als er in Mannheim unsere Stube betrat", giftet sie herablassend, "deine Stimme füllt ja nicht mal eine Besenkammer". Als Constanzes Nichte bezaubert Rebekka Breisacher mit schönem hellem Sopran und Sandra Rümmele gefällt als jüngste, liebenswürdige Schwester Sophie. Stilgetreu historisch gewandet amüsiert Egon Klauser in unnachahmlicher Manier sehr gewitzt mit Schmäh, Humor, wienerischem Akzent, köstlicher Mimik und komödiantischer Laune als "dero gschamigster Diener", der Madame Mozart durch die Party lotst.

Die Rückkehr von Constanze in ihre Geburtsstadt gerät auch zur bewegenden Erinnerung an ihren Vater Fridolin Weber. In einer Szene tauchen die Zeller Dreikönigswirtin (Stefanie Waßmer) und der Schwanenwirt (Simon Rösch) auf, machen ihre Aufwartung und erinnern an Vater Weber, der "nüt als Musik im Chopf" hatte, und die Nacht, in der die Familie nach Intrigen und Querelen mit dem Baron von Schönau die Stadt überstürzt verlassen musste. Der Geiger Hans Gino Suter stimmt wehmütige Klänge an, als rührende Erinnerung an "de Gigeli-Weber".

Hendrik Köhler sang mit kraftvollem, wohltimbrierten Bassbariton eine Arie aus "Die Hochzeit des Figaro" und zusammen mit Aloysia das hinreißende Duett Papageno/Papagena; der Tenor André Schann vom Theater Basel huldigte der Jubilarin mit der prächtig gesungenen Arie "Konstanze! Dich wieder zu sehen" aus der "Entführung aus dem Serail" und Sabine Hiller-Dürk bereicherte mit der Arie "Voi che sapete" ebenfalls dieses Geburtstagsfest. Souverän begleitete Arne Marterer am Flügel die Sänger, und ein Kammerensemble mit dem Oboisten Lukasz Korta, dem Geiger Lukas Sieroslawski und dem Cellisten Cyprian Kohut spielte ein Mozart-Trio mit Wohlklang, Eleganz und Schwung. Sehr angetan davon, wie die Stadt Zell diese "großartige Frau" feiert, zeigte sich Festredner Günther Bauer (siehe separaten Artikel), der als Überraschungs-Geschenk der Stadt 100 Mozart-Bücher aus seiner Mozart-Bibliothek überlässt: Biografien, Bildbände, Lexika, Bücher mit neuesten Erkenntnissen und Forschungsergebnissen über Mozart und Constanze. Als weitere große Überraschung verriet Heidi Knoblich, dass zu Ehren der berühmten Tochter Zells eine neue Rosenzüchtung, eine weiße Rose mit rosarotem Herz, den Namen "Constanze Mozart" tragen wird. Am 13. Juli wird Gräfin Bernadotte auf der Insel Mainau diese Rose "Constanze Mozart" feierlich taufen – alle Zeller sind dazu eingeladen. Darauf wurde mit einem kräftigen Schluck Punsch an der Limonadenbude angestoßen. Bürgermeister Rümmele schnitt die Geburtstagstorte an, ein Kuchen mit Biskuit und Punschüberzug, wie ihn Mozart liebte.

Autor: Roswitha Frey