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26. September 2013

Dem Windatlas geht die Luft aus

Windparkpläne in Gefahr / Erste Messungen am Zeller Blauen: Windgeschwindigkeiten unterhalb der Wirtschaftlichkeitsgrenze.

  1. Vor zwei Jahren mutete es wie ein Kinderspiel an: Gemeindeflächen zwischen Zeller Blauen und Belchen verpachten und von den Windrädern der Investoren profitieren. Daran gibt es jetzt ernste Zweifel. Foto: archivbild: privat

WIESENTAL. Einen herben Dämpfer erhielten Erwartungen, zwischen dem Zeller Blauen und dem Belchengipfel Windparks wirtschaftlich erfolgreich betreiben zu können. Sollten sich die Ergebnisse der jüngsten Windmessungen bestätigen, muss das Projekt auf dem Zeller Blauen abgebrochen werden, hieß es bei einer Gemeinderatssitzung am Dienstagabend.

"Angesichts unserer konkreten Messergebnisse muss man sich fragen, ob der Windatlas weiter als Planungsgrundlage für Windkraftprojekte verwendet werden kann", sagte Windkraftexperte Josef Pesch vom Projektierer JuWi in Mambach. Während der Windatlas für den Höhenrücken nördlich des Zeller Blauen eine mittlere Windgeschwindigkeit (Windhöffigkeit) von rund 6,5 Meter pro Sekunde ausweist, fielen die tatsächlichen Messungen bescheidener aus. Gemessen wurde mit zwei verschiedenen Lidar-Messanlagen während vier Monaten, heraus kamen Windgeschwindigkeiten von 4,95 Metern pro Sekunde auf einer Höhe von 100 Metern, informierte Tobias Ludwig von JuWi. "Das entspricht einem Wert von 5,5 Metern auf einer Höhe von 140 Metern", sagte er. Deutlich zu wenig, um ein Windparkprojekt erfolgreich betreiben zu können, sagte Tobias Ludwig.

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Für die Gemeinden Zell, Häg-Ehrsberg und Kleines Wiesental, die sich am Dienstag zu einer gemeinsamen Ratssitzung trafen, waren ursprünglich die Windatlasgeschwindigkeiten von 6,5 Meter pro Sekunde der Grund gewesen, um überhaupt in die Planungen für bis zwölf Windräder einzusteigen.

Da es sich bei diesen Messungen auf dem Zeller Blauen um erste konkrete Messungen in Südbaden handelt, wollen die Projektierer EWS und JuWi die Ergebnisse überprüfen: Ab Herbst werden über drei Monate weitere Messungen an zwei unterschiedlichen Referenzpunkten durchgeführt. Sollten die Ergebnisse aber die bisherigen Erkenntnisse bestätigen, wäre das nicht nur das Aus für die Windpark-Hoffnungen der drei Gemeinden – "die Messergebnisse deuten darauf hin, dass die im Windatlas für Südbaden angegebenen Werte schlicht falsch sind", betonte Josef Pesch aus Freiburg.

Nach heutigem Kenntnisstand fehlt das Potenzial.

Nach heutigem Kenntnisstand bedeuten die Ergebnisse, dass südlich des Belchen, mit Ausnahme vielleicht des Hochblauen, kein Potenzial für wirtschaftlich vertretbare Windparks besteht, sagte Pesch. Trotz dieser Enttäuschung haben die drei Gemeinden mit ihren Projektierern beschlossen, das Projekt vorerst weiterzuführen, bis Klarheit besteht, sagte Bürgermeister Rudolf Rümmele. Die Untersuchungen zum Teil-Flächennutzungsplan (FNP) Wind werden wie geplant fortgesetzt, denn es gehe grundsätzlich darum, in der Frage der Windkraftnutzung im Gebiet der drei Gemeinden "Ordnung zu schaffen", so Rümmele.

Rechtsberater Dirk Schöneweis erläuterte, dass Klein-Windkraftanlagen zur privaten Nutzung weiterhin möglich seien, aber Anlagen zur gewerblichen Nutzung durch einen Teil-Flächennutzungsplan ausgeschlossen werden können. "Damit können die Gemeinden einen unkontrollierten Wildwuchs auf ihren Gemarkungen verhindern", so Dirk Schöneweis. Selbst wenn ein Windpark zum jetzigen Zeitpunkt nicht realisierbar sein sollte, könne die technische Entwicklung zukünftig neue Möglichkeiten eröffnen.

Edith Schütze vom Freiburger Unternehmen "faktorgrün" gab einen Überblick über die artenschutzrechtlichen Untersuchungen mit Schwerpunkt Vogelschutz. Demnach wurden 2013 sechs vogelkundliche Durchgänge für die Bereiche Zeller Blauen, Rohrenkopf, Hohe Möhr und Wildsberg/Federlisberg durchgeführt. "Dabei wurden keine Anzeichen dafür gefunden, dass es in diesen Bereichen neue Tabuzonen gibt", sagte Edith Schütze. Die Bereiche Wildsberg/Federlisberg und Zeller Blauen erscheinen unproblematisch. Bei der Hohen Möhr und am Rohrenkopf gebe es ein "Konfliktpotenzial", das aber noch nicht zu einem Ausschluss dieser Flächen führe. Vertiefte Untersuchungen seien erforderlich, so Edith Schütze.

Dirk Schöneweis informierte über die sogenannten Poolingverträge, die zwischen den drei Gemeinden und Forst BW ausgehandelt wurden. Um zu verhindern, dass ein Grundstückseigentümer mit seiner Windkraftanlage anderen Grundstücken den Wind aus dem Rad nimmt, wird vereinbart, dass jeder seine Grundstücke am Zeller Blauen in einen Pool einbringt.

Autor: Heiner Fabry