Lust auf eine Runde Zauberflötenspiel?

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mo, 14. September 2015

Zell im Wiesental

Unter dem Motto "Spielen wie zu Mozarts Zeiten" wurden im Zeller Ratssaal alte Gesellschaftsspiele präsentiert – und ausprobiert.

ZELL. Haben Sie schon mal Tischkegeln ausprobiert? Oder versucht, im Zauberflötenspiel zu gewinnen? Oder das geheimnisvolle Orakel im "Punctierspiel" gedeutet, mit dem sich einst die vornehmen Damen des 18. Jahrhunderts die Zeit vertrieben? Unter dem Motto "Spielen wie zu Mozarts Zeiten" konnten die Besucher am Freitagabend im Ratssaal in Zell einiges über die Kulturgeschichte der Gesellschaftsspiele im 18. Jahrhundert erfahren und dann ihre eigene Geschicklichkeit im Spiel testen.

Bürgermeister Rudolf Rümmele spielte humorvoll darauf an, dass sich der Ratssaal für einen Abend in eine "Spielhalle", ein temporäres "Casino" verwandelt hat, und freute sich, dass Initiatorin Heidi Knoblich in ihrer Reihe "Webers Reigen" wieder etwas ganz Besonderes präsentieren kann. Ein Brief, den Mozart einst an seine zukünftige Frau Constanze schrieb, hat Heidi Knoblich auf die Idee gebracht. Mozart empörte sich in diesem Schreiben, dass Mademoiselle Weber sich bei einer Abendgesellschaft von einem Kavalier die Waden messen ließ – ein damals beliebtes Gesellschaftsvergnügen. Außerdem ist von Mozart bekannt, dass er gerne kegelte, gerne Billard spielte. Und wenn er bei adeligen Herrschaften ein Konzert gegeben hatte, musste er anschließend bei den Spielen mitspielen, sonst wäre er nicht "hoffähig" gewesen.

Dies verriet Heidi Knoblich, die für diese besondere Veranstaltung der Stadt Zell und des Zeller Berglandtourismus zwei Koryphäen als Referenten gewonnen hat: Hofrat Professor Günther Bauer, anerkannter Mozart-Forscher, ehemaliger Rektor der Universität Mozarteum Salzburg und Gründer des dortigen Instituts für Spielforschung sowie den Assistenz-Professor Rainer Buland, den jetzigen Leiter dieses Instituts.

Beide sind berufene Experten, die so fachkundig wie charmant und humorvoll die gängigen Brett-, Karten- und Gesellschaftsspiele der Mozart-Zeit vorstellten. Buland hat zudem aus der umfangreichen Graphiksammlung des Instituts zahlreiche Illustrationen und historische kolorierte Stiche abfotografiert und zur Bebilderung und Veranschaulichung des Vortrags an die Wand projiziert: Die beiden Spielforscher verstanden es prächtig, den Zuhörern einen Eindruck davon zu geben, welcher Spielleidenschaft die elegant gekleideten Damen und Herren der gehobenen Gesellschaft in der Welt des Rokoko frönten. Gespielt werden durfte, wie Günther Bauer verriet, erst am Nachmittag.

Die Ausnahme war das Bölzelschießen, was man heute mit Luftdruckgewehr-Schießen vergleichen könnte. Mozart und seine Zeitgenossen schossen auf eine Distanz von acht, neun oder zehn Meter mit Büchsen auf kleine Holz- oder Papierscheiben. Nicht nur in Salzburg, sondern auch in Wien und im ganzen Reich wurde viel gespielt, teilweise gab es auch verbotene Spiele, in denen es um viel Geld ging.

Als Constanze Weber und ihre Schwestern noch kleine Mädchen waren, spielten sie wohl mit Puppen oder vergnügten sich mit Seilhüpfen. Es habe sehr wenige Kinderspiele gegeben, so Buland, Kinder hätten oft bei den Erwachsenen mitgespielt. Nach dem Bölzelschießen setzte man sich zu Tisch, es wurde gegessen, getrunken und Karten gespielt, vorzugsweise Tarock. Das seien alles Unterhaltungen im Winter gewesen, oft bei Kerzenlicht.

Manche Spiele hatten etwas Delikates und Erotisierendes

Auch im Kaffeehaus wurde gespielt, Schach oder Dame oder Kartenspiele. Im Hause Mozarts wurde auch gekegelt, überall gab es Kegelbahnen. Sehr verbreitet war das Eulenspiel, ein Würfelspiel, auf dessen Feldern Abbildungen aus dem Eulenspiegel zu sehen sind. Sehr beliebt war auch das Gänsespiel, ein Laufspiel mit Würfel.

Die Gänse galten als Glückssymbol, und laut barocker Zahlenmystik war auf dem Feld 58 der Tod dargestellt. Ende des 18. Jahrhunderts erschien das "Zauberflötenspiel", das Spiel zur Mozart-Oper mit den Bühnenbildern und Kostümen der damaligen Aufführung. Wer als Erster am Tempel der Weisheit angelangt ist, hat gewonnen. Um sich die langen Winternächte zu vertreiben und einen Blick in die Zukunft zu werfen, waren auch Orakelspiele gefragt. Etwas sehr "Delikates" und Erotisierendes hatte auf abendlichen Gesellschaften das "Wadenmessen", bei dem die Damen ein Stück Bein zeigten, das sonst verhüllt war. Zwischendurch demonstrierte Rainer Buland am Klavier, wie Mozart damals kunstvoll mit der Musik "gespielt" hat.

Nach diesem Blick in die Unterhaltungswelt der Mozarts hieß es "Die Spieltische sind geöffnet" und die Besucher durften diverse von Buland mitgebrachte Spiele selbst ausprobieren. Etwa eine im alten Maßstab nachgebaute Tischkegelbahn, ein auf Stoff gedrucktes Eulenspiel oder das Zauberflötenspiel, wie in einem Spielsalon der Rokoko-Zeit.