Windpark: Betroffene wünschen Wissen

Anja Bertsch

Von Anja Bertsch

Di, 15. Mai 2018

Zell im Wiesental

Am Montag trafen sich im Landratsamt Planer des Windparks Zeller Blauen und Betroffene.

LÖRRACH/ZELL/KLEINES WIESENTAL. Am Montag trafen sich die Planer des Windparks Zeller Blauen EWS, Enercon und Enercraft mit Behördenvertretern vor allem aus dem Landratsamt Lörrach und Regierungspräsidium Freiburg sowie Vertretern von Naturschutzverbänden und Bürgerinitiative. Thema war, die Untersuchungen für die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) festzulegen. Dieses öffentliche Zusammentreffen trägt den Namen Scoping-Termin.

Hintergrund: Um die Planungsgrundlagen im Bereich Umwelt zu ermitteln, haben sich die Firmen EWS (Elektrizitätswerke Schönau) und Enercon entschieden, das "große Gedeck" aufzulegen und eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchzuführen und die möglichen Auswirkungen des Windparks im Bereich Umwelt und Naturschutz zu überprüfen.

Scoping-Verfahren: In einem Scoping-Verfahren (englisch "scope" – Umfang, Abgrenzung) geht es darum, den inhaltlichen und räumlichen Untersuchungsrahmen für die Umweltverträglichkeitsprüfung festzulegen. Auftakt dieses Verfahrens war der Scoping-Termin am Montag in Lörrach, bei dem sich die Beteiligten direkt gegenübersitzen. An den sogenannten Vorhabenträgern (EWS, Enercon und Enercraft) war es, in Vorlage zu gehen und ihren bislang geplanten Untersuchungsrahmen vorzustellen. Und während ihre Vorstellung in einer knappen Viertel Stunde über die Bühne ging, nutzten die Träger öffentlicher Belange, Verbände und etliche Privatleute die folgenden 90 Minuten ausgiebig, um ihre Anmerkungen anzubringen und weitere Aspekte und Forderungen anzubringen.

Beim "wichtigsten Schutzgut, dem Menschen" (Georg Lutz von der Umweltabteilung im Landratsamt) gab es die Forderung, die Topographie bei der Berechnung von Schall und Infraschall einzubeziehen. Ein weiterer Hinweis bezog sich auf die Abstände von Windrädern zur Wohnbebauung. Einen großen zusätzlichen Forderungskatalog gab es insbesondere beim Schutzgut Tiere: Vor allem die untere Naturschutzbehörde sowie Naturschutzbund (Nabu) und Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) forderten eine erhebliche Ausweitung der Erhebungen, etwa zum Aufkommen von Vögeln und Fledermäusen. Ein ähnliches Bild ergab sich beim Aspekt Landschaft/kulturelles Erbe: Wo die Vorhabenträger hier mit Blick auf die Sichtbarkeit der geplanten Windenergieanlagen Analysen und Visualisierungen im Radius von fünf Kilometern vorschlugen, drangen Behörden und Verbände darauf, der "deutschlandweit herausragenden Bedeutung der hiesigen Landschaft" und der Größe der Windenergieanlagen mit ihrer Höhe von 230 Metern gerecht zu werden, indem die Auswirkungen auf das Landschaftsbild für einen wesentlich größeren Radius sichtbar gemacht werden. Als Beispiele wurden Aussichtspunkte im Schwarzwald wie Feldberg und Schauinsland genannt.

Auch die möglichen Auswirkungen auf den Tourismus sollten mit Hilfe von Studien vertieft überprüft werden, so die Forderung. Ein weiterer Hinweis bezog sich auf den Denkmalschutz: Auf dem Höhenrücken des Zeller Blauen befänden sich 80 Kulturdenkmäler in Form von Grenzsteinen sowie drei Schanzen, die je nach Standort der Windräder womöglich gefährdet seien.

Mediation: Bürgermeister Gerd Schönbett kündigte im Namen der Gemeinden Kleines Wiesental und Böllen einen Mediationsprozess an: Dieser soll dazu beitragen, "das Thema Kulturdenkmäler für alle verträglich zu lösen". Womöglich, so Schönbetts Hoffnung, könne man in diesem Zuge auch "andere Kommunikationsprobleme rund um das Thema Windkraft angehen". Zells Bürgermeister Peter Palme schloss sich dem an.

Wie weiter? Die Vorhabenträger werden die beim Scoping-Termin aufs Tapet gebrachten Anmerkungen, Forderungen und Fragen bei der Vorbereitung ihres Genehmigungsantrages aufgreifen. Den Genehmigungsantrag wollen EWS und Enercon Ende des Jahres oder Anfang 2019 stellen.