Mit Fischtreppe und Fischabstieg

Zeller Kraftwerk effizient und trotzdem ökologisch

Nicolai Ernesto Kapitz

Von Nicolai Ernesto Kapitz

Fr, 15. Dezember 2017 um 12:40 Uhr

Zell im Wiesental

Neue Technik macht das Kleinkraftwerk in Zell effizient, ohne die Ökologie zu vernachlässigen: Dank Fischtreppe und Fischabstieg ist auch der Anglerverein zufrieden.

Mit deutlich mehr Effizienz als bisher dient das Wasser der Wiese in Zell nun zur Stromerzeugung. Das Kleinkraftwerk Schappe läuft nun mit nagelneuen Turbinen, die inzwischen museumsreifen alten Anlagen haben endgültig ausgedient. Bei einem Vor-Ort-Termin hat der Stromversorger Energie-Dienst (ED) das neue Innenleben des kleinen Kraftwerks vorgestellt, ebenso die neue Fischtreppe am Wehr zwischen Zell und Atzenbach.



Das altehrwürdige Haus – nur der Radweg trennt es von der Wiese – stammt aus dem Jahr 1887 und seitdem wird hier Strom produziert. Seit 1909 rotierten in dem mittlerweile denkmalgeschützten Kleinkraftwerk die alten Francis-Turbinen, die nun – nach mehr als 100 Jahren – ihren Dienst quittieren durften. Nun treibt das Wiesenwasser im Kraftwerk eine neue Kaplan-Turbine an. "Das ist modernste Technik und viel effizienter", erklärt Rolf Hezel, Ingenieur bei ED.

Innenleben wurde überholt

Es rumpelt und brummt im Maschinenhaus, in dem nun auch neuesten Überwachungs- und Steuerungstechnik untergebracht ist – die neue Turbine hat ganz schön was zu tun zur Zeit, die Wiese führt ordentlich Wasser. Damit dessen Zufuhr geregelt wird, ist nicht nur das Kraftwerk samt Innenleben überholt worden. Auch das Wehr an der B 317-Brücke ist in seiner historischen Form ganz neu aufgebaut worden.

Automatisch wird hier die Wassermenge geregelt, die die Turbine schlucken muss. "Damit sie richtig läuft, braucht sie mindestens 500 Liter pro Sekunde", sagt Rolf Hezel. Die Wassermenge ist übrigens ein Knackpunkt: Als die Stadt Zell dem Stromversorger das Kraftwerk 2014 überließ, gab es eine Auflage. Die Stadt wollte, dass eine Sanierung unter ökoligischen Gesichtspunkten geplant wird, speziell für den Fluss und seine Fauna und Flora. Deswegen musste Energiedienst dafür sorgen, dass das Kraftwerk dem Fluss in trockenen Zeiten nicht zu viel Wasser klaut. 750 Liter pro Sekunde müssen mindestens in der Wiese bleiben, dafür sorgt das automatische Wehr.

Fische können in beide Richtungen schwimmen

Und beim Stichwort Ökologie fällt noch etwas anders auf: Fische haben nun freie Bahn sowohl flussauf- wie auch flussabwärts. Denn am Wehr ist eine neue Fischtreppe entstanden. Durch das wuchtige Betonbauwerk finden Fische nun den Weg bergauf. Möchte ein Fisch lieber von Atzenbach nach Zell, kann er den Fischabstieg direkt im Maschinenhaus benutzen, an der Turbine vorbei führt ein kleiner Bypass, ein engmaschiger Rechen verhindert, dass die Tiere in die Schaufeln geraten werden.

Zu den Zahlen: 2,2 Millionen Euro hat ED in die Sanierung des Schappe-Kraftwerks gesteckt, die Bauarbeiten begannen 2016. Die neue Turbine produziert nach ED-Angaben rund 1,45 Millionen Kilowattstunden pro Jahr, was ausreicht, um rund 400 Haushalte zu versorgen. Bisher waren es rund 300 Haushalte. "Damit haben wir die Effizienz um rund 30 Prozent gesteigert", erklärt Rolf Hezel. Die neue Turbine sei zwar um rund 50 Prozent effizienter als ihre beiden hundertjährigen Francis-Vorgänger – aber durch die ökologischen Vorgaben sinke die Effizienz wieder ein wenig.

Stichwort Vorgaben: Davon, dass eine solche den Stromversorger zwang, den Ist-Zustand des Maschinenhauses wiederherzustellen, profitiert übrigens auch der Zeller Fanfarenzug. Denn dieser hat im Obergeschoss sein Probelokal, das er allerdings im vergangenen Jahr nicht nutzen konnte. Der Grund war, dass ED für die Sanierung einen Balkon abbauen musste, der dem Fanfarenzug als (vorgeschriebener) zweiter Rettungsweg diente. Der Balkon ist nun – wie Rolf Hezel zugab – zwar mit einiger Verspätung, dafür aber in seiner vollen Pracht wieder hergestellt. Kostenpunkt für ED: Rund 30.000 Euro.