Damit Mädchen eine Chance haben

Andrea Steinhart

Von Andrea Steinhart

Mi, 11. Juni 2014

Gundelfingen

Die Generaloberin der Ordensgemeinschaft "Helpers of Mary" besucht Gundelfingen und den Verein "Wasser ist Leben".

GUNDELFINGEN. Der Verein Indienhilfe "Wasser ist Leben" unterstützt seit 19 Jahren mit Hilfe eifriger Spender Kinderheime in Indien. Geführt und geleitet werden die Einrichtungen von der Ordensgemeinschaft "Helpers of Mary". Nun war die neue Generaloberin Schwester Stella und eine Mitschwester fünf Wochen auf Deutschlandvisite. Ein wichtiger Helfer bei ihrer Arbeit ist der Gundelfinger Verein, den die Schwestern ebenfalls besuchten.

Während des Besuchs in Gundelfingen hatte nicht nur die Vorsitzende des Verein Indienhilfe "Wasser ist Leben", Gerda Geretschläger, und ihr Team Gelegenheiten, mit dem Besuch aus Indien ins Gespräch zu kommen. Auch Bürgermeister Reinhard Bentler und zahlreiche Bürger hatten bei einer öffentlichen Veranstaltung im Kultur- und Vereinshaus sowie nach einem gemeinsamen Gottesdienst in der katholischen Pfarrkirche Bruder-Klaus die Möglichkeit dazu. Genau das war Ziel des Besuchs: "Wir wollen denen danken, die seit vielen Jahren so viel für unsere Kinder tun", erklärte die 46-Jährige. "Durch ihre Unterstützung und Hilfe gehören sie zur gleichen Familie, und diese will man ja hin und wieder besuchen."

In 63 Stationen kümmern sich die 312 Mary-Schwestern um Mädchen in Indien. Einige weitere Stationen unterhalten sie in Kenia und Äthiopien. Mehr als 1600 Mädchen leben in Indien in den Heimen der Schwestern. Über 7000 Mädchen kommen in den Genuss, am Schul- oder Förderunterricht der Schwestern teilzunehmen; 27 000 Mädchen sind es insgesamt, die in Krabbelgruppen, Kindergarten, Vorschulen, Schulen, Heimen oder in der Berufsausbildung von den Mary-Schwestern unterstützt werden. "Sobald wir uns um die Mädchen kümmern oder sie aufnehmen, haben sie eine Zukunft", wurde erklärt. Wenn nicht, wird es für die vielen bedürftigen Mädchen sehr schwer.

"35 Millionen Kinder gehen in Indien nicht zur Schule", erläutert Schwester Stella. Besonders hart treffe es die Mädchen. "Alle 60 Minuten werden in Indien zwei Frauen vergewaltigt, alle 60 Stunden wird eine Frau getötet. Jährlich gibt es in Indien 32 000 Vergewaltigungen. 5000 Frauen sterben, weil ihre Familien für eine Heirat nicht die geforderte, obwohl seit Langem gesetzlich verbotene Mitgift zahlen können." Daher gelte den Mädchen und Frauen in Indien die ganze Aufmerksamkeit der Schwestern. Hilfe von der hinduistisch geprägten Regierung erhalten sie nicht, aber "wir werden ermutigt, weiter unsere Arbeit zu tun".

Dokumentation aus dem Alltag

Im Kinderdorf "Naya Jeevan", das von Gundelfingen mittels Patenschaftsmitteln und Spenden seit Jahren intensiv unterstützt wird, leben 240 Mädchen. Sie erhalten Schulunterricht, werden in Nähen, Gartenarbeit und Hygienefragen unterrichtet und erhalten gute Ernährung, die von der eigenen Farm kommt. Es werden Zwiebeln, Rettiche, Süßkartoffeln und Bananen angepflanzt; drei Büffelkühe liefern 12 450 Liter Milch.

Viel Wert legen die Schwestern darauf, dass die ihnen anvertrauten Mädchen ausgebildet werden. Schwester Stella: "Mit etwas Unterstützung kann aus jedem armen Mädchen eine selbstbestimmte junge Frau werden, die ihr Leben selbst in die Hand nimmt, ob als Näherin, Krankenschwester, Bäuerin oder Schuldirektorin." Eine qualifizierte Ausbildung sei das effektivste Mittel gegen Armut und Ausbeutung. Eine abgeschlossene Berufsausbildung gebe den Mädchen Chancen für eine bessere Zukunft.

Die Schwestern organisieren Selbsthilfegruppen für Frauen und helfen ihnen, zu ihren Rechten zu kommen. Sie begleiten sie bei Behördengängen und gewähren ihnen Mikrokredite für den Kauf von Saatgut, Nähmaschinen und Materialien zum Körbeflechten. "Eigenes Einkommen bessert das Einkommen der ganzen Familie auf und die Kinder werden zur Schule geschickt." Schwester Stella ist seit einem Jahr Generaloberin. Sie hat Politik- und Erziehungswissenschaften studiert und spricht sieben Sprachen. 1990 legte sie die Ordensgelübde ab.

Informationen gibt es unter http://www.indienhilfe-wasser-ist-leben.de oder bei Gerda Geretschläger, Tel. 0761/52406.