Deutsche Städte werden Anlegern zu teuer

dpa

Von dpa

Di, 06. November 2018

Wirtschaft

Mieten sinken trotzdem nicht.

FRANKFURT (dpa). Internationale Investoren haben Milliarden in Immobilien hierzulande gesteckt – und so die Preise hochgetrieben. Doch nach Jahren des Booms finden sie deutsche Städte mittlerweile zu teuer, zeigt eine eine Analyse der Beratungsgesellschaft PwC.

Demnach sanken die Immobilien-Investments in Deutschland in den vergangenen zwölf Monaten um drei Milliarden auf 65 Milliarden Euro. Wohnungen und Häuser in hiesigen Städten würden zwar von Großanlegern geschätzt, weil sie viel Wert auf Sicherheit legten, heißt es in dem Papier. "Dennoch werden Berlin, Frankfurt, Hamburg und München von vielen Investoren als überteuert angesehen", sagte PwC-Partnerin Susanne Eickermann-Riepe.

Die mehr als 800 Immobilien-Profis, die befragt wurden, finden die Häuserpreise in deutschen Großstädten – wie auch in anderen europäischen Metropolen – sehr sportlich. "Nahe am Gipfel", "weit fortgeschritten" oder "überteuert", lautet häufig ihr Urteil. Manchen Anlegern wurde es nun offenbar zu bunt. Ganz vorn in ihrer Gunst steht europaweit nicht mehr Deutschland, sondern Großbritannien. Auf der Insel wurden vom Schlussquartal 2017 bis zum Ende des dritten Quartals dieses Jahres 68 Milliarden Euro in Immobilien investiert. Deutschland habe zu wenige Zielobjekte, und diese seien zu teuer, meint Eickermann-Riepe. "Aus diesem Grund konnte Großbritannien trotz des bevorstehenden Brexit vorbeiziehen."

In den vergangenen Jahren hatten Investoren aus den USA, Großbritannien und China in großem Stil Wohnungen und Häuser in deutschen Städten gekauft. Bei Deals jenseits von zehn Millionen Euro stammte 2017 mehr als jeder zweite Euro von ausländischen Kapitalgebern, so der Verband deutscher Pfandbriefbanken. Die Einschätzung der Großanleger hat daher Gewicht.

Die Bundesbank warnte bereits mehrfach vor Preisübertreibungen in Ballungsräumen. Sie sieht Überbewertungen von bis zu 30 Prozent, wenn auch noch keine bundesweite Blase. Eine Trendwende im Sinne sinkender Mieten in den Großstädten ist mit dem Sinneswandel der Großanleger nicht verbunden. In Frankfurt stiegen im Hinblick auf den Brexit die Immobilieninvestments rasant. Auch Berlin bleibt begehrt: "Die Liebesbeziehung der Immobilienbranche mit Berlin dürfte 2019 weitergehen", heißt es in der PwC-Studie. "Jeder will dort sein, und die Mieten gehen durch die Decke."