Indienhilfe unterstützt Kinder in Not

Andrea Steinhart

Von Andrea Steinhart

Di, 27. Mai 2014

Gundelfingen

Gundelfinger Indienhilfe unterstützt seit Jahren die Ordensschwestern "Helpers of Mary".

GUNDELFINGEN. Immer wieder werden in Indien Tausende Mädchen als Säuglinge abgetrieben oder später ausgesetzt oder gar umgebracht. Sie sind unerwünscht, weil die Mitgift Familien in den Ruin treiben kann. Glück haben jene Mädchen, die von den "Helpers of Mary" von den Straßen aufgelesen werden. Den Ordensschwestern greift seit 19 Jahren die Gundelfinger Indienhilfe "Wasser ist Leben" unter die Arme.

"Kaum zu glauben – aus der kleinen Schulinitiative ist ein wirksamer Verein geworden, der heute seine Vorstandssitzung abhält ist", sagte Vorsitzende Gerda Geretschläger vor Mitgliedern und Gästen in der Johann-Peter-Hebel-Grundschule am Mittwoch. Sie dokumentierte bei der Hauptversammlung des Vereins "Indienhilfe – Wasser ist Leben" auch, wie dieser die Spenden seiner zahlreichen Unterstützer einsetzt. Partnerorganisation in Indien ist die katholische Organisation "Helpers of Mary". Mit mehr als 300 Ordensschwestern setzen sich die Schwestern an mittlerweile 55 sozialen Brennpunkten Indiens ein.

Schwerpunkt der Gundelfinger Hilfe lag 2013 auf den Fortbestand laufender Projekte. Mittels der Patenschaftsgelder in Höhe von rund 60 000 Euro konnten 240 Mädchen, die im Kinderdorf Naya Jeevan leben, rundum versorgt werden. 40 von ihnen leiden an Aids. Für die Berufsbildung von 39 Mädchen gab der Verein rund 20 000 Euro aus. "Die Mädchen wurden in der Krankenpflege, als Erzieherinnen, Schneiderinnen oder als Polizistin ausgebildet", erzählte Geretschläger. Der Verein zahlt für Unterbringung, Bücher und Examensgebühren.

Die Farm im Kinderdorf Naya Jeevan läuft das ganze Jahr auf Hochtouren. Es werden Zwiebeln, Rettiche, Süßkartoffeln und Bananen für die Kinder angepflanzt. Die drei Büffelkühe des Heims liefern 12 450 Liter Milch. Das Dorf liegt rund 100 Kilometer von Mumbai entfernt. Ein Bus wurde 2013 für das Dorf angeschafft. Nun können mit HIV infizierte Kinder schneller zu Blutuntersuchungen ins Krankenhaus nach Mumbai gebracht werden. Und es können Ernteerträge in benachbarte Einrichtungen transportiert werden. Der Verein half mit 14 600 Euro.

Im Slum Malwani wurden die Lehrergehälter der Schule und die Schuluniformen mit 12 000 Euro finanziert. 350 Kinder besuchen jeden Tag die Schule, die nur aus zwei Zimmern besteht. Unterrichtet wird daher im Schichtbetrieb. Insgesamt unterstützte der Gundelfinger Verein zuletzt 550 Mädchen bei der Schul- oder Berufsausbildung. Die Fortbildung der Ordensschwestern finanzierte der Verein mit 15 000 Euro.

Für mehr Sicherheit für die Mädchen wurden in dem Heim "Anand Niwas" in Shevgaon eine Innentreppe und Sanitäranlagen gebaut. Finanziert wurden auch Kleiderspinde, ein neues Eingangstor und Moskitonetze. Insgesamt überwiesen die Gundelfinger dafür 10 100 Euro. Die Mädchen in Tilak Nagar haben dank der Spenden neue Toiletten erhalten. Für den Unterhalt des Heims und für die Schulbildung der Mädchen aus Adivasi-Familien in Karajgaon wurden 20 000 Euro ausgegeben. "Die Familien sind meist Angehörige von Naturreligionen und stehen außerhalb des Kastensystems", erläuterte Geretschläger.

Für Arbeiten und Anschaffungen legte die Vorsitzende den Mitgliedern staatlich geprüfte Kassenbelege aus Indien vor. Insgesamt flossen im vergangenen Jahr für Projekte 195 200 Euro aus Gundelfingen nach Indien. Für die Verwaltung brauchen die Engagierten 6600 Euro, was einem Aufwand von 3,46 Prozent entspricht. Die Projekte finanziert der Verein hauptsächlich aus Spenden (111 600 Euro), Patenschaftsgelder (70 500 Euro) und dem Erlös der seit fünf Jahren bestehenden Echo-Stiftung (12 600 Euro).

Über die Zahlen der Stiftung gab Valentin Hettich, Direktor der Raiffeisenbank Gundelfingen, der die Stiftung verwaltet, Auskunft. Fritz Karcher von der Stiftung erklärte, dass höchstwahrscheinlich in den nächsten Jahren eine weitere hohe Erbschaft anstehe, die in die Stiftung fliesen werde. Deren Vermögen ist angewachsen auf derzeit 397 000 Euro.

Neben der fortlaufenden Förderung will der Verein 2014 die Hilfe für das Kinderdorf Naya Jeeva ausbauen. Wegen ständig steigender Energiekosten wird Geld gebraucht. Lehrergehälter, die Versorgung von Slumkindern, Computer- und Nähkurse stehen ebenfalls auf der Wunschliste der indischen Schwestern. Insgesamt plant der Gundelfinger Verein 130 000 Euro dafür ein. Für Solaranlagen in Mädchenheimen des Nordens und für einen neuen Krankentransporter für das Heim Mukta Jeevan rechnet Rechnerin Angela Burger mit rund 30 000 Euro.

Informationen auf gibt es im Internet unter http://www.indienhilfe-wasser-ist-leben.de oder unter Tel. 0761/ 52406 (Gerda Geretschläger).