Jeder Brunnen hilft 120 Bauernfamilien

Andrea Steinhart

Von Andrea Steinhart

Do, 09. Februar 2012

Gundelfingen

Vertreter der Gundelfinger Indienhilfe "Wasser ist Leben" besuchten jetzt Projekte in Indien, die mit Geld von Gundelfinger Bürgern unterstützt werden.

GUNDELFINGEN. Sechs Hilfszentren der Schwestern "Helfers of Mary" in Indien, die mit Spendengeldern der Gundelfinger Indienhilfe "Wasser ist Leben" unterstützt werden, bekamen jetzt Besuch. Um zu sehen, wie das gespendete Geld den Kindern zugutekommt, reisten der Geschäftsführer der E.C.H.O-Stiftung und Vorstandssprecher der Raiffeisenbank Gundelfingen, Valentin Hettich, Inge Dännart vom Vorstand der Indienhilfe und weitere neun Interessierte nach Indien.

Das neue Haus der fünfköpfigen Adivasi-Familie in Korlai ist gerade mal 20 Quadratmeter groß. Eigentlich besteht das ganze Haus nur aus einem großen Raum mit einer abgetrennten Küche. Doch gegen die abbruchreife Hütte, in der sie zuvor lebte, sehen die neuen Häuser komfortabel und sicher aus. Vier Neubauten und Dachsanierungen an weiteren 19 Häusern finanzierte der Gundelfinger Verein "Indienhilfe Wasser ist Leben" im vergangenen Jahr. "Die Menschen sind sehr dankbar dafür", sagte Inge Dännart, nachdem sie nun von der vierzehntägigen Projektrundreise zurückkam. Anlässlich der Einweihungsfeier übergab sie der Dorfgemeinschaft 250 Metalleimer und Kinderkleidersets an bedürftige Familien.

Im Norden Indiens, in Gangangaon, unterhalten die katholischen Schwestern ein Mädchenheim. In der Nähe der Station leben Ur-Völker, denen es nicht gestattet ist, Wasser aus den Brunnen der Dörfer zu schöpfen. Für die ärmsten Familien ließ der Verein daher Tiefbrunnen mit einfachen Handschwengeln bauen. Dännart: "Von sechs in Auftrag gegebenen Brunnen sind vier fertig." Jeder Brunnen hilft nun 120 Bauernfamilien. Mussten die Frauen vorher noch einen halben Tag laufen, um Wasser für die Familie zu holen, liegen heute die Brunnen rund einen Kilometer von jeder Siedlung entfernt.

"Jeder Euro, der über die Indienhilfe den Hilfsprojekten zugutekommt, ist sinnvoll angelegt", versicherte Valentin Hettich nachdem dem Besuch. Jede Investition bringe auf Jahre hin Nutzen für die bedürftigen Kinder, sagte er. "Und die umliegende Bevölkerung profitiert außerdem davon." Als Beispiel nannte er das abgeschlossene Projekt in Veholi. Dort finanzierte die Indienhilfe ein Wasserspeicher, der heute ganzjährig das Zentrum ausreichend mit Wasser versorgt, "und die Bauernfamilien in der Umgebung", ergänzt Inge Dännart. Weiter ging die Reise mit dem Flugzeug nach Shevgaon, rund 320 Kilometer nordöstlich von Mumbai. Im Mädchenheim der Schwestern leben 70 Kinder. Die Helpers of Mary führen zudem in den 80 Dörfern rundherum Frauenprojekte und Sozialarbeit durch. "Und die gut ausgebildeten Schwestern helfen den Frauen bei der Beschaffung von Kleinkrediten", erzählte Hettich. Mit Hilfe der Kleinkredite können die Familien Saatgut, Vieh oder landwirtschaftliche Geräte kaufen und werden dadurch zu Selbstversorger.

Weil das Mädchenheim häufig viele Stunden ohne Strom war, konnte oft kein Grundwasser geschöpft werden. Die Gundelfinger Indienhilfe half 2011 mit einer großen Spende. Damit wurde das Pumpenhaus saniert und mit acht Quadratmeter Solarpaneelen bestückt, die nun Strom für die solarbetriebene Pumpe liefert. "Das alles funktioniert hervorragend", versicherte Inge Dännart. Um die Mädchen mit Obst und Gemüse zu versorgen, wurde ein Regenwasserspeicher-Projekt in Auftrag gegeben. "Das Regenwasser von den Dächern der Kinderhäuser wird nun in ein Becken geleitet, mit dem die Felder bewässert werden." Für die Warmwasseraufbereitung sollen noch Solarzellen gekauft werden, denn das rare Holz ist fast unbezahlbar. Außerdem möchte sich der Verein noch am Neubau von drei Toiletten in der Einrichtung beteiligen.

Besichtigt hat die Gruppe auch das Slumzentrum Malwani. Der Schulbetrieb für 270 Kinder, die Nähmaschinenkurse samt einer Nähmaschine als Startkapital wird vom Gundelfinger Verein finanziert. Dank einer aktuellen Spende der Freien Christlichen Schule Unteres Remstal, Weinstadt, wurde nun für alle Kinder Obst eingekauft. Eine weitere Schulspende der Lortzingschule Freiburg wurde in 300 Metalleimern für arme Familien umgesetzt. In dem Slum leben rund 400 000 Einwohner, 20 000 davon stehen unter der Obhut der Schwestern.

Ein besonderes Vergnügen war es für Valentin Hettich, die von der Raiffeisenbank Gundelfingen gespendete Büffelkuh mit Kälbchen im Kinderdorf "Naya Jeevan" zu übergeben. "In jeder Einrichtung habe ich aufrichtige und ehrgeizige Schwestern erlebt, die sich konsequent für die Umsetzung der Projekte einsetzen, zum Wohle der bedürftigen Kinder und Familien", bekräftigt Valentin Hettich.

Er und die Mitreisenden haben in Indien mehrere Tausend Fotos gemacht. Die Besten davon sollen am 27. April in den neuen Räumen der Raiffeisenbank in Form eines Lichtbildvortrags gezeigt werden.

Weitere Informationen gibt es unter http://www.indienhilfe-wasser-ist-leben.de oder bei der Vorsitzenden Gerda Geretschläger unter Tel. 0761/52406.