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02. August 2012

20 Kilo Gepäck für ein Jahr

Katharina Demandt absolviert zwölf Monate lang in Costa Rica ihren Freiwilligendienst.

  1. Nach ihrem Abitur wird Katharina Demandt aus Rotzingen ab August für ein Jahr mit Behinderten in Costa Rica arbeiten Foto: Karin Stöckl-Steinebrunner

GÖRWIHL. Gerade noch hat Katharina Demandt die Schulbank gedrückt, hat ihr Abitur am Scheffelgymnasium in Bad Säckingen abgelegt und sich mit mehreren Auftritten auch musikalisch von ihrer Schulzeit verabschiedet. Nun wird sie am 10. August für ein Jahr ihren Freiwilligendienst in Costa Rica antreten und damit abrupt eine neue Lebensphase beginnen.

"Eigentlich hatte ich zunächst an die Arbeit in einer kulturellen Einrichtung oder an einer Musikschule in Peru gedacht", erzählt die junge Frau. Eine solche Stelle war indes nicht zu bekommen, und so entschied sie sich für die Arbeit in einem Behindertenheim in Alajuela. Das Heim wird von katholischen Schwestern geführt und bietet rund 100 Personen ein neues Zuhause, die in ihren Familien nicht die nötige Pflege haben erhalten können.

Die Idee, nach Lateinamerika zu gehen, hatte Katharina Demandt schon 2010 gefasst, als sie im Rahmen eines Schüleraustausches für drei Monate in Kolumbien war. Seither ist ihr Interesse an interkulturellen Begegnungen einerseits, an entwicklungspolitischer Arbeit gewachsen. Da lag der Entschluss für sie nahe, sich für den Freiwilligendienst in Lateinamerika zu bewerben. Bei der Entscheidung für die Behinderteneinrichtung half ihr die Tatsache, dass sie selbst einen behinderten Onkel hat.

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Das Programm, in dessen Rahmen Katharina Demandt ihren Freiwilligendienst absolvieren wird, trägt den Namen "weltwärts" und wird gefördert vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und organisiert und vermittelt durch die Arbeitsstelle Frieden der Evangelischen Landeskirche Baden. "Ich hatte fünf Jahre Spanisch in der Schule, bin also zumindest in diesem Punkt schon recht gut vorbereitet", sagt Katharina Demandt. Zudem wird es zu Beginn ihres Aufenthaltes in Nicaragua einen dreiwöchigen Sprachkurs geben, der die Freiwilligen gleichzeitig auf Land und Leute einstimmen soll.

"Costa Rica ist die Schweiz Lateinamerikas", veranschaulicht die junge Frau die Situation vor Ort. Im Vergleich mit Nicaragua sei der Lebensstandard höher, die Kriminalitätsrate wesentlich geringer. Sie freut sich auf die Stadt im Zentrum des Landes, die auch kulturell viel zu bieten hat und die sie an ihren freien Wochenenden und in den 26 Urlaubstagen erkunden will. Ein wenig Kopfzerbrechen macht ihr, dass sie mit einem Gepäckstück à 20 Kilo auskommen muss. "Das ist für ein Jahr nicht gerade viel. In Kolumbien hatte ich für drei Monate zwei Koffer dabei und die bei dem feuchtwarmen Klima auch gebraucht."

In Costa Rica selbst wird die junge Rotzingerin zusammen mit zwei gleichaltrigen Kolleginnen aus Stuttgart und Böblingen in einer Wohngemeinschaft leben. Beide hat sie in einem Vorbereitungsseminar im April kennengelernt. Von ehemaligen Freiwilligen weiß sie, dass die Schwestern des Behindertenheims – größtenteils Einheimische – gerne bereit sind, auf Wünsche, Bedürfnisse und Anregungen der jungen Helfer aus Deutschland einzugehen. Kontakt mit der Heimat wird Katharina Demandt schon allein aufgrund der Berichte halten, die sie an die Landeskirche schreiben soll. Auch den Lesern der BZ wird sie von ihren Erlebnissen in Costa Rica berichten. Daneben hat sie geplant, regelmäßige Rundmails an Freunde und Familie zu schicken – und an ihre Sponsoren. Dieser Freiwilligendienst beinhaltet nämlich, dass sich jeder selbst Förderer sucht, die den nicht über die beteiligten Organisationen abgedeckten Betrag von 1800 Euro übernehmen. "Ein Freundeskreis der Partnerstadt von Alajuela hat schon gespendet, weitere mögliche Sponsoren habe ich angeschrieben", erklärt Katharina Demand.

Wer Katharina Demandt finanziell unterstützen will, kann das über das Spendenkonto der Evangelischen Landeskirche,
Kto-Nr. 0500011, BLZ 52060410, Verwendungszweck: "Freiwilligendienst Katharina Demandt" tun.

Informationen zum Programm gibt es http://www.weltwärts.de

Autor: Karin Steinebrunner