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02. Januar 2016 10:32 Uhr

Kernkraft

AKW Beznau: Greenpeace moniert Widersprüche

Das Atomkraftwerk ist das älteste kommerziell betriebene der Welt. Im Juli wurden rund 1000 Haarrisse im Druckbehälter entdeckt. Aber wie gefährlich sind die Schwachstellen wirklich?

  1. Schon 2014 protestierte Greenpeace am AKW Beznau. Foto: Christian Schmutz

  2. Das AKW Beznau. Foto: AXPO

Greenpeace kritisiert die Wiederinbetriebnahme von Block 2 des Akw Beznau. Die Organisation rügt "widersprüchliches Verhalten", da Materialfehler anders bewertet würden, als im Block 1. Dass der Axpo-Konzern, der 700 Millionen Franken in die Nachrüstung des bei Waldshut-Tiengen auf einer Aare-Insel liegenden Akw investiert, als Betreiber Interesse hat, die Ausfälle gering zu halten, scheint klar. Aber auch da ergänzt Greenpeace das Bild: Eine Studie kam zuletzt jedenfalls zum Schluss, dass Beznau große finanzielle Risiken für Axpo berge.

Das älteste AKW der Welt

Block 1 ist das älteste kommerziell betriebene Akw der Welt, seit 1969 in Betrieb und steht seit März 2015 still. Im Juli wurden bei der Revision dann rund 1000 Haarrisse im Reaktordruckbehälter geortet; Axpo bezeichnete diese in einer Ende November veröffentlichten Roadmap zur Wiederinbetriebnahme zuletzt als "Unregelmäßigkeiten" und "kleinste Einschlüsse, die nach bisherigem Erkenntnisstand bei der Herstellung der geschmiedeten Ringe entstanden sind". Mit einem Wiederanfahren des Blocks sei gleichwohl nicht vor Juli 2016 zu rechnen.

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Block 2 ging 1971 in Betrieb und war im August zur Nachrüstung – unter anderem gibt’s einen neuen Reaktordeckel – und der Revision abgestellt worden. Bei den Schalluntersuchungen wurden dabei – ähnlich wie im Block 1 – Materialfehler im Druckbehälter festgestellt, allerdings in geringerem Maß als in diesem. Der Axpo-Konzern sprach denn auch schon im November von nur mehr "vereinzelten kleinsten Anzeigen" und hält in der Mitteilung, in der am 23. Dezember die Wiederinbetriebnahme des Blocks kommuniziert wurde, fest, dass die "Messungen keine auffälligen Anzeigen" ergeben hätten.

Greenpeace kann Unbedenklichkeit nicht nachvollziehen

Greenpeace dagegen moniert, dass die "Anzeigen im Herzstück der Anlage" nicht genau geprüft worden seien. Insofern zeuge die Wiederinbetriebnahme "von sehr widersprüchlichem Verhalten". Es sei "nicht nachvollziehbar", weshalb Axpo und die Schweizer Atomaufsichtsbehörde Ensi zu dem Schluss gekommen seien, diese Materialfehler seien unbedenklich, während der Prüfprozess für den Block 1 frühestens im Juli abgeschlossen sei. "Was in Beznau 1 zu langwierigen Untersuchungen führt, wird in Beznau 2 toleriert. Hier herrscht Erklärungsnotstand", sagt Florian Kasser, Atomexperte von Greenpeace Schweiz.

Zwar sei die Zahl der identifizierten "Schwachstellen" mit 77 deutlich geringer als in Block 1. Doch die Zahl könne nicht der einzige Indikator für den Zustand des Druckbehälters sein. Auch ein einziger Materialfehler könne die Widerstandsfähigkeit dieser Komponente schwächen. Zudem könne Axpo weder befriedigend erklären, woher die Schwachstellen kämen, noch beweisen, dass diese im Betrieb nicht wüchsen. "Ohne Antworten auf diese Fragen hätte Beznau 2 auf keinen Fall wieder ans Netz dürfen", befindet Greenpeace. "Angesichts der Bedeutung des Druckbehälters für die Sicherheit ist die Wiederinbetriebnahme leichtsinnig", sagt Florian Kasser.

Ein großes finanzielles Risiko

Klar ist zumindest, dass der Konzern, der diversen Schweizer Kantonen, nicht zuletzt Zürich und dem Aargau gehört, finanziell unter Druck steht – gerade auch wegen der Atomkraft. Aus Sicht von Greenpeace jedenfalls ist Beznau "ein großes finanzielles Risiko". Das zumindest leitet die Organisation aus einer Studie ab, die die Finanzlage und die Perspektiven des Konzerns untersucht hat. Auf der Basis forderte sie anlässlich der Axpo-Jahresergebnisse im Dezember die Regierungsräte im Verwaltungsrat denn auch auf, die ökonomischen Risikoanalysen des Konzerns offenzulegen. "Ein Weiterbetrieb von Beznau kann Axpo zu Fall bringen", begründete Greenpeace das.

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Autor: bz