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17. November 2012 01:04 Uhr

Schwarzwald-Baar-Kreis

Niederlage für Siegfried Kauder - CDU nominiert Frei

Siegfried Kauder, Bundestagsabgeordneter der CDU im Schwarzwald-Baar-Kreis, hat von seiner Partei eine Abfuhr erhalten. Sie nominierte an seiner Stelle Donaueschingens OB Thorsten Frei für die Bundestagswahl 2013.

  1. Der Donaueschinger Oberbürgermeister Thorsten Frei geht 2013 für die CDU in den Bundestagswahlkampf. Foto: Patrick Seeger

  2. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Siegfried Kauder hat beim Nominierungsparteitag der CDU im Schwarzwald-Baaar-Kreis klar gegen Herausforderer Thorsten Frei verloren. Foto: Patrick Seeger

Siegfried Kauder hat den Kampf verloren. Wenige Tage, bevor er 62 Jahre alt wird, verweigert ihm seine Partei die Gefolgschaft, schlägt ihm im Rennen um eine erneute Kandidatur die Beine weg. Der langjährige CDU-Bundestagsabgeordnete aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis und Bruder von Unionsfraktionschef Volker Kauder darf nicht wieder antreten, seine politische Karriere steht damit vor dem Ende. Zur Bundestagswahl im nächsten Jahr setzt die CDU nach einer monatelangen Schlammschlacht nicht auf ihren Abgeordneten Kauder, sondern auf den jungen Thorsten Frei.

Die Nacht zum Samstag wird für Kauder, seit 2002 im Bundestag und dort Vorsitzender des wichtigen Rechtsausschusses, zur Schicksalsnacht. Seit Monaten liefern sich Kauder und seine Partei Querelen, wie sie beispiellos sind in der CDU. Die Partei ist tief gespalten, Kauder heftig in der Kritik.

In der Stadthalle der Kleinstadt Bräunlingen kommt es am späten Freitagabend zum Duell zwischen Kauder und seinem Widersacher Frei. Der 39 Jahre alte Oberbürgermeister von Donaueschingen und Vize-Chef der Südwest-CDU will Kauders Job. Und die große Mehrheit der Delegierten schlägt sich auf seine Seite. Frei, Hoffnungsträger der Landes-CDU, erhält 68,6 Prozent der Stimmen (502), Kauder nur 31,4 Prozent (230). Frei hat damit das Ticket für Berlin. Die CDU dominiert den Wahlkreis, das Direktmandat ist ihr so gut wie sicher.

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Als das Ergebnis verkündet wird, ist Kauder schon nicht mehr da. Er verlässt den Saal, kurz bevor der Sieg seines Kontrahenten öffentlich wird. Keine Worte mehr an seine Parteifreunde, keine Gratulation dem Nachfolger.

Siegfried Kauder bildet mit seinem Bruder Volker das einzige Geschwisterpaar im Bundestag. Es wird bald getrennt sein. In seinem Wahlkreis war es zuletzt einsam geworden um den Juristen, der im Berliner Politbetrieb Ansehen genießt. Die Basis nimmt ihm so manche Eigenmächtigkeit übel. Die Kritik: Kauder beantworte keine Briefe oder E-Mails, er habe sich mit langjährigen Mitarbeitern überworfen und finde keine Nähe mehr zu Parteifreunden vor Ort.

"Thorsten Frei ist ein großes politisches Talent." Erwin Teufel
In Bräunlingen versucht es Kauder zum letzten Mal. Er räumt einzelne Fehler ein, sieht sich in der Bilanz jedoch als guten Abgeordneten. Seinen Widersacher erwähnt er mit keinem Wort - auch wenn er Giftpfeile schießt. Im Gegensatz zu anderen sei er nicht "stromlinienförmig" und rede "niemandem nach dem Mund", sagt Kauder, ohne Frei namentlich zu nennen. Auch dieser hält es so. In Freis Rede fällt der Name Kauder kein einziges Mal.
Im Publikum sitzt Erwin Teufel. Baden-Württembergs früherer CDU-Ministerpräsident ist mit dem Versuch gescheitert, zwischen den verfeindeten Gruppen zu vermitteln. Nun gehe es um Geschlossenheit, sagt der 73-Jährige, der die Region 34 Jahre im Landtag vertreten hat. "Thorsten Frei ist ein großes politisches Talent", sagt Teufel. "Wir sollten nun aber nicht den Fehler machen, die Leistungen des Abgeordneten Kauder im Nachhinein kleinzureden."

Frei ist von der großen Mehrheit, die er geholt hat, überrascht. Bis zur Wahl im Herbst 2013 möchte er Oberbürgermeister bleiben, den Posten als Landes-Vize seiner Partei will er auch als Abgeordneter behalten. Mit Freis Gang nach Berlin geht der Südwest-CDU, die Wahlniederlagen verschmerzen muss und nur wenig Spitzenpersonal aufweisen kann, eine Führungsreserve verloren. Die Landtagswahl 2015 sei für ihn mit Blick auf die eigene Karriere kein Thema, sagt Frei.

Kauder spielt in den Planungen der Partei keine Rolle mehr. Sie sucht nun einen neuen Kreisvorsitzenden. Den Posten, den Kauder seit 1993 inne hat, möchte Frei nicht. Er sieht sich als Teamspieler. Mit einer erneuten Kandidatur Kauders wird nicht gerechnet.

Dieser hatte sich im Vorfeld über "Rufmord" und "Polit-Mobbing" beklagt. "Wunden verheilen nicht von heute auf morgen", hatte er den Delegierten in seiner Rede mit auf den Weg gegeben - bevor diese ihren Abgeordneten abwählten.

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Autor: dpa