"Für Kinder hat diese Art von Schule etwas Heimeliges"

Verena Wehrle

Von Verena Wehrle

Mi, 25. April 2018

Aitern

BZ-INTERVIEW mit Schulleiterin Julia Beyer über die Besonderheiten, die Vorzüge und die Zukunftsaussichten des Bildungshauses 3-10 in Aitern.

AITERN. Seit diesem Schuljahr leitet Julia Beyer das Bildungshaus 3-10 kommissarisch. In einem Bildungshaus besuchen Kinder im Alter von 3 bis 10 Jahren Kindergarten und die Grundschule. Verena Wehrle fragte Beyer nach der Zukunft der Einrichtung.

BZ: Wo gibt es Berührungspunkte bei Kindergarten und Grundschule?

Beyer: Montagmorgens haben wir den gemeinsamen Morgenkreis, freitags den gemeinsamen Abschlusskreis. Einmal in der Woche liest ein Schulkind im Kindergarten vor. Wir haben gemeinsame Projekttage wie in diesem Schuljahr die Oster-Olympiade und feiern die Feste gemeinsam wie St. Martin, Nikolaus oder unser Frühlingsfest, das am 6. Mai stattfindet. Auch Ausflüge machen wir gemeinsam. Wir Lehrer sind im ständigen Austausch mit den Erziehern des Kindergartens und haben Team-Sitzungen.

BZ: Was ist der Vorteil eines Bildungshauses?

Beyer: Wir bieten einen fließenden Übergang vom Kindergarten in die Schule. Wir können schon sehr früh den Förderbedarf der Kinder erkennen. Auch die Kooperation im letzten Jahr vor Schulbeginn ist viel intensiver. Ich nenne das Leben und Lernen, denn wir können individuell auf die Kinder eingehen. In unserer kleinen Schule ist alles viel persönlicher. Wir kennen die Kinder sehr gut, weil wir sie so lange begleiten. Für Kinder hat diese Art von Schule etwas Heimeliges.

BZ: In der Schule sind 24 Kinder. Sie unterrichten alle Jahrgänge in einer Klasse in einem Raum. Wie funktioniert das?

Beyer: So zu unterrichten ist jeden Tag eine neue Herausforderung. Es gibt dafür zwei Varianten. Zum einen gibt es ein bestimmtes Thema, das dann jeder Jahrgang altersgerecht bearbeitet. Wo das nicht geht, bekommt jedes Kind einen Wochenplan, den es erledigen muss. Allerdings gibt es kein Lehrwerk für Familienklassen. Dieses jahrgangsübergreifende Lernen ist aber auch eine Chance für die Kinder. Es hat Vorteile, nicht nur in die "Schublade" des Schuljahrs gesteckt zu werden, sondern auch über den Tellerrand hinaus schauen zu können. Man kann mit dem Lernen variieren, je nach Stand des Kindes. Allerdings bedeutet dies für mich eine wahnsinnige Logistik, wenn ich einem Jahrgang etwas erklären muss und die anderen Jahrgänge währenddessen beschäftigt werden sollen.

BZ: Kleine Schulen waren schon mehrmals in der Gefahr, geschlossen zu werden. Wie ist die Situation in Aitern?

Beyer: Als ich 2009 an die Schule kam, waren es lange Zeit nur 16 Kinder, die Mindestzahl. Heute sind es 24. Wir haben uns vor acht Jahren als Bildungshaus beworben, weil wir als kleine Schule in Gefahr waren. Das Modell Bildungshaus wurde auf zehn Jahre ausgelegt, und so waren wir für diese Zeit gesichert. Heute sind Bildungshäuser ein Erfolgsmodell, welches aufgrund der vielen positiven Aspekte verlängert wurde. Wir werden also weiter vom Land unterstützt. Unsere Zukunft ist gesichert.

Julia Beyer (50) kam 2009 ans Bildungshaus. Die Lehrerin wohnt in Steinen und hat drei Kinder.