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03. Juni 2013

"An einem verkehrten Ort"

Blues-Professor Wale Linger kommt beim Café-Publikum an.

  1. Begeistert das Publikum: Wale Linger im Café Foto: Timo Jehle

MURG-OBERHOF. Wale Linger ist auf den Spuren des urtümlichen Blues. Im Oberhofer Café Verkehrt begeisterte der Berner, der seit mehr als 30 Jahren in den USA lebt, solo mit Gitarre und "Schnurregiige" und seinem Südstaaten-Blues das Publikum. Die erzählten und gesungenen Geschichten des Professors für Musik und Geschichte an der Universität von South Carolina sind mit viel Herzblut getränkt.

Das Konzert eröffnet der Musiker mit einem Mundharmonika-Solo, in das er "Muss i denn zum Städtele hinaus" und "Im Aargau sind zwöi Liebi" einbaut. "Heute kreuze ich Schweizer und deutsche Lieder, das geht normalerweise gar nicht. Aber hier geht, was sonst nicht geht, schließlich sind wir an einem verkehrten Ort", witzelt der Wahl-Amerikaner. Die gut 50 Gäste waren bereits nach dem ersten Solo begeistert.

Der ursprüngliche Sekundarlehrer wanderte 1982 in den amerikanischen Süden aus und begann dort, an der Universität von Mississippi, mit seiner Forschungsarbeit und begegnete auch tatsächlichen Bluesmen und Blueswomen wie Etta Baker oder James Son Thomas.

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Der "Blues-Professor" spielte nicht nur seine Lieder im Café. Mit den Geschichten, die er erzählt, begeistert er ebenso. Es wird aber klar, dass Blues immer eine persönliche Komponente erhält. "Das fällt mir nicht immer einfach. Um es mit den Worten von Mani Matter auszurücken: Ich ha Hemmige", stellt Linger fest. Mit einer Geschichte beschreibt er, wie er sich fühlte, als er nach Jahren wieder in seine Berner Heimat kam. Er suchte vertraute Anker seines Lebens, wie etwa die Löcher im Boden, wo er mit Freunden Murmel spielte, oder den alten Lindenbaum in seiner Straße. "Alles veränderte sich. Der Baum wurde gefällt, die Löcher in der Straße zugeteert." Daraufhin textete er das Lied " Things have changed".

Blues ist nichts für ein Massenkonzert, sondern für einen kleinen familiären Rahmen. Linger lobt die Atmosphäre des Cafés. Er zeigt keine Berührungsängste und liebt den Kontakt zum Publikum. Auf der Bühne wie auch in der Pause.

Das Publikum war von diesem Abend durchweg begeistert und zollte dem Profi-Musiker viel Applaus. Dieser Auftritt komplettierte die Frühjahrssaison 2013 der Hotzenwälder Kleinkunstbühne im Café Verkehrt.

Autor: Timo Jehle