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28. Juli 2010 17:57 Uhr

Kappel

Angriff auf Familienvater: Jugendgericht verurteilt Schläger-Quartett

Dieser Fall hat für Aufsehen gesorgt: Ende 2009 verprügelte ein Schläger-Quartett in Kappel einen Familienvater – der einem 16-jährigen Jungen helfen wollte. Jetzt wurden die Angreifer verurteilt. "Verhältnismäßig milde", sagt das Opfer.

  1. Als das Opfer schon am Boden lag – traten sie weiter auf ihn ein. Foto: dpa

Vier 15 und 16 Jahre alte Schläger attackierten kurz vor Silvester 2009 an einer Bushaltestelle in Kappel einen 16-Jährigen. Sie verletzten ihn ebenso schwer wie einen 31 Jahre alten Familienvater, der dem Opfer zur Seite sprang. Jetzt sind drei der Täter wegen gefährlicher Körperverletzung zu Jugendarrest verurteilt worden, der vierte erhielt eine Jugendstrafe.

Die Jugendkammer stellte ausdrücklich fest, dass für die Opfer während des Angriffs akute Lebensgefahr bestanden habe – weil einer der Täter ihnen mit einem Stein auf den Hinterkopf schlug.

Weitere Straftaten erwartbar

Der nichtöffentliche Prozess hat vor der Jugendkammer des Amtsgerichtes stattgefunden, das Urteil ist mittlerweile rechtskräftig. Der Angreifer, der während der Auseinandersetzung mit einem Stein die Opfer traktierte, erhielt einen Jugendarrest von vier Wochen, berichtet Richter Eugen Endress, Pressesprecher des Amtsgerichtes. Zwei weitere Täter wurden zu einem Arrest von zwei Wochen verurteilt. Diese drei jungen Männer hatten die Taten eingeräumt.

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Der vierte Angeklagte war dagegen nicht geständig. Er erhielt eine Jugendstrafe von sechs Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Das Verhängen der Jugendstrafe begründete das Gericht mit "schädliche Neigungen", die bei dem Angeklagten festgestellt wurden. Das sind Defizite, die durch Mängel in der Charakterbildung oder in der Erziehung entstanden sind und weitere Straftaten erwarten lassen.

Alle Täter müssen zudem 30 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und je 75 Euro an ihre Opfer zahlen. Weil die vier Jugendlichen während der Tat betrunken waren, erließ die Kammer zudem die Auflage, dass sie acht Monate nicht unter Alkoholeinfluss in der Öffentlichkeit angetroffen werden dürfen. Einer der vier Männer wurde zudem wegen Nötigung verurteilt. Er hatte seinen Opfern gedroht, er würde sie aufschlitzen, falls sie sich an die Polizei wenden würden.

Familienvater hilft mutig

Die vier Angeklagten waren, was Straftaten anbelangt, keine unbeschriebenen Blätter – waren jedoch bisher nur durch kleine Diebstähle aufgefallen. Der nächtliche Vorfall am 29. Dezember war da aber von einem anderen Kaliber: Begonnen hatte der Streit in einer Straßenbahn der Linie 1, als die vier jungen Männer offenbar grundlos einen 16 Jahre alten Jungen attackierten. Die Angriffe setzten sich später im Linienbus fort und eskalierten an der Bushaltestelle Peterbergstraße, wo alle Beteiligten ausgestiegen waren. Dort sprang mutig der 31 Jahre alte Familienvater Timo Kröger dem 16-Jährigen, einen Bekannten von ihm, zur Seite.

Die Täter hatte den Jungen malträtiert und ihn mit Faustschlägen im Gesicht verletzt. Als der Familienvater eingriff, stürzten sich die Angreifer auf ihn und ließen von ihrem ursprünglichen Opfer ab. Auch Kröger bekam Faustschläge ins Gesicht. Nach dem Schlag mit dem Stein verlor der 31-Jährige kurz das Bewusstsein. Die Täter traten noch auf ihn ein, als er schon hilflos am Boden lag. Wie sein jugendlicher Bekannter erlitt er eine blutende Platzwunde am Kopf. Bis heute plagt Timo Kröger eine Verletzung am Fuß als Folge der wüsten Attacken.

Auszeichnung für Kröger

Im Prozess sagte er als Zeuge aus. "Das Urteil ist verhältnismäßig milde, ich hoffe sie lernen etwas daraus", meinte er am Mittwoch. Im Zuge des Täter-Opfer-Ausgleichs kam es zum Gespräch mit drei der Angreifer. Die Drei hätten sich einsichtig gezeigt – allerdings könne er nicht einschätzen, ob diese Einsicht echt, oder ob es dem Trio nur um den strafmildernden Aspekt gegangen sei, so Timo Kröger.

Wenige Tage nach der Tat war der 31-jährige Koch für seine Zivilcourage von Oberbürgermeister Dieter Salomon mit der Ehrenmedaille der Stadt ausgezeichnet worden. Er soll demnächst auch mit der Lebensrettermedaille des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet werden – was ihm fast ein wenig peinlich ist: "So viel Trubel hätte nicht sein müssen".

Eines hatte er jedoch schon kurz nach der Tat gesagt: Trotz der erlittenen schmerzhaften Verletzungen würde er einem anderen Menschen in Not jederzeit wieder helfen.

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Autor: Joachim Röderer