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14. März 2009

Die Schüler vermissen ihr buntes Klassenzimmer

Der Unterrichtsalltag nach dem Brand in der Hexentalschule im Haus der Vereine / Technikunterricht der besonderen Art

  1. In ihrem „neuen Klassenzimmer“ tragen die Siebtklässler Hausschuhe. Foto: Tanja Bury

MERZHAUSEN (tab). Stiefel, Turnschuhe und Ballerinas stehen vor der Tür. Wenn die Siebtklässler der Hexentalschule ihr neues Klassenzimmer, den Proberaum des Merzhauser Chores "Chorioso" im Haus der Vereine betreten, ziehen sie ihre Straßenschuhe aus und Hausschuhe an. Nach dem Brand in der Schule sind alle Hauptschüler im ehemaligen Casinogebäude, in verschiedenen Vereinsräumen untergebracht. "Wir sind froh und dankbar, dass wir hier eine Bleibe gefunden haben", sagt Klassenlehrerin Imke Heidegger. Aber ihre Schüler und sie vermissen ihr Klassenzimmer.

Man spüre, dass sich der Chor bei der Gestaltung des Raumes viel Mühe gegeben habe. "Dem wollen wir Rechnung tragen und ziehen deshalb auch die Hausschuhe an", so Heidegger weiter. Der lange Raum im Obergeschoss des Gebäudes ist aufgeteilt: Im hinteren Bereich stehen das Klavier und die Stühle der Sänger, im vorderen Teil ist vormittags die Schulklasse zu Hause. Wenn mittwochs der Chor probt, müssen die Schüler umbauen: "Dann sind hier 60 Sänger drin und brauchen den Platz." Seit ein paar Tagen haben die Schüler eine kleine Tafel, auf der Imke Heidegger aber nur das nötigste anschreiben kann. Zu kahl findet Madeleine den Raum: "Da ist nichts aufgehängt oder so." Kurz vor dem Brand hatten sie und ihre Klassenkameraden ihr Zimmer in der Hexentalschule besonders schön gestaltet. "Mit vielen Plakaten und Bildern. Das wird jetzt alles runtergerissen", sagt Imke Heidegger. Nur ein Bild in einem Glasrahmen kann gerettet werden. Es zeigt die Klasse bei einem Projekttag. Die Wände im Chorraum sind weiß und sauber. "Es ist nicht immer einfach, dass das auch so bleibt. Kinder haben nun mal einen Bewegungsdrang", sagt die Lehrerin.

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Den können sie nun auch in der Pause nicht ausleben. Rund um das Haus der Vereine ist Morast, da kann man nicht toben. "Wir unternehmen nun jeden Vormittag einen kleinen Spaziergang", berichtet Heidegger. Weder sie noch die Schüler können sich zurückziehen, "wir sind den ganzen Vormittag eng zusammen." Doch das habe gerade jetzt, nach dem Amoklauf in Winnenden, etwas Positives: "So bekommen ich alles mit, kann jederzeit auf Fragen eingehen."

Imke Heidegger ist die Werklehrerin der Hexentalschule. Der Werkraum ist nach dem Brand stark beschädigt, an Werkunterricht in der Übergangsbleibe nicht zu denken. Da hatte Referendar Peter Rath eine Idee: "Wir machen den Unterricht im Fach Wirtschaft-Arbeiten-Gesundheit jetzt außer Haus." Diese Woche waren die Schüler schon im Altersheim Erlenhof, nächste Woche geht’s ins Schluchseewerk in den Hochschwarzwald. Probleme gab es, so Heidegger, zunächst mit der Projektprüfung der Neuntklässler: "Viele von ihnen haben technische Themen gewählt. Dafür wollten sie im Werkraum Modelle bauen." Das ist nun nicht möglich. Doch auch hier wurde eine unbürokratische Lösung gefunden: "Wir dürfen den Werkraum der Jengerschule in Ehrenkirchen benutzen. Dafür und für die anderen Hilfen sind wir sehr dankbar."

Autor: tab