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06. Mai 2017

Aufbruch zur Reise ohne festes Ziel

Arbeiten von Marlis Schill sind zurzeit im Gundelfinger Rathausfoyer zu sehen.

  1. Marlis Schill Foto: Andrea Steinhart

GUNDELFINGEN. Zu einem neuen Dialog zwischen Betrachter und Kunstwerk lädt der Kunstverein Gundelfingen derzeit ins Foyer des Gundelfinger Rathauses ein. Dort zeigt die Künstlerin Marlis Schill aus Möhringen abstrakte Acrylmalerei, Holzschnitte und Radierungen. Die Ausstellung ist bis zum 7. Juni zu sehen.

Noch bevor die Vorsitzende des Kunstvereins, Ulrike Bach, zur feierlichen Eröffnung der Ausstellung schritt, konnten die Vernissage-Besucher ihrer Neugier nicht widerstehen. Sie holten sich einen ersten Eindruck von den Bildern. Die Künstlerin stellt ihre Werke zwar in verschiedenen Techniken her, aber Motive, Schwingungen und Farbgebungen kehren immer wieder zurück. "Sie beschäftigt sich von Anbeginn ihrer künstlerischen Arbeit mit Bäumen und Schiffen", verdeutlichte Peter Schmidt, ihr Ehemann, der die Werke einer interpretatorische Analyse unterzog. Für die Künstlerin sind es Metaphern, es geht um Verwurzelung und Aufbruch. Die Motive tauchen in einigen der ausgestellten Werke auf, die gemalt, radiert oder in Holzschnitttechnik entstanden sind.

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"Die drei verschiedenen Arbeitsweisen verlangen jeweils eine andere Herangehensweise, die schon mit dem Untergrund der Bilder beginnt", erläuterte Schmidt. Bei Werken mit Acrylfarben trägt die Künstlerin beliebig viele Farbschichten auf eine Leinwand auf, kratzt oder schleift wieder ab, wodurch eine unkalkulierbare, aber reizvolle Tiefe und eine Durchscheinkraft entstehen. Bei den Holzschnittarbeiten, einer kraftvollen Auseinandersetzung mit dem Material, lässt sie ein Muster durch Schnitte und Einkerbungen entstehen. Für ihre Radierung nimmt Schill eine Kupferplatte, die sie mit Kaltnadel und Stichel bearbeitet oder mit säurefesten Lacken schützt, bevor sie in einem Säurebad geätzt werden. Die Besonderheit des Druckverfahrens verlangt ein spiegelverkehrtes Arbeiten. Es muss dabei immer um die Ecke gedacht werden.

Die Bilder von Schill tragen Titel wie "Oberlausitz" oder "Eisernes Tor" und sind zumeist in schwarz-grauen und braunen Tönen gehalten. Die Bilder sind nicht entstanden, weil sich die Künstlerin fest vorgenommen hatte, diese Motive zu malen – vielmehr sind sie einfach auf der Bildfläche aufgetaucht, verdeutlichte ihr Mann, der sich ebenfalls der Kunst verschrieben hat. Marlis Schill selbst sagte: "Die Arbeit an jedem Bild ist wie der Aufbruch zu einer neuen Reise, zunächst ohne festes Ziel. Je weiter ich fortschreite, desto zwingender werden die folgenden Schritte, umso klarer tritt das Ziel zutage." Marlis Schill studierte Amerikanistik und Romanistik und entdeckte erst im Jahr 2005 die Acrylmalerei für sich. Seit 2007 stellt sie ihre Arbeiten deutschlandweit aus.

Die Ausstellung im Rathausfoyer in Gundelfingen ist zu besichtigen von Montag bis Freitag von 7.30 bis 12.30 Uhr sowie Montag von 14 bis 17 Uhr und Mittwoch, 14 bis 18 Uhr. Weitere Informationen zur Künstlerin unter http://www.marlisgschill.de.

Autor: Andrea Steinhart