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28. Oktober 2015 18:56 Uhr

Grosseinsatz der Polizei in Erstaufnahmestelle

Aufruhr in Unterkunft: Mehrere hundert Flüchtlinge protestieren in Freiburg

Aufgeheizte Stimmung in der Freiburger Erstaufnahmestelle (EA): mehrere hundert Flüchtlinge haben für bessere Lebensbedingungen demonstriert. Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot aus, um die Lage zu beruhigen.

  1. Etwa 100 syrische Flüchtlinge demonstrieren in der Freiburger Erstaufnahmestelle (EA) Foto: privat

  2. Etwa 100 syrische Flüchtlinge demonstrieren in der Freiburger Erstaufnahmestelle (EA) Foto: privat

  3. Etwa 100 syrische Flüchtlinge demonstrieren in der Freiburger Erstaufnahmestelle (EA) Foto: privat

Die Protestaktion begann gegen 18 Uhr. Mehrere hundert Flüchtlinge, vorwiegend Syrer, aber auch Iraker und Menschen aus Afrika schlossen sich dem Protest an. "Die Stimmung war emotional aufgeheizt", sagt Dirk Klose, Pressesprecher der Freiburger Polizei. Die Gruppe der Demonstrierenden bestand hauptsächlich aus jungen Männern, aber auch ein paar Frauen waren dabei. Der Iraker Haidar Misal sagt: "Wir sind schon zwei Monate hier in der Aufnahmestelle, passiert ist nichts. Papiere haben wir noch keine bekommen." Allein Fingerabdrücke seien von den Flüchtlingen genommen worden.

Der Unmut habe sich gesteigert, als die Asylbewerber von einer Heidelberger Flüchtlingsgruppe erfuhren, dass die Verwaltung in Nordbaden die Asylsuchenden wesentlich schneller registrieren würden: "Innerhalb von 20 Tagen hatte man dort die Anträge komplett bearbeitet."
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Protest gegen mangelnde medizinische Versorgung

Ein anderer Flüchtling beklagte sich über die angeblich schlechte medizinische Versorgung in der Freiburger EA. "Etliche Menschen hier in den Zelten hatten in den vergangenen Tagen eine Grippe. Doch nur ein Arzt kümmerte sich um uns. So geht das nicht!" Ein Mann aus dem Irak zeigte der BZ-Reporterin ein ärztliches Gutachten vom 5. Oktober. Darin diagnostiziert eine Freiburger Ärztin schwere psychische Probleme bei einem Kind und empfiehlt, dieses so schnell wie möglich in einer anderen, kleineren und geschützteren Unterkunft unterzubringen. Das Kind lebe aber immer noch in der EA an der Lörracher Straße.

Kritisiert wurde auch Heimleiter Karl Dorer. Angeblich verspreche er den Flüchtlingen immer wieder die Auszahlung von Bargeld, bislang sei jedoch nichts geschehen.

Polizei mit Großaufgebot

Um 19.20 Uhr formierten sich etwa 50 behelmte Polizisten vor der EA. Im Block marschierten sie zu den Zelten, um die aufgeheizte Stimmung zu beruhigen. Wenig später hielten fünf weitere Einsatzfahrzeuge vor der EA. Einsatzleiter war der Freiburger Polizeichef Gabriel Winterer, ihm zur Seite standen hauptsächlich Polizeibeamten aus Lahr, die eigentlich wegen des Pokalspiels des SCF gegen Augsburg in Freiburg waren. Die Lörracher Straße wurde an der Ecke zur Basler Straße abgesperrt. Drei Bewohner der EA litten wegen der allgemeinen Aufregung unter Kreislaufproblemen, so dass der Notarzt ausrücken musste. Zeugen berichten von einer Frau, die kollabiert war.

Um 20.23 Uhr verließen die meisten Polizisten wieder die Zelte in der Erstaufnahmestelle. "Wir konnten die aufgeheizte Stimmung beruhigen", sagt Polizeisprecher Klose. Auch Angehörige der linken Szene sammelten sich vor der Flüchtlingsunterkunft. "Sie versuchten, zu intervenieren, weil sie davon ausgingen, dass die Polizei ins Demonstrationsrecht der Flüchtlinge eingreift", berichtet Klose. Dies sei aber nicht der Fall gewesen.

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Autor: David Weigend, Annemarie Rösch