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07. Februar 2017

Alten Karten Neuigkeiten entlocken

Gerhard Meier aus Hach hat es zu seinem Hobby gemacht, mit alten Landkarten Geheimnisse zu enträtseln.

  1. Gerhard Meier (rechts) und Friedhelm Groeteke beim Studium alter Landkarten Foto: Dorothee Philipp

AUGGEN-HACH. Alte Landkarten verraten viel. Man muss sie nur aufmerksam studieren. Gerhard Meier aus Hach hat das zu seinem Hobby gemacht. Viele historische Karten hat er aufwändig nachdrucken und zum Teil auch vergrößern lassen, um sie zu Hause in Ruhe zu lesen. "Da gibt es einen Spezialisten in Umkirch, der solche Reproduktionen nach digitalen Vorlagen herstellt", erklärt er im Gespräch mit der BZ. Denn die Originale ruhen in den Archiven, die sie nicht verlassen dürfen. Und immer wieder findet Meier Einzelheiten, die einen spannenden Blick auf historische Details gestatten.

Ausgangspunkt seiner jüngsten Forschungen war die Frage, warum die Hacher Gemarkung einst im Verhältnis zum kleinen Ort eine so große Fläche hatte. Sie reichte nämlich vom heutigen Ortsetter bis hinunter an den Rhein, wobei sie in der Ebene immer breiter wurde, 598 Hektar groß. Von 1767 stammt die letzte Karte, auf der der Hacher Bann in seiner damaligen Größe dargestellt ist. "Ich bin selbst in Hach geboren und lebe mein ganzes Leben seither hier", begründet Meier sein Interesse an der Ortsgeschichte. Seine ersten Recherchen führten ihn zu einem Ritter Hacho, der um 800 herum von Kaiser Karl dem Großen mit dem weitläufigen Grundstück am Fuße der Vorbergzone belehnt wurde und der sich dann dort niederließ. "Hacho erhielt diese Gunst, weil er sich bei den Feldzügen Karls als besonders tapferer Mitkämpfer bewiesen hat", zitiert Meier eine alte Urkunde. Doch der große Kaiser, der als erster abendländischer Herrscher nach dem Zerfall des Römischen Reichs eine neue Zentralmacht in Westeuropa etabliert hatte, ist im Markgräflerland nicht nur in Hach präsent: 790 schon schenkte er dem Kloster Tours das "Gut Steinenstadt". Vielleicht wollte Karls über seinen Gefolgsmann Hacho die Steinenstädter besser kontrollieren? Solche Fragen spornten Meier an, weiter nach Spuren des Karolingers zu suchen. Auffällig sei ja die achteckige Kirche in Ottmarsheim, die als kleineres, aber genaues Abbild des Aachener Kaiserdoms gebaut ist, stellt Meier fest. Hier auf der linksrheinischen Seite konnten schon vor Karl die Merowinger nachgewiesen werden, die im Umfeld der heutigen Abteikirche einen Friedhof angelegt hatten. "Es gab also um 800 so etwas wie ein fränkisches Dreieck im Markgräflerland", folgert Meier.

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Ein Abenteuer sind für ihn auch die Recherchen in den Archiven: "Da muss man ganz genau wissen, was man sucht, sonst ist es hoffnungslos." Aber auch alte Chroniken zieht er als Quellen heran. Was interessierte Karl am Markgräflerland? Er wollte die dort ansässigen Alemannen in Schach halten, vermuten Meier und Friedhelm Groeteke vom Arbeitskreis Archäologie im Müllheimer Museumsverein. "Und es ging auch um den Weinbau, genauer gesagt, um Messwein", ergänzt Groeteke. Denn mit Hilfe seiner Kirchenpolitik und großzügigen Förderung von Klöstern verschaffte Karl seinem wachsenden Reich eine feste Infrastruktur. Und siehe da: Auf den alten Karten rund um Steinenstadt sind haufenweise Reben eingezeichnet. Sogar an den Steilhängen der Riese.

"Wenn man die Pläne anschaut, wird manches deutlicher", sagen beide. Und sie haben die Muße dazu. Vielfach haben ihnen die Historiker vom Landesdenkmalamt bestätigt, dass sie selbst kaum Zeit dafür haben, mit der Lupe auf den alten Landkarten herumzureisen. Dazu kommt, dass Meier als Einheimischer eine viel genauere Ortskenntnis besitzt und die heutigen mit den damaligen Verhältnissen besser vergleichen kann.

Bei der Beschäftigung mit der Familie von Ritter Hacho fand Meier heraus, dass ein Johannes von Hach nach Neuenburg gezogen ist. Er müsse wohl ein prominenter Mann damals gewesen sein, denn seine Unterschrift findet sich auf einer Urkunde vom 20. Juli 1332, wo er einen Streit geschlichtet hatte. Nach seinem Wegzug verkaufte seine Tochter – Söhne hatte er wohl nicht – einen Großteil des Besitzes.

Die Familie Hach findet sich später in Lübeck wieder, wo sie etliche prominente Persönlichkeiten hervorgebracht hat wie den Juristen und Diplomaten Johann Friedrich Hach (1769 - 1851). Dessen Sohn Hermann Wilhelm war Senator in der Hansestadt, sein Enkel der Kunsthistoriker Theodor Hach.

Autor: Dorothee Philipp