Narren boykottieren Rathaus

Volker Münch

Von Volker Münch

Do, 15. Februar 2018

Auggen

Schlawiner legen in Auggen mit der Buuresfasnacht los – und machen einen Bogen um die Verwaltung.

AUGGEN. Achtung: Die Schlawiner sind los! Während andernorts die Fasnacht gerade zu Grabe getragen wurde, schlüpften am gestrigen Mittwoch die Schlawiner zur Buurefasnacht aus ihren Löchern. Anders als in den Vorjahren boykottierten die Auggener Narren das Rathaus, respektive den Bürgermeister. Das sei die Quittung für ein seit langem von Störungen bestimmtes Verhältnis, sagte Oberschlawiner Axel Baßler.

Eine kaputte Toilettentür, oder besser gesagt die Auffassung des Bürgermeisters, welche Kosten von wem zu tragen seien, war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Doch das angespannte Verhältnis zwischen Schlawiner und Bürgermeister scheint schon viele Jahre von Störungen beeinflusst zu sein – sagte der Oberschlawiner und grinste. Der Laune des Schlawinerrates und der Narrengruppen Schoppenglasschlotzer und Rebchnurre scheint dies kein Abbruch zutun. Sie trafen sich am Dorfbrunnen in unmittelbarer Nachbarschaft, beobachteten das Rathaus und stellten fest, dass immer noch keine Narrenfahne aufgezogen wurde.

Welche Gewalt die Schlawiner im Dorf haben, zeigte der Verkauf der Karten für die beiden Schlawinerabende. Und sie sind charmant: Sie verteilten an vorbeikommende Passanten und an weibliche Hästräger Pralinen, Blümchen und Schokoherzen. Immerhin fiel in diesem Jahr der Valentinstag mit dem Fasnachtsauftakt am Aschermittwoch zusammen. Weil sich die Schlawiner um die Sicherheit der Rathausmitarbeiter sorgten – aufgebrachte Bürger könnten an diesem Tag ihren Unmut über die Arbeit der Gemeindemitarbeiter kund tun, wurde der Eingang vorläufig mit Absperrbänder gesperrt. Dann das traditionelle Ritual des Ausschellens, also der närrischen Bekanntgabe amtlicher Neuigkeiten. Die Ausschellerin war niemand anders als Ehrenschlawinerin Gerda Reinecker. Sie berichtete von polizeilichen Ermittlungen gegen einige Gardemädchen, die sich bei einem Lebensmitteldiscounter Einkaufswagen ausliehen, um Weingläser aus der Winzergenossenschaft in die Sonnenberghalle zu transportieren. Vorbeifahrende Autofahrer sahen dies und meldeten es der Polizei. Dumm nur: Der vermeintliche Diebstahl löste sich als geschickter Logistikstreich auf. Eine weitere Bekanntgabe der Ausschellerin: Entgegen erster Annahmen waren die Blumenkübel, die als Gastgeschenk aus der Partnergemeinde Châteauneuf-du-Pape kamen, nicht vergiftet gewesen. Dass die Pflanzen darin eingegangen waren, lag daran, dass sie entweder zu wenig oder deutlich zu viel Wasser bekamen. Das lag, so sagte es Gerda Reinecker, an der französischen Bedienungsanleitung, die der Hausmeister der Halle leider wegen fehlender Französisch-Kenntnisse nicht lesen konnte. Und so reihte sich eine Begebenheit an die andere, ließ dabei kein Auge trocken und sorgte für Lacher.

Auch Oberschlawiner Axel Baßler kam darin vor. Er hatte nach der feuchtfröhlichen Nachfeier im Anschluss an eine abendliche Veranstaltung das Auto hinter dem Rathaus stehen gelassen. Als er am Morgen kurz nach 8.30 Uhr sein Auto abholen wollte, hing ein Knöllchen an der Windschutzscheibe, weil er angeblich die Parkzeit überschritten hatte. Wohl dem, der angesichts des angegriffenen Verhältnisses zwischen Bürgermeister und Schlawiner Böses dabei denkt…