Picken und Gackern

Dorothee Philipp

Von Dorothee Philipp

Mi, 29. August 2018

Auggen

Ein Hühnermobil besucht haben Kinder im Rahmen des Auggener Sommerferienprogramms.

AUGGEN-ZIZINGEN. Das Leben auf dem Bauernhof ist bunt und vielseitig. Das konnten die Kinder im Rahmen des Auggener Sommerferienprogramms bei einer Exkursion zum Bauernhof der Familie Rüdlin in Zizingen erleben.

Fünf Buben und ein Mädchen hatten sich in Begleitung von Isabella Giesel vom Auggener Rathaus und einigen Mamis auf den Weg über den Berg gemacht in den kleinsten Teilort der Weinbaugemeinde, der sich in der offenen Talsenke unterhalb des Gemeindewaldes versteckt. Eine besondere Attraktion war das Hühnermobil, in dem 280 Hühner und vier stattliche Hähne leben. Der Auslauf, auf dem sie sich tummeln können, ist eine große Wiese unter Apfelbäumen. Doch an diesem heißen Nachmittag war zunächst vom Federvieh nicht viel zu sehen. Die Hühner hatten sich in den Schatten des Stalls und unter die Bäume zurückgezogen.

Das änderte sich schlagartig, als Bäuerin Ulrike Rüdlin jedem der Kinder einen Eimer mit Körnerfutter in die Hand gab, das auf der Wiese verstreut werden sollte. Aus allen Ecken kamen die Hühner angewuselt, ein lebhaftes Picken und Gackern begann. Was machen die Hähne hier eigentlich? "Die passen auf die Hennen auf", wusste einer der Buben. Und das stimmt auch, bestätigte die Bäuerin. Sie warnen sie zum Beispiel, wenn irgendwo ein Bussard kreist oder sich ein Fuchs anschleichen will. Dann rennen die Hennen schnell ins sichere Versteck. Wie viel Futter aus der Futterbox braucht eine Henne pro Tag? Die Schätzungen der Kinder lagen hier zwischen 80 und 500 Gramm. Eine gute Handvoll, etwa 120 Gramm, verriet die Bäuerin. Da drin seien dann geschrotete Mais- und Getreidekörner, gentechnisch nicht manipulierte Sojabohnen und Mineralstoffe. "Wir mischen das Futter hier auf dem Hof, die meisten Bestandteile erzeugen wir auch selbst", informierte sie die ebenso gespannt zuhörenden Erwachsenen.

Und dann durften die jungen Besucher einen Blick ins "Schlafzimmer" der Hühner werfen: Auf langen Stangen sitzen sie dort aufgereiht, wenn sie abends ins Hühnermobil gehen. Es hat es auch Wasser und einen Pickstein, an dem die Schnäbel gewetzt werden können. Und wo sind die Eier? Jetzt lernten die Kinder, dass ein Huhn als generell ängstliches Tier seine Eier am liebsten in eine dunkle, geschützte Ecke legt. Hier hat das Hühnermobil eine so raffinierte wie einfache Lösung: Ganz hinten, wo das schräge Pultdach auf die Wand des Hühnermobils trifft, hat es einen durch Gummilamellen abgetrennten Durchschlupf in eine lange Rinne, die mit Dinkelspelzen ausgepolstert ist. Und die kann man von außen aufmachen. Da lagen die Eier dann in schönen Nestern, zehn, zwanzig Stück pro Nest und bequem einzusammeln, was sich die Kinder nicht zweimal sagen ließen. Ob ein Huhn auch fliegen kann? Das ließ sich am einfachsten ausprobieren, indem eins der Kinder ein Huhn auf den Arm nahm und es dann in die Luft warf. Das Ergebnis: ein unbeholfenes Flattern im Gleitflug. Na ja. Da reicht das dünne Gewebe des Elektrozauns gut aus, um das Hühnervolk auf der Wiese zu halten.

Alle zwei Wochen wird das Hühnermobil umgestellt, so dass die Wiese gleichmäßig abgenutzt wird, erklärte Ulrike Rüdlin. Die jungen Hähnchen, die auf dem Hof ebenfalls im Freiland aufgezogen werden, hatten sich wegen der Hitze in ihren festen Stall vertrollt. Im Nebenraum konnte man eine Karotten-Waschmaschine bewundern, bevor es weiter zum Hasenfüttern ging. Und dann ab auf die Stroh-Hüpfburg, die Bauer Bernd Rüdlin für die Kinder gebaut hatte. Von den in Stufen aufgeschichteten Ballen dann mit einem großen Satz hinunter ins weiche Strohbett und schnell wieder raufgeklettert und wieder runter und immer höher hinauf – ein köstliches Vergnügen. Und nebenher eine spielerische Lektion zum Unterschied zwischen Heu (getrocknetes Gras) und Stroh (das was beim Mähdrescher hinten rauskommt). Neben Hühnern und Hasen wohnen auch 18 Pferde und Ponys auf dem Hof der Rüdlins. Einige der Ponys durften gestriegelt werden, bevor es zur Stärkung frisch gebackene Pizza gab.