Aus der Wolkenfabrik

Claudia Füßler

Von Claudia Füßler

Sa, 20. Januar 2018

Neues für Kinder

Wer genau hinschaut, entdeckt in der Schneeflocke viele winzige, aneinanderhängende Eiskristalle.

Schnee macht Spaß. Aber was hat es eigentlich mit diesem eiskalten Pulver auf sich? Und warum ist es weiß? Jede Menge Wissenswertes über das, was in dicken Flocken vom Himmel fällt.

Wenn man das wattige Weiß genauer unter die Lupe nimmt, sieht man viele winzige Kristalle. Am besten erkennt ihr das, wenn ihr ein paar Schneeflocken mit dem Handschuh oder dem Jackenärmel erhascht. Dort bleiben die kleinen Kunstwerke lang genug liegen, so dass ihr sie betrachten könnt. Ihr werdet feststellen: Jede Schneeflocke sieht anders aus.

Schuld daran sind die Wolken, aus denen die Schneeflocken entstehen. Jede Wolke ist wie eine kleine Fabrik, die Kristalle herstellt. Wenn es kalt genug ist, frieren Wassertröpfchen an winzigen Staubkörnchen fest und bilden so Eiskristalle. Es gibt vier verschiedene Grundformen: Nadeln, Plättchen, Säulen und Dendriten. Die ersten drei Arten sehen tatsächlich fast immer gleich aus. Aber eben nur fast. Die spannendste Form der Kristalle sind die Dendriten. Das ist ein Fremdwort und heißt so viel wie "stark verzweigt". An der Grundform friert ein Eiskristall fest, an dem dann noch einer und daran noch einer. So entsteht langsam ein verzweigtes Sternchen. Eine richtige Schneeflocke entsteht aber erst dann, wenn sich mehrere solcher Eissterne ineinander verhaken. Das passiert auf dem Weg zur Erde. In den Wolken sprechen wir noch von Schneekristallen.

Welche Art von Schneekristallen entsteht, hängt von der Temperatur ab. Die verzweigten Sternchen haben es gern eisig und bilden sich bei minus 17 bis minus zwölf Grad. Wenn wir die wunderschönen Formen bestaunen wollen, muss es draußen also bitterkalt sein. Sind die Schneekristalle genug gewachsen und haben eine gewisse Schwere, beginnen sie zur Erde zu fallen. Sie müssen verschiedene Luftschichten durchqueren, in denen es unterschiedlich kalt ist. Dabei verändern sie ihr Aussehen. Wenn es wärmer ist, schmelzen die Enden ein wenig, in kälteren Luftschichten friert wieder etwas an.

Bei all dem Tumult bleiben mehrere Schneekristalle aneinanderhängen und bilden dicke Schneeflocken. Bis zu drei Zentimeter können die groß werden. Schneeflockenforscher wollen sogar welche mit zwölf Zentimetern Durchmesser gesehen haben. Den Weg zur Erde treten die Flocken übrigens sehr gemütlich an. Wenn sie nicht gerade von einem kräftigen Wind umhergepustet werden, trudeln sie mit etwa vier Kilometer pro Stunde nach unten. Das ist viel langsamer als ein Regentropfen und ungefähr so schnell wie ein Mensch sich bei einem Spaziergang bewegt.

Aber Moment mal: Warum ist Schnee eigentlich weiß, schließlich ist Schnee gefrorenes Wasser, wie Eiszapfen auch – und die sind durchsichtig!? Tatsächlich sind auch die einzelnen Schneeflocken transparent. Sie erscheinen uns aber weiß, wenn viele Flocken zusammenkommen. Das liegt an ihrer komplizierten Struktur. Die vielen Ecken, Flächen und Kanten einer jeden Schneeflocke werfen das Licht in sehr viele unterschiedliche Richtungen zurück.

Frischer Pulverschnee schluckt übrigens Geräusche. Sie dringen in die Hohlräume der aufeinander liegenden Schneeflocken ein, finden aber nicht mehr hinaus. Anders als das Licht werden sie also kaum zurückgeworfen. Liegt der Schnee aber länger und wird hart, wirft er Geräusche besser zurück und es wird wieder lauter. Dann ist Schluss mit der weißen Stille.