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20. August 2016

Aus einem Karton voller Marken wird eine Sammlung

Zwei Jungen beschäftigten sich während der Sommerferien mit der Philatelie / Regelmäßige Treffen ab Oktober geplant.

  1. Norbert Amrein erklärt seinen zwei Gästen, wie man richtig Briefmarken sammelt. Foto: Danielle Hirscherberger

  2. Ordentliches Katalogisieren der Marken ist besonders wichtig. Foto: Danielle Hirschberger

RHEINFELDEN. Sind Briefmarkensammler in der Zeit von Smartphone und Mails nicht Fossile einer längst vergangenen Zeit? Gibt es noch irgendjemand, der sich für die kleinen, gezackten, bunten Vierecke interessiert? Und dazu noch im Sommerferienprogramm für Kinder? Im Jugendhaus Tutti Kiesi sitzen zwei Jungs und Norbert Amrein und arbeiten mit viel Freude – an Briefmarken.

Leon ist zehn Jahre, Tobias 13 Jahre alt. Ihnen gegenüber sitzt Norbert Amrein, Zweiter Vorsitzender des Briefmarkensammelbundes Lörrach und Obmann der Sammlergruppe Rheinfelden. Er zeigt den beiden Schülern an drei Vormittagen im Rahmen des Sommerferienprogramms den angemessenen Umgang mit Briefmarken.

Begonnen hat dieser Lehrgang zur sogenannten Philatelie am 2. August mit einem Schuhkarton voller Briefmarken, den Norbert Amrein für fünf Euro bei Ebay ersteigern konnte. "Alle Briefmarken zu sammeln ist heute undenkbar. Jeder Sammler hat ein Spezialgebiet, ein Motiv oder eine Epoche" erklärt Amrein. Deshalb sortierten die beiden wissbegierigen Jungs aus dem Schuhkarton alle Briefmarken aus, auf denen ein Leuchtturm zu sehen ist. Damit war der Anfang zu einer Motivsammlung gemacht. Leon und Tobias fragten sich zum Beispiel, wo der Leuchtturm steht, wie hoch er eigentlich ist und wann er gebaut wurde. In den folgenden Tagen bis zum zweiten Treffen des Sommerferienprogramms eine Woche später musste Norbert Amrein im Internet (hauptsächlich Wikipedia) alles über die Leuchttürme herausfinden, die die beiden Jungs aus der Schachtel gefischt hatten.

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Die Briefmarken mit grober Zähnung (aus Markenheftchen) und die Briefmarken mit feiner Zähnung (von Bögen) wurden sorgfältig aufgeklebt, mit Hawid-Streifen gesichert und zu den Textstellen geklebt, die der Briefmarkenliebhaber recherchiert hatte. In Klarsichthüllen geordnet nach Leuchttürmen an der Nordsee, an der Ostsee und zwei Binnenleuchttürme. Ganz nebenbei betrieben die Jungen so auch noch Geographie, lernen ohne es zu merken, denn sie waren mit großem Eifer bei der Sache.

Amrein fuhr mit den beiden zur Post in der Friedrichstraße, um Stempel zu analysieren und schickte jedem einen Brief mit einem Erststempel der Stempelstelle Berlin. Auch diese Briefe wurden gesichert und eingeordnet – Leuchtturm Kampen auf Sylt, ein weißer Leuchtturm mit schwarzem Band und einem Briefmarkenwert von 70 Cent. Hochkonzentriert arbeiteten die Schüler in ihren Ferien und haben nach drei Vormittagen das Grundwissen über Philatelie und eine Motivmappe. Von sechs berühmten Leuchttürmen war keine Marke im ersteigerten Schuhkarton. Die entsprechenden Textstellen mussten leer bleiben.

Norbert Amrein bot diesen Lehrgang schon 2015 im Sommerferienprogramm an, die Jungs, die damals mitmachten, sind heute noch dabei. Sie treffen sich ab Oktober jeden zweiten Dienstag im Monat im Jugendhaus Tutti Kiesi von 17 bis 18 Uhr. Auch Leon und Tobias wollen weitermachen und die leeren Stellen im Album füllen. Auf der Webseite des Lörracher Vereins steht zu lesen: "Das Sammeln ist dem Menschen angeboren, und so wird auch das Briefmarken sammeln nicht aussterben, zumal es ein lehrreiches Hobby ist."

Autor: Danielle Hirschberger