Intelligent, schön, einflussreich

Jens Schmitz

Von Jens Schmitz

Do, 29. Dezember 2016

Ausland

IM PROFIL: Tochter Ivanka gilt als eine der wichtigsten Beraterinnen ihres Vaters, des künftigen US-Präsidenten Donald Trump.

"Wie fantastisch das ist, dass ich eine Chance habe, das Aussehen dieser Skyline zu verändern": Diesen Satz soll Ivanka Trump 2004 gegenüber einer Kindheitsfreundin gesagt haben, auf dem Dach des Trump Tower in Manhattan. Gemessen an ihrem zukünftigen Einfluss könnten die bisherigen Chancen bald verblassen. US-Medien sehen in der 35-Jährigen Tochter von Donald Trump die eigentliche nächste First Lady.

Intelligent, schön und erfolgreich: Schon im Wahlkampf war Donald Trumps ältere Tochter eine seiner stärksten Waffen. Unter den fünf Kindern ist sie sein anerkannter Favorit und hat im Konzern eine Machtfülle, die der Patriarch keiner seiner drei Ehefrauen zugestand. Er hatte ursprünglich angekündigt, ihr im Fall eines Sieges große Teile der Firma anzuvertrauen. Doch davon ist inzwischen nicht mehr die Rede.

Trumps öffentlichkeitsscheue Ehefrau Melania wird ihren Mann zunächst nicht ins Weiße Haus begleiten, sondern in New York bleiben, um dem zehnjährigen Sohn Barron den Abschluss des Schuljahres zu ermöglichen. Ivanka und ihr Mann hingegen sollen in Washington auf Wohnungsschau sein – und dem Vernehmen nach sucht Ivanka im West Wing des Weißen Hauses auch ein Büro. Traditionell gehört dieser Flügel der First Lady.

Ivanka vermittelte ihrem Vater seit dessen Sieg nicht nur Treffen mit den Klimaschützern Al Gore und Leonardo DiCaprio. Sie hat ihn auch zu Unterredungen mit den Staatschefs von Japan und Mexiko begleitet. Die Washington Post vermutet, Ivanka könne "die mächtigste First Lady der Geschichte" werden: Sie sei im Umgang mit der Öffentlichkeit besser geschult als die meisten ihrer Vorgängerinnen. Und der künftige US-Präsident ist nicht nur emotional auf sie angewiesen.

Ivanka Marie Trump ist das zweite Kind von Immobilienmogul Donald Trump und seiner ersten Frau Ivana, einem früheren Model. Sie wurde am 30. Oktober 1981 in New York City geboren und durchlief schon als Kind ein Stahlbad öffentlicher Abhärtung: Als sie acht Jahre alt war, demütigte Vater Donald die Mutter öffentlich mit der ehemaligen Schönheitskönigin Marla Maples. Während der jahrelangen Scheidungsschlacht brachten Mitschüler Illustrierte mit, auf deren Titel Maples vom "besten Sex, den ich je hatte" schwärmte. Mit Hillary Clintons Tochter Chelsea, die in den 90er-Jahren den Lewinsky-Skandal ihrer Eltern durchlitt, verbindet Ivanka bis heute eine enge Freundschaft. Im Wahlkampf hat sie es vermieden, negativ über die Clintons zu sprechen.

Ivanka besuchte in Manhattan zunächst die elitäre Chapin School, dann die nicht minder exklusive Choate Rosemary Hall in Connecticut. Ihr Wirtschaftsstudium absolvierte sie an den noblen Universitäten Georgetown (Washington, D.C.) und Penn (Pennsylvania). Gleichzeitig begann sie zu modeln: 1997 hatte sie bei der Zeitschrift "Seventeen" ihr erstes Cover, danach folgten Auftritte für so bekannte Marken wie Versace und Hilfiger. Nach Abschluss ihres Studiums verdiente Trump sich ihre ersten Sporen bei einer anderen Immobilienfirma, stieg schließlich aber in den Konzern ihres Vaters ein. Zusammen mit dessen Söhnen Donald Jr. und Eric gehört sie heute dort zu den wichtigsten Führungskräften. Daneben vermarktet sie ihren Namen mit Schmuck, Schuhen und einer Lifestyle-Website.

Anders als Donald Trump hat Ivanka von klein auf gelernt, sich in Manhattans Topzirkeln zu bewegen. Sie wirkt in ihrer ganzen Haltung selbstsicher und kontrolliert. Sie ist als ruhige Verhandlerin bekannt und ergänzte den Wahlkampf ihres Vaters um gemäßigte, weiche Züge. Ihr Einsatz für Frauenrechte und Klimaschutz hielt auch im linken Spektrum Interesse wach.

Selbst in der Spätphase ihrer dritten Schwangerschaft tourte sie noch für die Kampagne durchs Land. Seit 2005 ist sie mit dem gleichaltrigen Jared Corey Kushner verheiratet, Sohn einer weiteren New Yorker Immobilienfamilie und Besitzer des "New York Observer". Für ihn ist die ehemalige Presbyterianerin zum Judentum konvertiert. Das Paar hat in der Vergangenheit demokratische Kandidaten unterstützt, doch in Trumps Wahlkampf war Kushner eine der wichtigsten Figuren. Das lässt manchen Beobachter bereits spekulieren, ob sich in Washington eine neue Dynastie formiert.