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12. Dezember 2008 15:03 Uhr

Möglicher Interessenkonflikt

Korruption beim Nobelpreis für Harald zur Hausen?

Mit dem Medizin-Nobelpreis für den Heidelberger Virologen Harald zur Hausen ist auch ein Medizinalkonzern sehr zufrieden. Nun will Schwedens Oberstaatsanwalt prüfen, ob alles mit rechten Dingen zuging. Zudem soll die Nobel-Stiftung sich finanziell verspekuliert haben.

  1. Der Medizin-Nobelpreisträger 2008, Harald zur Hausen, auf dem Weg zu einer Pressekonferenz in Stockholm. Foto: dpa

Harald zur Hausen wurde für die Entdeckung des HP-Virus als Erreger von Gebärmutterhalskrebs geehrt. An den beiden Impfstoffen, die gegen diesen Virus auf dem Markt sind, hält der Konzern Astra Zeneca Urheberrechte. Zu den Mitgliedern des Nobelkomitees am Stockholmer Karolinska Institut zählt Bo Angelin, der auch im Aufsichtsrat von Astra Zeneca sitzt. Vorsitzender der Jury, die den Medizinpreis vergibt, ist Bertil Friedholm, der bis vor zwei Jahren als wissenschaftlicher Berater im Sold des britisch-schwedischen Konzerns stand.

Angelin räumt ein, dass er aktiv bei der Preisvergabe mitmischte. Doch erst als ihn der Schwedische Rundfunk auf den Interessenkonflikt ansprach, will ihm seine Doppelrolle aufgegangen sein: "Wenn ich nachdenke, kann ich sehen, dass es ein finanzielles Interesse der beteiligten Firmen an dem Nobelpreis gibt." Der Branchenanalyst Johan Unnerus schätzt, dass die Impfstoffe Astra Zeneca jährliche Einnahmen von 300 bis 500 Millionen Dollar verschaffen werden.

"Wenn ich nachdenke, kann ich sehen, dass es ein finanzielles Interesse der beteiligten Firmen an dem Nobelpreis gibt."

Bertil Friedholm

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Anders Barany, Mitglied des Physik-Komitees und einer der erfahrensten Nobel-Experten, sorgt sich um den Ruf des Preises. Die meisten Nobeljuroren seien selbstständig und unbeeinflussbar, doch sie lebten in einer Welt von vor zehn Jahren, als die Macht der Lobbyisten und Sponsoren noch nicht so groß gewesen sei. Zu den Geldgebern der Nobel-Stiftung zählt Astra Zeneca, das zwei Firmen, die der Stiftung unterstehen, mit Millionenbeträgen finanziert. Nun lässt Oberstaatsanwalt Christer van der Kwast untersuchen, ob das Nahverhältnis die Grenze zur Korruption überschreitet, was Michael Sohlman, der Direktor der Stiftung, vehement bestreitet. Zwischen den vom Medizinalkonzern finanzierten Aktivitäten und der Vergabe der Nobelpreise stehe eine "chinesische Mauer".

Apropos China: Auch auf eine Reise ins Reich der Mitte fällt van der Kwasts Verdacht. Dass mehrere Mitglieder des Nobelkomitees auf Kosten der chinesischen Regierung das Land bereisten, sei ein Grenzfall gewesen, meint Friedholm, einer der Teilnehmer. "Unpassend" nennt Gunnar Öqvist, Sekretär der Wissenschaftsakademie, die Einladung. Ständiges Thema aller Termine: Was China tun könne, um endlich auch einen Nobelpreis zu bekommen, denn in der Liste der Wissenschafts-Laureaten sucht man das Riesenreich bisher vergeblich. Ob eine solche Reise seine Entscheidungen beeinflussen könne? "Ich glaube es nicht," sagt Friedholm, "aber das zu beweisen, ist nicht so einfach."

Zu den Sponsoren der Unternehmen Nobel Web und Nobel Media zählt auch der US-Konzern Honeywell. Er produziert unter anderem Kampfhubschrauber und Atomsprengköpfe und steht auf der vom Friedensforschungsinstituts Sipri erstellten Liste der größten Rüstungsproduzenten auf Rang 15. Aufgabe der beiden Nobel-Medienfirmen ist es, Wissen über die Nobelpreise zu verbreiten, darunter auch über den Friedenspreis.

Presseberichten zufolge plagen die Stiftung noch weitere Sorgen: Statt das Vermögen in sichere Wertpapiere anzulegen, wie es Alfred Nobel verfügte, soll auch in riskante Hedgefonds investiert worden sein. Schon 2009 steht nun angeblich die Höhe des Preisgeldes von einer Million Euro pro Disziplin zur Diskussion.

Autor: Hannes Gamillscheg