USA

Machtkampf im Weißen Haus - Trump geht auf Distanz zu Bannon

dpa

Von dpa

Mi, 12. April 2017 um 18:07 Uhr

Ausland

Trumps umstrittener Chefstratege Bannon ist für die ideologische Ausrichtung seiner Politik wichtig. Es mehren sich aber die Zeichen, dass sein Einfluss schwindet - sogar ein Abgang scheint möglich.

US-Präsident Donald Trump hat indirekt einen Machtkampf unter seinen Top-Beratern Jared Kushner und Stephen Bannon bestätigt. Zugleich ging er auf Distanz zu seinem umstrittenen Chefstrategen Bannon. "Steve ist ein guter Kerl, aber ich habe ihnen gesagt, sie sollen es in Ordnung bringen, oder ich werde es machen", sagte Trump der "New York Post". Er möge Bannon, aber er sei erst spät in seinen Wahlkampf einbezogen gewesen.

US-Medien kommentierten, mit diesen Aussagen drohe Bannon ein Abgang aus dem Weißen Haus. Verbündete Bannons hätten überrascht und "verstört" auf den Bericht reagiert, schrieb der politische Newsletter Axios unter Berufung auf Insider.

Vor einer Woche erst hatte der überraschende Abzug Bannons aus dem einflussreichen Nationalen Sicherheitsrat Spekulationen über Machtkämpfe im Weißen Haus ausgelöst. Trump hatte das Gremium umstrukturiert, so dass Bannon ihm nicht mehr angehört.
Mehr über den Mann

Steve Bannon war Chef des ultrakonservativen Nachrichtenportals "Breitbart News", der Kritiker Rassismus, Frauenfeindlichkeit und Antisemitismus vorwerfen. "Finsternis ist gut", hat Bannon kürzlich gesagt. "Dick Cheney. Darth Vader. Satan. Das ist Macht. Es kann uns nur helfen, wenn sie uns missverstehen. Wenn sie blind dafür sind, wer wir sind und was wir tun." Mit "sie" waren Liberale und Fortschrittliche gemeint. Der Chefstratege des neuen US-Präsidenten hat diese Sätze gesagt, als er seinen neuen Posten schon innehatte. Nach den ersten Wochen der neuen Regierung halten ihn viele für den Drahtzieher im Weißen Haus. Donald Trumps Strippenzieher im Profil.

Bannon ist eine der schillerndsten Figuren in der Machtarchitektur des Weißen Hauses. Als Investmentbanker reich geworden, zog er zunächst als Chef der rechten Webseite Breitbart gegen das Establishment zu Felde, bevor er als Trumps Wahlkampfmanager und später als Chefdenker im Weißen Haus die "Dekonstruktion" des Staates als oberstes Regierungsziel ausgab.

Seit Tagen mehren sich in den USA Berichte, dass sich ein Machtkampf unter Trumps Top-Beratern im Weißen Haus zuspitzt. Dabei gehe es um einen Richtungsstreit zwischen eher liberalen und moderaten Kräften mit Trumps Schwiegersohn Jared Kushner an der Spitze und nationalistischen Kräften um den umstrittenen Bannon. Der 63-Jährige gilt als Verfechter der "America first" ("Amerika zuerst")-Politik Trumps.

Der Einfluss des Schwiegersohns scheint zu wachsen

US-Medien hatten bereits über einen bevorstehenden Umbau der Top-Berater-Ebene im Weißen Haus spekuliert. Am vergangenen Freitag sollen sich Bannon und Kushner mit dem Stabschef des Weißen Hauses, Reince Priebus, in Trumps Anwesen in Florida zu Gesprächen getroffen haben.

Vor allem der Einfluss von Trumps Schwiegersohn Kushner scheint in den vergangenen Wochen gestiegen zu sein. Der 36-Jährige Ehemann von Trumps Tochter Ivanka - der wohl engsten Vertrauten des Präsidenten - hat wichtige Aufgaben übernommen. Er berät Trump unter anderem in Fragen des Mittleren Ostens, Israels, Chinas, Mexikos und Kanadas. Kushner verfügt wie Bannon über keine außen- oder sicherheitspolitische Erfahrung. Kushner soll außerdem den Regierungsapparat umkrempeln.

Mehr zum Thema: