Konflikt USA - Nordkorea

Scharfe Töne aus den USA

Frank Herrmann und AFP/dpa

Von Frank Herrmann, AFP & dpa

Sa, 29. April 2017

Ausland

Präsident Trump warnt vor einem "großen, großen Konflikt" mit Nordkorea / UN-Sicherheitsrat tagt.

NEW YORK/WASHINGTON. Im Atomstreit mit Nordkorea hat US-Außenminister Rex Tillerson eine verschärfte diplomatische und wirtschaftliche Isolierung des Landes gefordert. Der amerikanische Präsident warnt derweil in drastischer Sprache vor einem Krieg.

Am liebsten würde man die Krise zwar diplomatisch lösen, aber das sei sehr schwierig, sagte Donald Trump in einem Interview mit der Agentur Reuters. "Es besteht die Möglichkeit, dass wir am Ende einen großen, großen Konflikt mit Nordkorea haben." Zuvor hatte Trump alle hundert Senatoren ins Weiße Haus eingeladen, um sie über mögliche Konfliktszenarien zu informieren – ein höchst ungewöhnlicher Schritt, der den Ernst der Lage noch unterstreichen sollte.

Auch Tillerson schließt ein militärisches Vorgehen gegen Nordkorea nicht aus. Im Falle eines weiteren Raketen- oder Atomtests Pjöngjangs müssten "alle Optionen" auf dem Tisch bleiben, sagte Tillerson am Freitag bei seinem ersten Auftritt im UN-Sicherheitsrat. Schon jetzt sei die Bedrohung durch einen atomaren Angriff auf Südkorea oder Japan real, sagte Tillerson. Bis Nordkorea auch US-Festland treffen könnte, sei es nur noch eine Frage der Zeit. "Ich fordere den Rat auf, zu handeln, bevor Nordkorea es tut."

Die bisherigen Sanktionen gegen das abgeschottete Land hätten keine Ergebnisse gebracht, die internationale Gemeinschaft habe zu lange nur reagiert, nicht agiert. "Es ist Zeit, dass wir wieder die Kontrolle über diese Situation übernehmen", erklärte der US-Außenminister. Sein chinesischer Amtskollege Wang Yi warnte vor einer militärischen Reaktion. Dies löse nicht das Problem und werde "nur zu größeren Katastrophen" führen, sagte Wang im UN-Sicherheitsrat.

Vor der Sitzung in New York hatte Tillerson direkte Gespräche mit Nordkorea für möglich erklärt. "Das wäre eindeutig die Art, wie wir das gerne lösen würden", sagte Tillerson der Radiostation NPR. Zudem versicherte er, dass es Washington weder um einen Machtwechsel in Pjöngjang noch um eine beschleunigte Wiedervereinigung von Nord- und Südkorea gehe. Was die US-Regierung anstrebe, sei eine koreanische Halbinsel ohne Kernwaffen.

Unterdessen nimmt ein amerikanischer Flugzeugträger, USS Carl Vinson, Kurs auf die koreanische Küste. Diesmal scheint es kein Bluff zu sein wie vor drei Wochen, als Trump verkündete, einen Flottenverband Richtung Nordkorea geschickt zu haben, obwohl er sich auf dem Weg zu einem Manöver vor der Küste Australiens befand.